‚Der Schwanz als Diktator‘ – oder: Männer sind gefährlich (akt.)

Die Münchner Aids-Hilfe hat eine neue Kampagne gestartet, „Der Schwanz als Diktator“ – eine Kampagne, die kontroverse Reaktionen hervorruft.

Eines der Motive der Kampagne:

"Der Schwanz als Diktator" - neue Kampagne der Münchner Aids-Hilfe
"Der Schwanz als Diktator" - neue Kampagne der Münchner Aids-Hilfe (c) Münchner Aids-Hilfe

Die Münchner Aidshilfe schreibt zu ihrer neuen Kampagne:

„Natürlich ist es ein ganz übles Klischee!
Aber sicher auch eines, bei dem sich viele Schwule schon mal gefragt haben, ob es nicht doch ein Körnchen Wahrheit beinhaltet: Männer werden von ihrem Schwanz gesteuert! Also sind wir mal davon ausgegangen, dass es so ist: Dass ein kleiner Diktator zwischen unseren Schenkeln sagt, wo es lang geht. Und dass dies zu Problemen führen kann, kann man sich ja denken…“

Die Kampagne entstand aus einer Werbeagentur heraus: „Die Idee und die wunderbare Umsetzung ist uns von der Werbeagentur .start! zur Verfügung gestellt worden.“

„Der Schwanz als Diktator“ – eine Kampagne der Münchner Aidshilfe. Dazu ein Gastbeitrag von Martin Klatt:

Auch im Jahr 2009 ist in AIDS-Hilfe noch etwas drin, was man dort nicht auf den ersten Blick vermutet und es gibt viele Botschaften, die mir in den letzten Tagen begegneten. Im Folgendem handelt sich um Gedanken, die von mir interpretiert wurden und nichts mit der Kampagne zu tun haben müssen aber von ihr inspiriert sind:

· Männer sind gefährlich.

· (Männliche) Sexualität ist unberechenbar, gemeingefährlich und unterdrückend.

· Der Schwanz macht viele Probleme und ist ein Fremdkörper, mit dem „Ich“ nichts zu tun habe.

· Die Autonomie des einzelnen kann in Frage gestellt werden (auch wenn man es nicht will…)

· HIV-positive sind dafür verantwortlich, die Infektion nicht weiterzutragen.

· Sexualität ist gefährlich und muss zumindest aus seuchenmedizinischer Sicht kontrolliert werden (Herr Gauweiler und Co hatten doch nicht so unrecht…).

· Ist das (Begleitscheiben) von der oder für die katholischen Kirche?

· Ist das für die Kampf-Fraktion der Frauen in der Emanzipationsbewegung geschrieben?

· Warum ist Herr Gauweiler eigentlich nicht der abgebildete Diktator?

· Hat das irgendwas mit Schwulen zu tun? Waren vielleicht Diktatoren der angedeuteten Staaten MSM?

· Gibt es das auch mit Hitler?

· Der HIV-Schnelltest hilft (gegen oder für … ja was eigentlich ?- Diktatoren, die zwischen den Schenkeln schaukeln?)

· Alle MSM in diesem Lande, die ihr euch von AIDS-Hilfe nicht angesprochen fühlt – habt ihr es gut….es wird weiterhin dafür gesorgt, dass ihr gute Gründe habt, es dabei bewenden zu lassen.

· Was hat das mit Schnelltest zu tun? Auch in Diktaturen wird schon mal schnell geschossen.

· Eine Kampagne kommt gut ohne sinnvolle Botschaft aus.

· AIDS-Hilfe ist neben den Hochglanz-Leitbildern und wirklich gut klingenden Ansätzen auch noch etwas ganz anderes…
(es lohnt sich immer, hinter die Fassaden zu schauen…in diesem Fall bekommt man Inneres sogar frei Haus)

· Man muss auch Männer, die ihrem Schwanz ausgeliefert sind, dort abholen wo sie stehen.

· Diktaturen sind gut für eine leichte und witzige Werbekampagne.

· Braun als (Grund-)Farbe des Motivs muss nicht politisch gewertet werden und braucht nicht mit einer irgendwie gearteten Geschichte in Verbindung gebracht werden (außerdem gibt es dass ja auch in grau).

· Menschen, die aus politischen Gründen oder wegen ihrer homoerotischen Neigungen in Diktaturen verfolgt werden und wurden sind keine Gruppe, auf die Rücksicht genommen werden muss.

· Die Würde des Menschen ist unantastbar (sozusagen per Definition) und Angriffe dagegen muss eine Demokratie aushalten bzw. sind dann per Definition gar nicht möglich und beruhen logischerweise auf der Überempfindlichkeit derer, die sich als Opfer wähnen.

· Leitbilder in ihrer Tiefe zu verstehen und zu leben ist nachrangig, wenn es darum geht sich Gehör verschaffen zu wollen.

· Authentizität gegenüber eigenen Leitbildern ist nachrangig, wenn die Werbeindustrie mal wieder einen Coup gelandet hat.

· Man kann der Werbeindustrie nicht sagen: „Das geht gar nicht, das nehmen wir nicht“ – leichter ist es, die eigenen Werte zu verraten.

· Die Würde des Menschen ist ein Kostenfaktor und disponierbar.

· Man muss sich nicht dem Vorwurf aussetzen, feige zu sein (wenn man sich nicht mit der Werbeagentur anlegt), schließlich hat man ja eine mutige Kampagne gestartet.

· Der Zweck, ach nein – pardon, Geld heiligt die Mittel.

· Wandel in Geschichte kann in abgedroschenen Klischees durchaus ignoriert werden.

· In einer Diskussion (rund um den Test) erworbenes Renomee bürgt nicht für Qualität einer Einrichtung (man lasse sich nicht von schönen Worten blenden).

· „Der Farbige an sich schnackselt halt gerne“ wie man spätestens seit Frau von Thurn und Taxis weiß.

· Die einzelne AIDS-Hilfe ist grenzenlos autonom.

· Die einzelne AIDS-Hilfe muss es nicht kümmern, wenn sie verbandsschädigende Botschaften/Kampagnen verbreitet.

· AIDS-Hilfen (d.h. die Menschen darin) sind es selber schuld, wenn sie sich mit den Botschaften/Kampagnen anderer AIDS-Hilfen identifizieren (wollen).

· Der Karikaturen-Streit ist adaptierbar.

· Kampagnen in AIDS-Hilfe sind auf den ersten Blick gerne ohne klare Botschaften und sind bevorzugt für Menschen zugänglich, die sich (zeitlich und inhaltlich) intensiv und intellektuell mit Medien auseinandersetzen (können) und gerne zwei bis x mal um die Ecke denken.

· Mit genügend Ausdauer werden wir die verstandesgesteuerte, misstrauenbesetzte Sexualität schon noch hinbekommen.

· Vertraue keinem, auch dir selbst nicht – du kannst nie wissen, was du tust.

· Vermeide Leben, du könntest von ihm diktiert werden und schlimmer, es könnte dir schaden.

· Die Michael-Stich-Stiftung ist doch in guter Gesellschaft…

· Kann ein großer Diktator auch ein kleines Problem sein? – und wie ist das mit der Demokratie?… …ist mein Schwanz stimmberechtigt?

…ich schweife nun endgültig ab…ich liebe diese Kampagne…

also zurück zur Kampagne, die zwei Preise verdient:

Den „Schimmligen Schwanz 2009“ in Gold für die beste „Schlechteste Kampagne einer AIDS-Hilfe“.

Die „Goldene Irgendwas 2009“ die nicht mit Lob spart, wie toll diese mutige Kampagne doch zu einer offenen Diskussion anregt und somit dem Thema Aufmerksamkeit beschert und sich die Macher nicht scheuten, dazu in leichter und witziger Art kontrovers erlebte Motive aufzugreifen.

Gastbeitrag von Martin Klatt (nicht als Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Gießen e.V., nicht als Vorstand der AIDS-Hilfe Hessen e.V.)

queer.de 27.02.2009: ‚Münchner Aids-Hilfe schwanzfixiert
TheGayDissenter 27.02.2009: ‚Das Diktatorentreffen zu München‘

Nachtrag 07.03.2009: Die Münchner Aids-Hilfe hat inzwischen in ihrem Forum eine Diskussions-Seite zur Kampagne „Der Schwanz als Diktator“ eingerichtet

32 Gedanken zu „‚Der Schwanz als Diktator‘ – oder: Männer sind gefährlich (akt.)“

  1. es wird gesprochen. das spricht für die kampagne. wenn sie an uns vorbei rauschen würde, wäre sie schlecht.

    der zusammenhang ist merkwürdig.

    schwanz als diktator (ob klein oder groß) ist ja kein schlechtes bild. was aber hat das mit den schnelltest zu tun? wer sich dem sexuellen rausch hingibt, muss buße tun. (nicht mehr beichten gehen, nein. heute zum schnelltest) – verstehe ich das so richtig?

    und was ist der zusammenhang: „teste dich. schütze andere.“ wem wird hier verantwortung übertragen – mal so ganz fix? entspricht das dem leitbild der deutschen aids hilfe, dem hoffentlich die mü ah als mitgliedsorganisation verpflichtet ist?

    fragen über fragen.

    und lieber Matthias Klatt, wir kennen uns nicht persönlich, aber ich würde mich freuen, wenn du in deinen funktionen deine fragen an die kollegen der mü ah stellst. auch solche auseinandersetzungen können zur klarheit und entwicklung des verbandes beitragen. wenn wir sie so führen, dass für alle erkenntnisgewinn daraus entsteht.

    beste grüße

    carsten schatz
    mitglied des dah-vorstandes

  2. wie sagt doch ein altes deutsches sprichwort: wenn der schwanz steht – steht der verstand still. als vertreter der these je provokativer umso besser und gegner der these “ . . aber eine aids hilfe darf doch sowas nicht tun – sie hat edel, hilfreich, gut und immer verständnisvoll zu sein“ find ich die kampagne gut weil sie polarisiert. 25 jahre nach hiv darf man schon mal VOR nem fick denken. und das dies viele nach wie vor nicht tun nicht tun das sieht man gerade jetzt wieder nach den närrischen tagen in den bekannten foren. da standen einige hirne still bzw waren offline.

    der einzigste punkt wo ich mir an den kopf greif ist die fixierung auf Schwule. “ Aber sicher auch eines, bei dem sich viele Schwule schon mal gefragt haben . . . . ;schwulen Männern näher bringen, dass es verschiedene Probleme geben kann, etc“

    aber gut wie wir wissen ticken in bayern die uhren anders und da heten eh katholisch sind und vor bzw ausserhalb der ehe nicht vögeln . . . . . .

  3. Diese Kampagne ist sinnlos und dumm. Sie wirft aber ein trauriges Licht auf die Personen, die dahinter stehen. Michael-Stich ist damit rehabilitiert. Danke!

  4. Aha! So ist das also:
    auf der einen Seite: Ich weiss was ich tu;
    Und auf der anderen: · Vertraue keinem, auch dir selbst nicht – du kannst nie wissen, was du tust.
    Frage: bin ich nun endgültig schizophren – oder die Welt, in der ich lebe? (Nein, nein, ist nicht von mir.)
    Und wann kommt ihr endlich wieder auf die Erde zurück???
    M …

  5. Slogans und Fotomontagen finde ich voll daneben, zumal sie die Assoziation wecken, dass die Kondome die Diktatoren sind. Denn hier sitzen die Diktatoren auf dem Schwanz, und da möchten die Präventionsmitarbeiter ja das Kondom hin manövrieren…

    Man könnte also nun sehr leicht assoziieren:

    “Kondome sind gefährlich!- Es grüßt ihre Münchner AIDS-Hilfe”

  6. @ Carsten
    Verbandsentwicklung?
    Gabs da nicht mal bei der DAH ein in der Satzung verankertes Konzept der strukturellen Prävention und verbandlich verabschiedetes Leitbild? Was ist da zu entwickeln?

  7. es ist dumm, sinnfrei und unverschämt, eine solche kampagne ernsthaft in die tat umzusetzen. bildsprache solte doch ein wenig mehr können als mit unpassenden vergleichen botschaften, die mit dem dargestellten so gar nichts zu tun haben assoziieren zu wollen. es stellt sich mir nur die frage, ob die komzeption letztendlich von (schwulen) männern gemacht wurde, die mit dieser kampagne letztendlich eine entschuldigung für ihre eigene bereits diagnostizierte HIV-infektion suchen.

    ich hoffe nur, dass diese mentalität und der wille, solche unsinnigen und überflüssigen kampagne zu realisieren sich auf den münchner raum beschränkt. anzunehmen, dass die münchner aids-hilfe davon abrückt und zukünftig vielleicht einmal andere wege einschlägt, ist mit dieser zweitauflage ja eher mal nicht zu erwarten.

    die münchner sollten dringend doch mal ihre eigenen werte überprüfen und diese ggf. für eine solche kampagne anpassen: verantwortungslos, unsozial, kleingeistig. inkompetent.

  8. „Sexuelle Begierden schaffen Probleme“, so die begleitende Kommentierung der MÜ AH. Werbeagenturen, die von HIV-Prävention nicht viel verstehen, allerdings auch! (s. Michael-Stich-Stiftung)
    Das war aus München mal wieder ein Griff in die Sch……!
    Prävention soll gelebte Sexualität flankieren, nicht einengen, bewerten oder moralisieren! Dachte immer, das wäre ein Grundsatz in der Arbeit der Aidshilfen.

  9. Dass wir uns hier nicht falsch verstehen: Für die Kampagne ist die MüAH verantwortlich, nicht die Agentur! Ich hoffe, dass denen wenigstens die ehrenamtlichen schwulen Mitarbeiter mal gehörig den Marsch blasen.

  10. @MIZ

    Tut mir ja sehr leid – aber der Spruch“ Wenn der Schwanz steht, steht der Verstand still“ den gab es schon vor HIV. Und das – wenn die Begierde von Zwanghaftigkeit und Maßlosigkeit geprägt ist, man sich davon beherrschen läßt dann hat man sich schlicht und einfach dem Diktat der Begierde unterworfen. Da ist dann nichts mehr von Willen und Verstand einsetzen. Schön für Dich wenn Du seit dem Tag Deiner Geburt dich immer hast von Deinem Verstand hast leiten lassen und Du Dir immer deiner Verantwortung bewußt warst und entsprechend gehandelt hast.

    Manchmal könnte man den Eindruck bekommen das der Mensch so ne Art Super Human zu sein hat bzw sein muß.

    Ganz besonders seitdem er HIV + ist. Und wenn er Schwul ist sowieso.

  11. @ Dennis
    Muss Dir doch nicht leid tun?! Ich wette, dass auch MIZ sich nicht immer vom Verstand leiten lassen hat beim Sex, aber darum geht es auch gar nicht. Es geht zum Beispiel darum, dass es nicht sehr motivierend ist wenn man als schanzgesteuertes Unwesen dargestellt wird. Das ist eine unzulässige Reduktion eines ganz vielschichtigen Komplexes. Die Aids-Hilfe kann auch ruhig polarisieren, sie sollte aber nicht stigmatisieren, wenn sie noch jemand erreichen will. Würdest Du bei denen zum Testangebot gehen, wenn Du davon ausgehen kannst, dass sie Dich als schwanzgesteuertes Wesen sehen? Ich nicht. Vielen Dank, dann testet Euch mal selber.

  12. @ Dennis
    Kann es sein, dass Du meinen Kommentar falsch verstanden hast? Ich befüworte diese Kampagne nicht, weil die Bilder und Vergleiche völlig daneben sind. Sexualität mit Diktatur zu vergleichen ist zutiefst sexualitätsfeindlich. Ein Armutszeugnis, wenn die Münchner Aidshilfe keine anderen Ideen hat, als diesem alten Spruch „Wenn der Schwanz steht, ist der Verstand im Arsch“ eine neue Verpackung zu geben und damit ein HIV-Schnelltestangebot zu bewerben.
    Ich stimme Alf voll und ganz zu! Wenn die mich für ein schwanzgesteuertes Wesen halten, dann können die sich ihren Schnelltest schenken!

  13. das wesen der diktatur ist es andere zu beherrschen. auf den schwanz bezogen würde dies bedeuten – das man sich von seinem trieb beherrschen läßt. d.h. nicht der verstand steuert sondern man wird vom trieb gesteuert. und das bedeuted bei weitem nicht das JEDER MENSCH egal ob schwul oder hetero schwanzgesteurt ist. ein bischen darf man schon denken und differenzieren. soooooooooo schwer ist das doch nicht zu verstehen oder? aber klar wenn man seinen standpunkt – als den einzigst richtigen und wahren standpunkt gelten läßt . . . . :rolleyes

  14. @ alf

    es gab alles schon mal. aber was will das heißen?

    das konzept der strukturellen prävention ist gut. besser ist, es dauern und neu ins leben zu übertragen. und eben nicht so. das es dabei fehler und ausrutscher gibt, ist normal. normal sollte allerdings auch sein, dass wir daran kritik üben können, ohne die leute, die es gemacht haben, in die ecke zu stellen. finde ich jedenfalls.

    in einer demmokratishengesellschaft setzen sich alle institutionen der kritik der öffentlichkeit aus. prima. sie sollen sie auch erfahren und mit ihr umgehen.

    mit dem leitbild ist das noch schwieriger. richtig es ist verabschiedet worden. seit dem ruht still der see. dass die dort verankerten werte jedoch maßstab für unsere arbeit sind, ist für viele in vergessenheit geraten. und da fängt der punkt an. eine debatte wie diese ist eine möglichkeit an das leitbild zu erinnern. ich habe das getan. vielleicht erinnern sich auch dadurch manche dran, mensch, da war doch mal was?

    also lange rede, wenig sinn:

    die konzepte und ideen sind gut. nur wenn sie keine/r in die debatte wirft, werden sie vergessen und sind damit schlecht.

    kriterium für richtige erkenntnisse und ideen ist immer das reale leben und da gehören sie hin und müssen dort durchgesetzt werden. dabei sind wir immer noch.

    insofern ist das verbandsentwicklung.

  15. @ Carsten

    „es wird gesprochen. das spricht für die kampagne. wenn sie an uns vorbei rauschen würde, wäre sie schlecht.“
    Ich hätte mir gewünscht, die Kampagne wäre nur schlecht und sie würde an mir vorbei rauschen. Aber das Argument, ein aufsehenerregende Kampagne spricht qua Erregungsgrad für sie, kann und will ich nicht teilen. Das ist genau das Argument, welches die AH München gerade und professionielle Werbeagenturen im allgemeinen gerne bemühen. Etwas, was völlig falsch und daneben ist und einen falschen und „danebenen“ Inhalt transportiert, wird dadurch nicht besser, wenn es provokant und öffentlichkeitswirksam rüber kommt. Und so ganz nebenbei wird mal völlig unbeabsichtigt (zumindest das hoffe ich noch) ein Rassismus kolportiert, der seinesgleichen in der HI/Aids-Prävention sucht. Drei schwarze Schwänze sind in diesem Zusammenhang einfach nicht zu entschuldigen (nein, auch eine vorgegebene, dunkle Hosenfarbe bei den Diktatorenuniformen wäre keine Entschuldigung).
    Irgend etwas scheint man sich bei der Agentur/AH München ja doch gedacht zu haben: denn mir wird nicht klar, warum es nicht ein Motiv Deutsches Reich/ Hitler gibt. Hat da der Mut gefehlt? Fand man es antössig oder banalisierend? Zumindest hätte es dann doch zumindest den regionalen Zusammenhang zur Präventionarbeit in „Deutschland“ gegeben. NIcht? Ok. Bei der Auswahl der anderen drei Motive stellt sich mir ein Zusammenhang nämlich auch nicht her. Und ein lustiger Zusammenhang schon gar nicht. Einen unlustigen Zusammenhang sehe ich aber durchaus in der Kampagne der AH München und den Äußerungen der beiden ärztlichen Mitglieder des AIDS-Ausschusses von Mecklenburg-Vorpormmern:“ Die HIV/Aids-Prävention- Wo bleibt die Eigenverantwortung?“ Und das gefällt mir überhaupt nicht.

  16. lieber stephan,

    ich habe nichts entschuldigt.

    ich habe nur auf etwas hingewiesen, was wir nicht vernachlässigen sollten. denken wir mal 15 jahre zurück. damals hatte benetton eine werbekampagne, die auch viele von uns ziemlich scheisse fanden. ich erinnere an den tätowierten arsch (hiv-positiv war auf ihm zu lesen, meine ich)
    diese kampagne hat durch der auseinandersetzung ziemlich viel dazu beigetragen, dass viele leute sich damals engagiert haben und sich in zusammenhänge begeben haben, um interessen zu artikulieren und selbst zu vertreten. ich finde, das war gut.

    richtig, damals war es eine firma, die ihre pullover verkaufen wollte, heute ist es eine aids-hilfe. das habe ich kritisiert. und werde es weiter tun. aber die debatte, die wir hier führen und im verband kann uns helfen, wieder einen gemeinsamen punkt zu finden, was geht und was nicht geht. wir brauchen diese debatten, ansonsten hält jede/r an seinem/ihrem gedachten konsens fest, ohne dass er sich bewähren muss.

    den leuten in münchen den zusammenhang mit mecklenburg vorzuhalten, finde ich richtig. aber ohne ihnen zu unterstellen, sie hätten das absichtlich getan. wobei: an einer solchen stelle ist gedankenlosigkeit oft der größere fehler. es gilt für mich hier der alte satz: ignoranz tötet, nicht das virus.

  17. in reaktion auf den dah-rundbrief: danke martin! und entschuldige, dass ich dich falsch angesprochen habe…

    für alle anderen: martins beitrag hier ist im rundbrief der dah an die mitgliedsorganisationen verschickt worden. ebenso eine stellungnahme seines vorstandes. (ah gießen)

  18. Die „Diktatoren“ gibt´s demnächst auch im Kino und im Fernsehen:

    Dem Vernehmen nach hat die Münchner Aidshilfe neulich in Hamburg entsprechende Spots für die Kampagne produzieren lassen, die demnächst auf „Timm-TV“ und in Kinos laufen sollen (angeblich soll der Spot sogar für die „Werberolle“ in Cannes eingereicht werden).
    Offensichtlich ist die bisher geäußerte Kritik nicht angekommen oder war nicht deutlich genug …
    Jedenfalls ist es sehr unschön, daß mal wieder eine AH einer dümmlichen PR-Kampagnen-Idee auf den Leim gegangen ist und sich in (Selbst-)Diskriminierung und -Stigmatisierung ergeht.

  19. @ matthias:
    na – ich hoffe die spots müssen in den kinos zumindest nur die bayern ertragen? und uns bleiben sie zumindest erspart? (außer timm)
    für mich steht ja immer noch im raum, wie sich diese kampagne mit dem selbstbild des verbandes verträgt …

  20. Der Schwanz als Diktator
    … eine dumme, witzlose aktion.
    könnte es sein, dass sich nur die funktionäre darüber aufregen?

    „Ich interessiere mich für Fische.“

  21. na eignet sich doch wunderbar dieses beispiel um aufzuzeigen wie es eben nicht sein soll…kann von haltung und heftigkeit 1:1 mithalten mit den grässlichen dingern aus frankreich, tarantel und scorpion. bloss zielte frankreich „nur“ auf infizierte beim vergleichen und diese kampagne zielt (vordergründig) auf alle ungetesteten msm, also allen nicht positiv-getesteten msm.

    und nein, @kai, ich fühl mich nicht funktionärrisch, aber sehr ärgerlich.

  22. Pingback: Schock-Prävention nützt – nicht! « alivenkickn

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