Donna Summer an ACT UP: ich war nie gegen Schwule

Die jüngst verstorbene Disco-Ikone Donna Summer bestritt in einem Brief an die Aids-Aktionsgruppe ACT UP, dass sie Aids als Strafe Gottes bezeichnet habe.

Hat sie – oder hat sie nicht? Hat Donna Summer, einst Star der Schwulen-Szenen, 1983 Aids als Strafe Gottes für die Schwulen bezeichnet? Nein, sagte Donna Summer einige Jahre später in einem Brief an ACT UP, der nun erstmals vollständig bekannt wurde.

Donna Summer soll damals Presseberichten zufolge u.a. geäußert haben, die Schöpfung beginne mit Adam und Eva, nicht Adam und Steve:

„It was Adam and Eve, not Adam and Steve.“

Donna Summer am 13.9.2011 in einem interview (Foto: Oleg Frish)
Donna Summer am 13.9.2011 in einem interview (Foto: Oleg Frish)

Sie werde für die Schwulen beten. Aids sei eine Strafe Gottes.

„I’ve seen the evil homosexuality come out of you people… AIDS is your sin … Now don’t get me wrong; God loves you. But not the way you are now.“

ACT UP hatte damals Aktionen gegen Summer gestartet und war mit Protesten auf bzw. vor Donna Summer Konzerten präsent. Auch bei einem Auftritt Summers beim Boston Gay Pride 1989 kam es zu Protesten.

Auf die ihr zugeschriebenen Äußerungen und die Proteste ACT UPs bezieht sich Summer in dem Brief, den jetzt Peter Staley auf seinem Blog erstmals vollständig bekannt macht. In ihrem Brief vom 26. Juli 1989 bezeichnet Donna Summer die Kritik an ihr und Proteste gegen sie als „unjust and unfair“

„I did not say God is punishing gays with aids, I did not sit with ill intentions in judgement over your lives. I haven’t stopped talking to my friends who are gay, nor have I ever chosen my friends by their sexual preferences.“

Sie habe sich nie von den Schwulen abgewandt – im Gegenteil, diese hätten ihr den Rücken gekehrt:

„I never denied you or turned away, but in fact you turned away from me.“

Peter Staley selbst meint sich zu erinnern, dass ACT UP damals etwaige Proteste gegen Donna Summer nicht wegen dieses „strange letter“ beendet habe – sondern weil die Arbeit von ACT UP andere Prioritäten gehabt habe.

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weitere Informationen:
Peter Staley 12.06.2012: Donna Summer’s Letter to ACT UP
Donna-Tribute: The Advocate (mid 80s): Summer and Smoke, by Adam Block
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Großbritannien: Gesundheitsdienst vernachlässigt Bedürfnisse Schwuler

Schwule und bisexuelle Männer werden durch den Gesundheitsdienst Großbritanniens vernachlässigt und diskriminiert, hat eine britische Gesundheits-Studie ergeben.

Die Studie auf Basis einer Befragung von 6.861 Männern habe gezeigt, dass die Arbeit des National Health Service NHS sich stattdessen vornehmlich auf sexuelle Gesundheit konzentriere und dabei Neigung zu Selbstverletzung, Suizid und schweren Depressionen außer Acht lasse. Ein Drittel der Befragten berichtete über negative Erfahrungen mit dem NHS wegen ihrer Sexualität. Viele berichteten über Fälle offener Diskriminierung oder Stigmatisierung Homosexueller (wie offen einsehbare Akten-Kennzeichnung ‚Homosexueller‘). Zudem berichteten viele Befragte, allein aufgrund ihrer Homosexualität seien sie auch für HIV-positiv gehalten worden.

PinkNews 24.04.012: Stonewall survey: NHS ‘failing gay and bisexual men’
Stonewall’s Gay and Bisexual Men’s Health Survey

Magic Johnson kündigt Kampagne HIV-Präventions- und Anti-Homophobie-Kampagne im Hip-Hop an

Magic Johnson, einer der bekanntesten ehemaligen Basketball-Spieler der USA, kündigte in einem Interview an, mit einer neuen Kampagne sich sowohl für Aids-Bekämpfung als auch gegen Homophobie im Hip-Hop einzusetzen.

Magic Johnson, der offen mit seiner HIV-Infektion umgeht, möchte die Hip-Hop-Szene mobilisieren, um jungen Leuten Informationen über HIV und Aids-Prävention nahe zu bringen. Auch Basketball- und Football-Spieler sollen in die neue Kampagne einbezogen werden. Gerade im Hip-Hop sei Homophobie weit verbreitet, deswegen werde sich die neue Kampagne auch mit Homophobie auseinander setzen

Johnson berichtet in dem Interview auch, wie er und seine Frau mit der HIV-Infektion umgingen, wie es zur Gründung seiner Stiftung kam, und wie und wo diese sich engagiert. Beim Aufbau seiner Stiftung habe er viel von der Schwulenbewegung gelernt, so Johnson, darüber wie man Communities aufbaut und aktiv einbezieht.

 

Johnson sprach mit der ‚Huffington Post‘, einem 2005 gegründeten ehemals unabhängigen Blog, das seit 2011 zum AOL-Konzern gehört (und eine Ausweitung auch nach Deutschland plant).

Earvin ‘Magic’ Johnson, einer der bekanntesten Basketball-Spieler der USA, erklärte am 7. November 1991 öffentlich, er sei HIV-positiv (siehe Aidszeiten 1991). Er löste mit seinem Outing in der Folgezeit eine Welle von Berichten und Aufmerksamkeit für das Thema HIV/Aids in den USA aus. Magic Johnson engagiert sich seitdem in seiner Magic Johnson Foundation für HIV-Information und -Prävention.

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weitere Informationen:
Huffington Post 02.01.2012: Magic Johnson On 20 Years Living With HIV, Homophobia In Hip-Hop And The Fight Against AIDS
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Internationaler Tag gegen Homophobie und Transphobie

„Nur wer selbstbewusst und selbstbestimmt mit der eigenen Sexualität umgeht, kann sich auch wirksam vor HIV schützen. Diskriminierung und Angst vor Gewalt beschädigen das Selbstwertgefühl und oft auch die Fähigkeit, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern. Wer sich aus Angst verstecken muss, wird außerdem durch Prävention nicht erreicht. Es ist wissenschaftlich erwiesen: Gesellschaften, die sich erfolgreich mit Homophobie auseinandersetzen, haben größere Präventionserfolge.“
(Dirk Sander, in der Deutschen Aids-Hilfe Referent für Männer, die Sex mit Männern haben)

"Mir reicht's - meine Würde ist unantastbar" Karte der ich-weiss-was-ich-tu - Kampagne gegen Homophobie
"Mir reicht's - meine Würde ist unantastbar" Karte der ich-weiss-was-ich-tu - Kampagne gegen Homophobie

Der „Internationale Tag gegen Homophobie und Transphobie“ wird seit 2005 jedes Jahr am 17.5. begangen. Anlass: Am 17.5.1990 beschloss die Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Homosexualität aus der Liste psychischer Krankheiten zu streichen. In Deutschland erinnern die Ziffern des Datums 17.5. zufällig auch an den ehemaligen Paragraphen 175 des Strafgesetzbuchs, der von 1872 bis zu seiner endgültigen Abschaffung 1994 in verschiedenen Varianten sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte. Schon in den 1920er Jahren sagte man „geboren am 17.5.“, wenn man Schwule meinte.

Homophobie bezeichnet die irrationale Angst vor Homosexualität, die sich in Abneigung und Feindschaft äußert.

Indignez-vous ! Empört Euch !

Indignez-vous !

Gast – Kommentar aus Paris von Manfred

Empört Euch ! ruft uns, in seinem kleinen Büchlein, der weise, bewundernswerte, alte Mann namens Stéphane Hessel* in den gerade 30 Seiten zu, die inzwischen in Frankreich in wenigen Wochen von Hunderttausenden gekaufte wurden. Viele warten auf die vorgesehene Neuauflage .

Empört Euch – Indignez-vous!, sagt er.
Ja, ich will es auch im kommen Jahr nicht lassen. Will nicht schweigen, will nicht mehr schweigen und wenn es sein muss, schreien, aufschreien. Denn Gründe dazu gibt es – leider – immer wieder.

Übersetzen wir erst einmal die ersten Linien seines Aufrufs zum „friedlichen Aufstand“:

„Das Basismotiv der Widerstandsbewegung war die Empörung. Natürlich, die Gründe, sich in unserer heutigen modernen Welt zu empören sind komplexer, können weniger klar sein als zur Zeit des Nazismus. Aber: „Sucht und Ihr werdet finden“: Der ständig steigende Unterschied zwischen sehr Reichen und sehr Armen, der Zustand unseres Planeten, die Art und Weise, wie Menschen ohne gültige Papiere behandelt werden, Einwanderer, Roms, das Rennen nach „immer mehr“, der Wettkampf und die Diktatur der Finanzmärkte bis hin zu der vermarkteten Errungenschaften der Widerstandsbewegung – Renten, Krankenversicherung …“

Dass Stéphane Hessel französische Gegebenheiten auflistet ist nicht verwunderlich. Aber: wie sieht es in andern Ländern anders aus? Hat nur Frankreich Probleme aller Art? Mitnichten, keineswegs.

Und das Unerträgliche ist, dass wir alle, wo immer auch, gleiche und auch andere Gründe haben, uns zu empören.

Darf ich nur einige davon nennen:

– Ich will mich nicht damit zufrieden geben, dass man erst in Monaten hier in Frankreich einem Kriminellen den Prozess macht, weil er vor mehr als einem Jahr schon und aus welchen Gründen auch immer – ein Berg davon würde nicht reichen ihm auch nur annähernd mildernde Umstände zuerkennen – ein homosexuelles Paar lebend – JA, LEBEND – in einem Quadratmeter großen Loch verscharrt hat, in dem beide, Gesicht zu Gesicht, Polizeiberichten zufolge, sich haben sterben sehen (Informationen hier: Le Figaro und Le Telegramme).
Wir haben es hier, in der Tat, mit einem besonders makabrem Beispiel der Homophobie zu tun. Und dennoch: in unseren Landen können wir noch mit etwas „Zivilisation“ rechnen. Anderswo, und die Zahl der Länder hat sich in den letzten Jahren um nicht eines verringert, werden Homosexuelle hingerichtet, gesteinigt, vergewaltigt.

– Ich will nicht mehr stillschweigend hinnehmen, dass in der Pharmaindustrie Unsummen verdient werden – und gleichzeitig durch gezielte Lobbyarbeit Kranken der Zugang zu lebensrettenden Medikamenten gesperrt wird: es gibt immer noch Länder, in denen HIV-Kranken keine Medikamente zur Verfügung stehen, weil die Pharmakonzerne sich immer noch weigern, dass dort Generika zur Verfügung stehen oder hergestellt werden dürfen.
Und hier, im Frankreich des XXI. Jahrhunderts haben, letzten Berichten zufolge, bisher mehr als 2.000 Menschen an einem unnützen und falsch angewandten Medikament (Mediator) sterben müssen, während Pharmakologen und Spezialisten schon Ende der neunziger Jahre dessen Gefährlichkeit anklagten.

– Und ich will mich nicht damit zufrieden geben, dass Zweifel, dass das eigene „sich-in-Frage-stellen“ oder auch nur Fragen stellen in der „Blogwelt“ immer noch, und vielleicht mehr denn je durch Arroganz und Rechthaberei ersetzt wird. Zumal von Menschen die ihr Berufsschwulentum zur Allgemeingültigkeit erklären – und sich irren. Während Andere, Wenige, unerlässlich kämpfen, erklären, helfen. Hélas, es sind leider nur Wenige.
Ihr lieben ‚Auch-Homosexuellen‘, ihr lieben Mitleidenden an dieser uns immer noch verfluchenden Krankheit: Je vous aime – ich kann es nicht besser sagen. Aber bitte: versuchen wir erwachsen zu werden. Die Zeit ist da.

– Und ich bin müde, mich durch die Hochglanz-Presse durchwühlen zu müssen, in der ich erst einmal Lady Gaga und andere schrille Glitterfiguren, wie auch den „mec de la semaine“, den ‚Kerl der Woche“ beiseite schieben muss, um eine lesenswerte Information zu finden. Selbst wenn ich die deutsche Presse auf diesem Gebiet kaum kenne, darf man wohl sicher sein, dass es dort ungefähr genauso aussieht. Natürlich müssen solche Veröffentlichungen leben: aber muss es denn ständig so sein wie Marguerite Yourcenar es einmal ausdrückte: „Tragik und Operette“? Nein: ich habe nichts gegen Letzteres. Aber, wie ich den „Gay-pied“ vermisse (und der, ich befürchte, wohl kaum wieder ins Leben gerufen werden wird) und die Menschen dieser Jahre, die mit Intelligenz und Abstand überlegten und sich aufregten, anklagten und Verbesserungen vorschlugen, kurz und gut mit Geschick und Nachdruck – beide schließen sich nicht aus – für unsere Sache eintraten!

Diese Aufzählung könnte fortgesetzt werden. Doch die wenigen hier angeschnitten Punkte führen bei kurzen Überlegungen zu anderen, nicht weniger wichtigen. Wie dieser letzte:

– Und keine Empörung über meinen eigenen HIV-Status? JJein. Es hat lange gedauert bis ich mich daran gewöhnt hatte, mit ihm zu leben und ich werde bis zum letzten Atemzug mit einem ganz gehörigem Paket voll Wehmut den glücklichen, sorglosen Jahren nachtrauern – aber auch denen, die mich zweimal vor dem Absturz gerettet haben. Merci! Danke! Es war schwierig, ja. Aber sie waren da, jeder der zählte.
Ich wage es kaum zu sagen: nie, nicht einmal habe ich das Gefühl gehabt, dass diese oder jener, die sich um mich sorgten, nicht das Bestmögliche getan haben. Und dazu zähle ich auch öffentliche Einrichtungen wie Krankenkasse und dergl. Ich weiß, es gibt immer noch Probleme bei anderen, auch in unseren Landen. Nicht alle haben das gleiche Glück gehabt.

Das ist der Daseinsgrund dieses Blogs – wie der Anderer. Das ist eben der Grund Stéphane Hessel’s Aufruf ernst zu nehmen wenn er sagt: Indignez-vous! EMPÖRT EUCH ! wenn es sein muss.

Das neue Jahr beginnt gerade. Was ich uns, Euch, was ich mir wünsche ist unter anderem Kraft zur Empörung. Was mich betrifft: non! „Manfred wir die Klappe nicht halten!“ Basta.

Für Alle une Bonne et Heureuse Année !
Ein Glückliches Neues Jahr !

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Ein paar Worte zur außergewöhnlichen Persönlichkeit von Stefan Hessel, denn als solcher wurde er 1925 in Berlin als Sohn eines jüdischen Schriftstellers und einer protestantischen Mutter geboren. Dies Elternpaar ging übrigens in die Filmgeschichte ein Dank eines Buches des Vaters, in dem er die vor Glück geradezu strahlende Dreiecksgeschichte aus seiner Jugend erzählt und aus der François Truffaut später den Film „Jules et Jim“ mit einer ebenso strahlenden Jeanne Moreau in der Rolle seiner Mutter drehte.
Im Jahr 1925 zieht die Familie nach Paris, wo Hessel sein sehr weit reichendes Studium macht. 1937 wird er französischer Staatsbürger. Widerstandskämpfer der ersten Stunde, er wird im Jahr 1944 von de Gaulle zur einer besonderes „Mission“ nach Paris geschickt, dort von der Gestapo verhaftet, nach Buchenwald deportiert. Durch die Hilfe eines Arztes, der ihm und zwei seiner Kameraden falsche Papiere besorgt, kann er entkommen. Jedoch Monate später erst ist er wirklich frei.

Stéphane Hessel ist Botschafter und war an der Ausarbeitung der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ beteiligt.
Ein ausführlicher Artikel bei „Wikipedia“ und auch hier, was einen Teil seiner Stellungnahmen in seinem Buch betrifft: L’Express

(Gast – Kommentar von Manfred)

Kurz notiert … Oktober 2010

28. Oktober 2010: Hepatitis C : Die DAH weist hin auf Verhaltensänderungen bei Hepatitis-C-Behandlung: neue Medikamenteninformationen

24. Oktober 2010: Trotz seiner langwährenden Freundschaft mit Ernie sei er nicht schwul, lässt Sesamstraßen-Figur Bert erklären.

22. Oktober 2010: Die derzeit angewendeten US-Behandlungsrichtlinien für die Behandlung von Syphilis bei HIV-Positiven haben eine sehr geringe Evidenz-Basis, betont eine Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift.

Mit Ritonavir (Handelsname Norvir®) geboostetes Saquinavir (Invirase®) kann zu Herzrhythmusstörungen führen, berichten Medien. Die US-Packungsbeilage wurde geändert.

Der Pharmakonzern Johnson & Johnson macht Infektionskrankheiten (darunter HIV)  zu einer Priorität seiner Geschäftsaktivitäten.

21. Oktober 2010: Den seltenen Fall einer HIV-Übertragung durch eine Messer-Attacke haben Forscher in Taiwan dokumentiert.

19. Oktober 2010: Auch München braucht einen Gedenkort für schwule NS-Opfer, fordert die Rosa Liste in einem Antrag.

15. Oktober 2010: Zwei HIV-positive Strafgefangene haben vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) erfolgreich gegen Russland bzw. gegen die Ukraine geklagt. Sie erhielten Schmerzensgeld in Höhe von 27.000 bzw. 8.000 Euro zugesprochen, ihre medizinische Versorgung sei menschenunwürdig.

Die ARGE muss die Fahrtkosten zur Substitutionsbehandlung übernehmen, urteilte das Sozialgericht Wiesbaden.

Aids könne eine „Art von immanenter Gerechtigkeit“ für den Missbrauch der Liebe sein, meint der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz von Belgien.

14. Oktober 2010: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ihre Richtlinie zur Behandlung der HIV-Infektion bei Frauen und Kindern aktualisiert.

13. Oktober 2010: Über 80.000 Menschen im Iran seien an Aids erkrankt, meldet der unabhängige Sender ‚Radio Zamadeh‘ aus Amsterdam. Offizielle Zahlen liegen bei 22.000.

Der Pharmakonzern Abbott hat mit dem niederländischen Biotech-Unternehmen Qiagen eine Vereinbarung geschlossen über die gemeinsame Vermarktung von Tests auf HIV, Hepatitis C und Humane Papilloma-Viren.

„The Gay Liberation Front’s social revolution“ – Peter Tatchell erinnert in einem Kommentar an die Gründung der Schwulengruppe ‚Gay Liberation Front‚ in London am 13. Oktober 1970.

11. Oktober 2010: Der Vertreib von HIV-Heimtests ist gesetzlich geregelt, (nicht nur) die DAH warnt immer wieder. Nun warnen auch Ärzte vor HIV-Heim-Tests.

Medizinische Leitlinien haben weitreichende Folgen. Entstehen sie immer unabhängig? Über Interessenverflechtungen berichtet „Augen auf beim Leitlinien-Kauf“

9. Oktober 2010: In Paris findet die  erste Internationale Konferenz homosexueller Muslime (CALEM Conférence des associations LGBT européennes et musulmanes) statt – unter Beteiligung der beiden einzigen offen homosexuellen Imame.

7. Oktober 2010: Uridin hilft nicht gegen Fettschwund bei HIV-Positiven (Lipoatrophie), zeigte eine US-Studie.

6. Oktober 2010: Erstmals soll ein ‚therapeutischer Impfstoff‚ eine „funktionale Heilung“ erreicht haben – bei SIV, einer ‚Affen-Variante‘ von HIV. In einer Gruppe mit der Substanz des Unternehmens VIRxSYS Corporation geimpfter Affen soll die HIV-Vermehrung unter Kontrolle und das Voranschreiten der Erkrankung aufgehalten worden sein.

5. Oktober 2010: Wegen Unwirksamkeit beendet der Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) alle seine Studien zum Herpes-Impfstoff „Simplirix“.

4. Oktober 2010: Klassischer Fall von Homophobie gepaart mit Serophobie in Indonesien: der Informationsminister macht Schwule für Aids verantwortlich.

„Schwulenhass bleibt ein Thema“, betont Dirk Brüllau vom schwul-lesbischen Netzwerk „Queer Football Fanclubs“ zum Thema Homophobie und Fussball im Magazin „11FREUNDE“.

3. Oktober: Der Brite Robert Edwards erhält den diesjährigen Medizin-Nobelpreis für die Entwicklung der künstlichen Befruchtung. Erst jüngst hatte der G-BA einen Anspruch auf künstliche Befruchtung als GKV-Leistung auch für von HIV betroffene Paare beschlossen.

2. Oktober: US-Präsident Obama entschuldigt sich nach über 60 Jahren für Syphilis-Versuche in den 1940er Jahren. Ohne ihr Wissen wurden 1.500 Menschen in Guatemala mit Syphilis infiziert, um die Wirkungsweise von Penicillin zu untersuchen. Die Teilnehmer hatten keinerlei Möglichkeit einer informierten Einwilligung (informed consent). Die Untersuchungen fanden im Zusammenhang mit dem berüchtigten „Tuskegee Syphilis Experiment“ statt.

1. Oktober 2010: Homosexuelle mit einzubeziehen sei entscheidend für Malawis Kampf gegen Aids, betonte die Vizepräsidentin des afrikanischen Staates, Joyce Banda, bei einem Spitzentreffen religiöser Führer. Schwule und Lesben seien eine Realität in Malawis Gesellschaft, dies dürfe nicht ignoriert werden.

Welche Anforderungen und Bedürfnisse haben Transgender-Männer an HIV-Prävention?, fragt ‚Youths2getherNetwork: „What are transgender men’s HIV prevention needs?“

Sexualaufklärer Oswald Kolle ist bereits am 24. September im Alter von 81 Jahren in den Niederlanden verstorben, wie erst am 1. Oktober bekannt wurde.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat am 1. Oktober den Verdienstorden des Landes Berlin an 14 Bürgerinnen und Bürger verliehen, darunter auch an Kai-Uwe Merkenich, von 2000 bis 2009 Geschäftsführer des Berliner Aids-Hilfe e.V..

Der von der französischen Staatssekretärin für Sport Rama Yade angekündigte ‚Aktionsplan gegen Homophobie im Sport‚ nimmt Gestalt an, die Arbeitsgruppe, die den Plan entwickeln soll, kam zu einem ersten treffen im Ministerium zusammen.

Kurz notiert … September 2010

29. September 2010: Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria lässt seinen neuen Verwaltungssitz in Genf bauen, für 92 Mio. sFr. Die Fertigstellung ist für 2015 geplant.

Langwierige und kostspielige Bürokratie behindert in China eine adäquate medizinische Versorgung und Betreuung HIV-Positiver, so US-Forscher David Ho.

28. September 2010: Mit dem ‚Positive Justice Projectwendet sich erstmals ein landesweites Projekt in den USA gegen HIV-Positive kriminalisierende Gesetze. Das Projekt wurde gegründet vom ‚Center for HIV Law and Policy‚.

Francoise Barré-Sinoussi, Medizin-Nobelpreis-Trägerin und Mit-Entdeckerin des HIV, fordert in ‚Le Monde‘ für Frankreich Druckräume für Drogengebraucher: „Il est urgent d’ouvrir des centres d’injection supervisée de drogues“

27. September 2010: Mit dem Pharmahersteller Gilead hat erstmals ein Medikamenten-Hersteller im Aids-Bereich für noch Patent-geschützte Medikamente (hier: Atripla®, Truvada®) einen Rabattvertrag abgeschlossen, mit der AOK Berlin (gültig seit Juli 2010).

Robert Mugabe, diktatorischer Staatschef von Simbabwe, beabsichtigt die Einführung von HIV-Zwangstests im Land.

26. September 2010: Zukünftig soll der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Kostenübernahme für ein neues Medikament nur noch ablehnen können, wenn er dessen Unzweckmäßigkeit beweisen kann. Eine entsprechende als pharmafreundlich betrachtete Änderung plant die Bundesregierung.

20. September 2010: Das Mikrobizid ‚Pro2000‘, ein vaginal anzuwendendes Gel, hat in einer Studie keine Wirkung gezeigt.

18. September 2010: In Russland wurden Aids-Aktivisten verhaftet. Sie hatten gegen Versorgungsprobleme bei Aids-Medikamenten protestiert. Die Versorgungsprobleme haben bereits zu Therapie-Unterbrechungen geführt.

In einem Film über den an den Folgen von Aids verstorbenen Sänger der Gruppe ‚Queen‘  Freddy Mercury soll Sascha Baron Cohen (bekannt u.a. aus ‚Borat‘) die Hauptrolle übernehmen.

16. September 2010: HIV-positive Patienten hatten einen ähnlichen Verlauf wie HIV-Negative bei Infektionen mit H1N1 („Schweinegrippe„), berichten spanische Forscher.

US-Forscher berichten, dass inzwischen über ein Drittel der Fälle von Kaposi Sarkom bei HIV-Positiven mit mehr als 250 CD4-Zellen auftreten.

Die HIV-Prävention bei schwulen Männern in Frankreich benötigt neue Ansätze – die Neu-Diagnosezahlen sind hoch. Wissenschaftler des französischen Public Health Instituts behaupten, die HIV-Infektion sei bei schwulen Männern in Frankreich „außer Kontrolle“.

14. September 2010: Das Durchfallmittel Loperamid ist unter bestimmten Voraussetzungen wieder verordnungsfähig.

10. September 2010: Apotheken dürfen ihren Kunden in geringem Umfang Preisnachlässe auf verschreibungspflichtige Medikamente gewähren, urteilte der Bundesgerichtshof (Az. I ZR 193/07, 72/08 u.a.). Über die Frage, ob die deutscher Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente auch für im Ausland sitzende Internetapotheken gilt, wird der Gemeinsame Senat der obersten Gerichtshöfe später befinden.

9. September: Die Bundesregierung plant offenbar, sich aus dem Global Fonds zur Bekämpfung von Aids. Tuberkulose und Malaria zurückzuziehen. Zahlreiche Organisationen protestieren.

8. September 2010:  Der US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb (BMS) erwirbt die Biotech-Firma Zymo Genetics für 885 Mio. US-Dollar. BMS will damit u.a. sein Portfolio an Substanzen gegen Hepatitis C stärken.

7. September: Bei der Entlassung des IQWIG-Chefs Peter Sawicki spielte auch das Bundeskanzleramt eine Rolle, berichtet SpON.

6. September 2010: Ein Drittel aller HIV-Positiven haben posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Darauf weisen britische Forscher hin.
Im Epidemiologischen Bulletin 35/2010 des Robert-Koch-Instituts (RKI) werden Ergebnisse zur Erarbeitung von Standards in der Prävention von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) durch die Arbeitsgemeinschaft „Sexuelle Gesundheit“ vorgestellt.

4. September 2010: Dürfen Kliniken HIV-Patienten ambulant behandeln? Nein, sagt das Sozialgericht Hannover – und setzt damit einen Streit fort, der seit langem zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken entbrannt ist.

2. September 2010: „Wenn einer verantwortlich ist, dann bin ich das.“ Der Staatspräsident Kubas Fidel Castro bedauert die Hetze gegen Schwule in Kuba und übernimmt die Verantwortung. Zu einer etwaigen Entschädigung äußert er sich nicht.

Welt-Aids-Konferenz Wien: Kurz-Berichte 23.07.2010 (akt.)

In Wien findet vom 18. bis 23. Juli 2010 die XVIII. Welt-Aids-Konferenz statt. Im Folgenden Kurzberichte über einige wichtige Themen, die auf der Konferenz behandelt wurden. Diese Übersicht wird im Verlauf der Konferenz fortlaufend aktualisiert – Tag 5, 23. Juli 2010:

Elly Katabira aus Uganda neuer IAS-Chef

Zwei Jahre war der Kanadier Julio Montaner Chef der International Aids Society, der Veranstalterin der Welt-Aids-Konferenzen. Nun wird er im August 2010 abgelöst von Prof. Elly Katabira aus Uganda. Katabira ist derzeit Associate Professor of Medicine an der Makerere University / College of Health Sciences in Kampala, Uganda.
Nachfolgerin Katabiras wird mit Beendigung der Welt-Aids-Konferenz 2012 in Washington dann die Nobelpreisträgerin Prof. Barré-Sinoussi werden.

IAS: Biographie Elly Katabira (pdf)
IAS 23.07.2010: Elly Katabira Becomes IAS President Francoise Barre-Sinoussi Becomes IAS President Elect

Homophobie erhöht HIV-Risiko – zeigt Studie aus Uganda

In Kampala (Uganda) haben Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), und die homophobe Gewalt oder Missbrauch erlebten, ein fünffach erhöhtes Risiko, HIV-positiv zu sein. Dies berichteten Forscher über eine (um die Zielgruppe besser zu erreichen nach dem Schneeball-Prinzip aufgebaute) Studie, die zwischen Mai 2008 und April 2009 in Kampala stattfand. 3030 Männer, die in den vergangenen drei Monaten Analverkehr mit anderen Männern hatten, nahmen an der Studie teil. Die HIV-Prävalenz lag bei 13,7% (Kampala erwachsene Männer 4,5%). Von allen Studienteilnehmern waren 37% bisher schon einmal körperlich missbraucht worden, 26% waren zum Sex gezwungen worden. Männer, die jemals Gewalt oder Missbrauch erlebt hatten, hatten ein nahezu fünffach höheres Risiko, mit HIV infiziert zu sein.

aidsmap 22.07.2010: Ugandan study shows why human rights are central to HIV prevention with African men who have sex with men

Hirschel: Pillen in Afrika wirksamer als Kondome zur Prävention

Vor drei Jahren versetzte Prof. Bernard Hirschel mit dem EKAF-Statement die Welt in Aufregung. Die Aufregung hat sich gelegt, inzwischen ist das EKAF-Statement in Form der Viruslast-Methode längst in der Praxis angekommen. Hirschel aber hat schon die nächste Provokation bereit: „AIDS-Medikamente sind [zur Prävention] in Afrika wirksamer als Kondome“, sagte er am 21. Juli auf der XVIII. Welt-Aids-Konferenz („Aujourd’hui, le traitement est plus efficace que le préservatif en Afrique“). Mit einer Serie von Studien untermauerte er seine Aussage …

Libération 22.07.2010: Vienne 2010: « En Afrique, le traitement contre le sida est plus efficace que le préservatif »

Weltbank: Geld schützt vor HIV

Reduzieren kleine Geldbeträge das Risiko, sich mit HIV zu infizieren? Zu bemerkenswerten Resultaten und Erkenntnissen kommt die Weltbank:
In Malawi erhielten im Rahmen einer Studie an 3.769 jungen Frauen eine Gruppe junger Mädchen zwischen 13 und 22 monatlich umgerechnet 15 US-Dollar, wenn sie regelmäßig zur Schule kamen. Eine Kontrollgruppe erhielt keine Geldbeträge für regelmäßigen Schulbesuch.  18 Monate nach beginn de Programms im Januar 2008 zeigte sich ein überraschendes Ergebnis: in der Gruppe der Mädchen, die Geld als Belohnung für regelmäßigen Schulbesuch erhielten, lag die HIV-Infektionsrate bei 1,2%, in der Kontrollgruppe (ohne ‚Belohnungsgeld‘) hingegen bei 3%, eine um 60% niedrigere Prävalenz. Noch deutlicher war der Unterschied bei Herpes-Infektionen. Die Weltbank vermutet als Ursache einen „Einkommens-Effekt auf das Sexualverhalten“: The key seems to be an “income effect” on the sexual behaviors of young women receiving cash payments. A year after the program started, girls who received payments not only had less sex, but when they did, they tended to choose safer partners … In fact, the infection rate among those partners is estimated to be half of that of partners of the control group.“

Worldbank 19.07.2010: Malawi and Tanzania Research Shows Promise in Preventing HIV and Sexually-Transmitted Infections

Migranten: im Gastland höheres HIV-Risiko als im Heimatland

Niederländische Epidemiologen haben mit einem mathematischen Modell  herausgefunden, dass in den Niederlanden lebende heterosexuelle Migranten aus Afrika und der Karibik ein höheres Risiko haben, sich mit HIV zu infizieren, als sie es in ihrem Heimatland hätten. Als Ursache sehen sie an, dass Migranten bei Einreise in ihr Gastland in sehr eng begrenzten sexuellen Netzwerken von Menschen gleicher Herkunft leben und sich kaum mit der lokalen Bevölkerung vermischen.
In den Niederlanden liegt die HIV-Inzidenz bei 1 HIV-Infektion auf 47.000 Menschen im Jahr, bei in den Niederlanden lebenden Migranten aus Afrika liegt dieser Wert hingegen deutlich höher bei 1 : 1.170, aus der Karibik bei 1 : 4.600.

aidsmap 22.07.2010: Immigrants are more risk of HIV in their host country than back at home

Die Zukunft des Aids-Aktivismus

In zwei Sessions befasste sich die XVIII. Welt-Aids-Konferenz mit der Zukunft des Aids-Aktivismus. Beide Sessions befassten sich schwerpunktmäßig mit der Geschichte von TAC, der Treatment Action Campaign, die sich lange mit einer vergleichsweise untätigen Regierung Südafrikas auseinander setzen musste. Eine Auseinandersetzung, die von großen erfolgen gekrönt war. Doch Aktivisten befürchten, dass nach diesen Erfolgen eine Zeit des weniger engagierten Aktivismus folgen könnte. Es sei schwierig, die Energie der letzten Jahre auch die nächsten zehn Jahre aufrecht zu erhalten. Eine Gefahr liege zudem darin, wenn man für politische Ziele kämpfe zu glauben mit deren erreichen sei alles getan. Die eigentliche Arbeit beginne erst danach.

aidsmap 22.07.2010: The future of AIDS activism: looking for sustained energy and new tactics 10 years after Durban

Junge Menschen verändern ihr Sexualverhalten

Weltweit, besonders aber in Subsahara-Afrika veränderten junge Menschen ihr Sexualverhalten. Sie würden später sexuell aktiv, hätten weniger Partner und benutzten zunehmend Kondome. Dies betont ein neuer Report von UNAIDS.  Dr. Peter Ghys, Chefepidemiologe von UNAIDS, stellte die Daten auf der XVIII. Welt-Aidskonferenz in Wien vor. In zahlreichen Staaten der Region gehe zudem die HIV-Prävalenz deutlich zurück. Zwischen beiden Entwicklungen, der Veränderung des Sexualverhaltens und dem Rückgang der HIV-Prävalenz, gebe es eine deutliche Übereinstimmung.

UNAIDS: reductions in HIV prevalence among young people have coincided with a change ins exual behaviour patterns among people (pdf)
UNAIDS 22.07.2010: Young people interpret new UNAIDS data

Aids-Medikamente knapp – in Frankreich …

Schon seit einigen Wochen erscheinen gelegentlich Berichte über Probleme mit der Versorgung mit Aids-Medikamenten in Frankreich. Inzwischen thematisiert ACT UP die Versorgungskrise deutlicher – und kritisiert u.a. das französische Gesundheitsministerium.
Es scheint in Frankreich den Berichten zufolge Unterbrechungen in den Lagerbeständen zu geben, so dass nicht jedes Rezept sofort eingelöst werden kann, es manchmal zu Wartezeiten von mehreren Tagen kommt. Die Versorgungsengpässe seine schon früher gelegentlich aufgetreten, häuften sich dieses Jahr aber besonders. Die Quotierung sowie Re-Exporte seien Ursache des Problems, so die Hersteller. Konkreter Auslöser dr aktuellen Situation scheint auch ein Streik beim Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) zu sein.

ACT UP Paris 22.07.2010: C’est l’été, il n’y a plus d’ARV !
Le Figaro 24.07.2010: Sida : certains médicaments difficiles à trouver en France

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siehe auch XVIII. Welt-Aids-Konferenz Wien: Kurzberichte 22.07.2010
siehe auch XVIII. Welt-Aids-Konferenz Wien: Kurzberichte 21.07.2010
siehe auch XVIII. Welt-Aids-Konferenz Wien: Kurzberichte 20.07.2010
siehe auch XVIII. Welt-Aids-Konferenz Wien: Kurzberichte 19.07.2010

UNAIDS besorgt über Urteil gegen ‚Schwulenpaar‘ in Malawi (akt.)

UNAIDS zeigt sich sehr besorgt nach der Verurteilung eines ‚Homo-Paares‘ in Malawi zu 14 Jahren Haft.

Steven Monjeza (26) und Tiwonge Chimbalanga (33) wurden am 28. Dezember 2009 verhaftet, nachdem sie öffentlich eine traditionelle Heiratszeremonie abgehalten hatten. Tiwonge Chibalanga bezeichnet sich selbst als „Auntie Tiwo“ und betrachtet sich als Frau. Am 18. Mai 2010 wurden beide zu jeweils 14 Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt – wegen „unnatürlicher Handlungen“, groben Sittlichkeitsvergehens sowie um „die Öffentlichkeit zu schützen“, so das Gericht in Malawi.

Kriminalisierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung sei ein Rückschlag für die Menschenrechte, betont UNAIDS. Hierdurch würde zudem die öffentliche Gesundheit gefährdet. Kriminalisierung dränge Menschen in den Untergrund und behindere wirksame HIV-Prävention auf diese Weise massiv.

UNAIDS fordert alle Regierungen auf, für die volle Respektierung der Menschenrechte homosexueller Menschen Sorge zu tragen.

Frankreich, Großbritannien sowie die USA haben inzwischen offiziell auf die Verurteilung der beiden Menschen in Malawi reagiert und diese verurteilt. Das Weiße Haus verurteilte das Urteil aufs Schärfste und betonte, Diskriminierung auf Grundlage der sexuellen Orientierung sei unverantwortlich. Der französische Außenminister verurteilte das Urteil. Derartige Entscheidungen, und dies im Umfeld des Internationalen Tages gegen Homophobie, rechtfertigten internationales Engagement gegen derartige schwere Verletzungen der Menschenrechte auf Basis der sexuellen Orientierung, so das französische Außenministerium.
Von Seiten der offiziellen Politik reagierte in Deutschland bisher der Menschenrechtsbeauftragte im Auswärtigen Amt Markus Löning und appellierte an die Regierung von Malawi, den Strafvollzug auszusetzen. Bundesaußenminister Westerwelle und Bundesregierung / Bundeskanzleramt selbst äußerten sich bisher nicht.

Update 30-05.2010:
Malawis Staatspräsident Bingu hat die beiden Verurteilten am 29. Mai 2010 begnadigt.
Peter Tatchell 29-05.2010: Malawi couple pardoned by President

weitere Informationen:
NYT 18.05.2010: Gay Couple Convicted in Malawi
taz 20.05.2010: Rechtsprechung in Malawi – 14 Jahre Haft für schwules Paar
Samstag ist ein guter Tag 20.05.2010: 14 Jahre Haft für Schwulenpaar in Malawi
UNAIDS 20.05.2010: UNAIDS expresses serious concern over ruling in Malawi
Tetu 20.05.2010: La communauté internationale s’indigne de la condamnation du couple gay au Malawi
Auswärtiges Amt 20.05.2010: Erklärung des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung zur Verurteilung eines homosexuellen Paares in Malawi
Advocate 20.05.2010: White House Condemns Malawi Ruling
Box Turtle Bulletin 22.05.2010: The Malawi Couple: Gay or Transgender? Or Something Else?
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„Respektier mich wie ich bin!“ – Frankreich sensibilisiert afrikanische Migranten für Homophobie

Homophobie von und gegenüber Migranten – eine an in Frankreich lebende Migranten aus Afrika gerichtete Kampagne der staatlichen Gesundheitsbehörde thematisiert die Lebenssituation homosexueller Migranten und Hass und Gewalt.

Samba ist ein junger Afrikaner, der noch bei seinen Eltern lebt. Samba ist homosexuell. „Du bist nicht mehr mein Sohn. Raus aus meinem Haus!“ – mit diesen Worten wirft ihn sein Vater aus dem Elternhaus.

"Toi-même tu sais!" - Deux Frères, Screenshot
"Toi-même tu sais!" - Deux Frères, Screenshot

Samba möchte in Freiheit leben, sein Leben genießen, seine Homosexualität leben. Mit dem Schiff reist er nach Frankreich, Land der Freiheit – nur um dort zu entdecken, dass das Land der Menschenrechte alles andere ist als ein Paradies für Schwule. Gerade in dem Land, von dem er sich Freiheit versprach, begegnen ihm verbale Gewalt, ob direkt und aggressiv oder subtil (‚ich hab ja nichts gegen Homosexuelle, aber es gibt doch Grenzen …‘), aber auch offener Hass und Gewalt – Homophobie, auch von Menschen die wie er Migrant sind.

In dem Video „Deux Frères“ („Zwei Brüder“) fährt Samba mit seinem Bruder Dioré durch das nächtliche Paris, erinnert sich an wichtige und oft schmerzhafte Erfahrungen, erzählt seine Geschichte …

Das Homophobie unter Migranten aus Subsahara-Afrika thematisierende Video ist Teil der Kampagne „«Toi-même tu sais!» (Du weißt es selbst!). Diese Kampagne beschäftigt sich (bereits in der zweiten Staffel) u.a. in Videos und Magazinen mit Gesundheitsfragen bei in Frankreich lebenden Menschen aus (Subsahara-) Afrika: „Im Herzen der Vorstadt – zwischen Gesundheitsfragen und dem Leben im Viertel“.

Jede Folge thematisiert eine für Migranten aus Subsahara-Afrika wichtige Gesundheitsfrage oder für die Gesundheit risikoreiche Situation, versucht Lösungswege aufzuzeigen und Präventions-Botschaften zu transportieren. Produziert wird die Kampagne vom französischen ‚Institut national de prévention et d’éducation pour la santé‘ (Inpes), dem französischen Pendant zur BZgA in Deutschland.

weitere Informationen:
Video „Deux Frères“ der 2. Staffel der Kampagne „Toi-même tu sais!“
Internetseite Toi-même tu sais!
Tetu 15.05.2010: Vidéo: Une fiction pour sensibiliser les migrants africains à l’homophobie
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17. Mai: „Homophobie verletzt die Menschenwürde“ (akt.2)

Von Jamaika bis Saudi-Arabien – in vielen Staaten wird Homosexualität auch im 21. Jahrhundert noch kriminalisiert. Der 17. Mai ruft als Internationaler Tag gegen Homophobie Gesellschaft und Politik dazu auf, Vorurteile und Diskriminierung zu überwinden und die selbstbestimmte Sexualität aller als Grundrecht zu schützen. „Homophobie stellt eine unverhohlene Verletzung der Menschenwürde dar, sie stellt die Grundrechte in Frage und kann nur verurteilt werden“, so Parlamentspräsident Jerzy Buzek.

Unter Homophobie versteht man Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit, unter Transphobie die Ablehnung und Diskriminierung von transsexuellen Menschen.

Haftstrafen für Mitwisser?

Die Diskriminierung von Homosexuellen ist in vielen Staaten der Erde immer noch nicht nur gesellschaftlich und individuell, sondern auch rechtlich verankert: neben Geldbußen drohen in verschiedene afrikanischen und arabischen Staaten oder in der Karibik Gefängnis oder sogar die Todesstrafe auf homosexuelle Handlungen.

Jüngst machte Uganda von sich reden, wo eine Gesetzesvorlage die Einführung der Todesstrafe vorsah und auch alle „Mitwisser“ homosexueller Lebensweise unter Strafe stellen würde. Mittlerweile hat sich allerdings sowohl Staatspräsident Museveni als auch die Regierung Ugandas gegen die Verabschiedung des Gesetzes ausgesprochen.

„Verstecken und verleugnen“

Doch auch in vielen Ländern Europas ist es noch nicht lange her, dass homosexuelle Handlungen unter Strafe standen. Und auch heute werden beispielsweise Demonstrationen von Homosexuellen als Störung der öffentlichen Ordnung untersagt, werden Homosexuelle in Europa offen diskriminiert und fühlen sich viele Homosexuelle und Transsexuelle dazu gezwungen, ihre sexuelle Orientierung „zu verstecken oder zu verleugnen“, wie der Europa-Abgeordnete Raül Romeva i Rueda anmerkt. Der spanische Grüne ist Berichterstatter für den Vorschlag einer Anti-Diskriminierungsrichtlinie, die derzeit im Ministerrat der EU feststeckt.

Besonders deutlich werde die anhaltende Diskriminierung durch Gewaltverbrechen, die sich aus dem Hass gegen Homo- und Transsexuellen speisen, so der Parlamentarier.

Antidiskriminierungsgesetzgebung ein Zeichen nach Innen und an die Welt

Raül Romeva i Rueda setzt vor allem auf Sensibilisierungskampagnen, Dialog und gesetzliche Regelungen gegen Diskriminierung. Die vorgeschlagene Anti-Diskriminierungsrichtlinie sei „nicht nur ein Zeichen nach Innen, diskriminierende Verhaltensweisen abzustellen, sondern auch eine Botschaft an den Rest der Welt, dass die EU es ernst meint mit der Gleichberechtigung aller und mit dem Schutz der Grundrechte“.

Es gebe innerhalb der EU allerdings ein starkes Gefälle zwischen Ländern „wo die Gesellschaft, die Politik und die Behörden tolerant sind und Homosexuelle und Transsexuelle gut integriert werden“, und andererseits Ländern, die sehr weit von einer derartigen Akzeptanz entfernt sind, betont Romeva i Rueda.

Auf der Grundlage der EU-Verträge und der EU-Grundrechtscharta sollten daher alle EU-Organe dazu beitragen, bei Politikern und Behörden Änderungen zum Schutz der Rechte von Homosexuellen und Transsexuellen zu bewirken, so der Europa-Abgeordnete.

(Pressemitteilung des Europäischen Parlaments)

Der Präsident des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek äußerte sich inzwischen auch in einer Video-Botschaft zum Internationalen Tag gegen Homophobie: Video message from the President of the European Parliament, Jerzy Buzek.

UNAIDS-Direktor Michel Sidibé betonte in einer Stellungnahme zum Tag gegen Homophobie erneut, Homophobie stelle ein gravierendes Hindernis für wirksame HIV-Prävention dar.

Catherine Ashton, betonte das Festhalten am Prinzip der Nicht-Diskriminierung: Declaration by the High Representative, Catherine Ashton, on behalf of the European Union on the International Day Against Homophobia, 17 May 2010 (pdf).


Frankreich: Schülerinnen und Schüler gegen Homophobie

„Homosexualität ist kein Problem, Homophobie ist eines“, mit diesem Slogan und einer Kampagne wendet sich die französische ‚Schülergewerkschaft‘ FIDL gegen Homophobie an französischen Schulen.

„Neger … schwul … Nutte … Lesbe …“  Zwei Jungs und zwei Mädchen fragen den Betrachter „Hast du ein Problem damit?“ Mit diesem Motiv und einigen weiteren startet die französische Schülerinnen- und Schüler-Organisation FIDL eine landesweite Kampagne gegen Homophobie an Gymnasien und höheren Schulen (lycée).

schwul, lesbisch - haste ein Problem damit? (ein Motiv der FIDL-Anti-Homophobie - Kampagne)
schwul, lesbisch - haste ein Problem damit? (ein Motiv der FIDL-Anti-Homophobie - Kampagne)

Vom 17. April bis 17. Juni sollen die Motive der Kampagne in Anzeigen landesweit erscheinen, parallel wurde eine Internetseite gestartet.

Junge Homosexuelle sehen sich immer noch mit Zurückweisungen und Aggressionen konfrontiert, betont FIDL. Vor Intoleranz werde man nicht weiter die Augen verschließen, Gleichheit leben unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung sei das Gebot. Aus diesem Grund habe man die Kampagne gestartet.

Homosexualität ist nicht das Problem, Homophobie ist es! (ein Motiv der FIDL-Anti-Homophobie - Kampagne)
Homosexualität ist nicht das Problem, Homophobie ist es! (ein Motiv der FIDL-Anti-Homophobie - Kampagne)

FIDL, „le syndicat lycéen“ wie sich die Organisation im Untertitel nennt, wurde 1987 als Fédération Indépendante et Démocratique Lycéenne gegründet. Sie entstand in Reaktion auf das damals geplante „Gesetz Devaquet“, mit dem u.a. Zugangsbeschränkungen an Universitäten eingeführt werden sollten. Der Gesetzentwurf wurde Ende 1986 zurückgezogen, Innenminister Alain Devaquet musste aufgrund der Massenproteste am 8. Dezember 1986 zurücktreten.

weitere Informationen:
homophobie.fidl.org
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Helmut Schmidt war nicht nicht Kanzler der Schwulen

Helmut Schmidt hat sich in seiner Zeit als Bundeskanzler nicht gegen die Streichung des Paragraphen 175 gestellt. Und die ihm in den Mund gelegte Aussage, er sei „nicht Kanzler der Schwulen“ ist frei erfunden.

Sagt Helmut Schmidt. In einem ‚Leserbrief‘ an die Welt.

weitere Informationen:
Welt 28.03.2010: Etwas andere Männer
Welt 11.04.2010: Leserbriefe – Helmut Schmidt stellt klar
Steven Milverton 09.04.2010: “Da müssen Sie sich einen anderen Koalitionspartner suchen.”
Der Spiegel 10.11.1980: RECHT – Kiefer runter
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Lech Kaczynski bei Flugzeugabsturz ums Leben gekommen

Der polnische Präsident Lech Kaczynski ist bei einem Flugzeug-Absturz ums Leben gekommen. Kaczynski galt als ‚homophobster Staatschef Europas‘.

Lech Kaczynski, Staatspräsident Polens, ist bei einem Flugzeugabsturz in Smolensk (Russland) am 10. April 2010 ums Leben gekommen. Mit ihm starb seine Frau Maria sowie zahlreiche hochrangige Vertreter Polens.

Immer wieder wurde Kaczynski, der2001  zusammen mit seinem Bruder Jaroslaw die nationalkonservative Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) gründete,  für homophobe Einstellungen und Äußerungen bekannt. So zitiert die ‚Times‘ 2006:

„He is “not a doctor, not a sexologist, not an expert” on the causes of homosexuality, he pointed out, but he fears that activists may promote it. “I have 57 years of age behind me, and I have seen men dating girls and then I find that they are of a different orientation.” If the numbers of homosexuals rose, he said, “relations between men and women would be turned upside down” and “mankind would be doomed to extinction”.“

Schon als Bürgermeister Warschaus verbot Lech Kaczynski zweimal einen geplanten CSD  (2004 und 2005). Immer wieder vertrat er den Gedanken, Homosexualität werde „propagiert“ und stelle eine Gefahr für die „öffentliche Moral“ dar, begründete damit Verbote und restriktive Maßnahmen.

Am Rande seines Antritts-Staatsbesuchs in Deutschland 2006  kam es in Berlin zu massiven Protesten gegen Kaczynski und seine homophoben Positionen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte Kaczynski 2008 anlässlich des Welttags gegen Homophobie zum Mitglied ihrer “Hall of Shame” – zusammen mit dem Staatschef von Uganda sowie dem UK Home Office.

Kaczynski selbst äußerte später, er fühle sich missverstanden: “Mir Vorurteile gegen Homosexuelle vorzuwerfen ist ein völliges Missverständnis.”

Auch die polnische Politikerin, Sejm-Abgeordnete und zeitweise Parlamentarische Staatssekretärin der Kommission für Gleichstellung Izabela Jaruga-Nowacka, die immer wieder die Rechte von Lesben und Schwulen unterstützte, kam bei dem Absturz ums Leben. Noch im März 2010 hatte sie sich zusammen mit der Fraktion der polnischen Linken SLD für ein Gesetz für die Homo-Ehe in Polen eingesetzt.

weitere Informationen:
SpON 10.04.2010: Polens Präsident Kaczynski stirbt bei Flugzeugabsturz
Times 12.10.2006: The Polish leader glad to be in company with the British
Human Rights Watch 14.02.2006: Poland: Official Homophobia Threatens Human Rights
SZ 09.03.2006: Schwule protestieren gegen Kaczynski – “Können wir räumen?“
taz 07.06.2008: Christopher Street Day in Warschau – Die Totgeschwiegenen
diestandard.at 03.03.2010: Polen – Linker Gesetzesentwurf für Homosexuellen-Ehe
Pinknews 10.04.2010: Polish President who said homosexuality will destroy human race dies in plane crash
Pinknews 10.04.2010: Gay rights advocating former Polish Deputy PM among dead in plane crash
Tetu 10.04.2010: L’avion du président polonais s’écrase: l’homophobe Kaczynski est mort
Advocate 10.04.2010: Poland Mourns Death of Antigay President
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Homosexualität als Verbrechen – die Situation von Schwulen und Lesben im Iran

Nach kurzen Jahren mit beginnender homosexueller Emanzipation ist die Lage schwuler Männer und lesbischer Frauen im Iran seit Amtsantritt des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad zunehmend von staatlicher Verfolgung und Lebensgefahr geprägt. Die heute in Kalifornien lebende Iranerin Janet Afary berichtet in Lettre über die Situation Homosexueller im Iran.

Janet Afary ist Iranerin, studierte in Teheran Linguistik, ging 1978 ins Exil in die USA. Sie promovierte über die iranische Revolution von 1906 und lehrt derzeit an der University of California. Afary ist Mitarbeiterin von The Nation und Guardian.

Afary befasst sich in ihrem Artikel in Lettre International Nr. 88 neben Themen wie „Frauen, Reformen, Menschenrechtsdiskurs“, der „Politik der Geburtenkontrolle“ und „Heiratskonventionen und sexuelles Erwachen“ auch in zwei ausführlichen Kapiteln mit der Situation männlicher und weiblicher Homosexueller im Iran: „“Diskurs über die Rechte von Homosexuellen“ sowie „“Staatliche Verfolgung sexueller Transgression“.

Lettre88

Afary folgt in ihrer Analyse stellenweise Gedanken des französischen (1984 an den Folgen von Aids verstorbenen) Philosophen Michel Foucault, z.B. dem Gedanken (aus „Sexualität und Wahrheit“), die „wahrhafte Explosion des Diskurses“ über Sexualität im Europa des 17. Jahrhunderts habe stattgefunden auf der Basis eines „funktionierenden Apparats zur Erzeugung eines noch umfangreicheren Diskurses der Sexualität, dessen Ökonomie er zu beeinflussen trachtete“. Diese Darstellung Foucaults auf den heutigen Iran anwendend, beschriebt sie die Situation von Frauen und Homosexuellen im Iran.

In ihrem „Diskurs über die Rechte von Homosexuellen“ im Iran berichtet  Afary zunächst besonders über die Bedeutung der nur zwei Jahre (vom Dezember 2004 bis 2006) existierenden bahnbrechenden Publikation und Website ‚MAHA: The First Iranian GLBT E-Magazine“. Die mutige Rolle MAHAs werde deutlich an frühen Aussagen wie

„Wir leben in einer Gesellschaft, in der Pädophilie legal ist und durch die Scharia begründet wird, während eine freie und freiwillige sexuelle Beziehung zwischen zwei homosexuellen Erwachsenen als Verbrechen gilt.“

MAHA habe nicht nur das Verhalten des klerikalen Iran kritisiert, sondern auch das der säkularen Intellektuellen und Künstler:

„Würden, wenn ein/e Künstler/in oder jede/r andere wegen des ‚Verbrechens‘ der Homosexualität in Haft käme, iranische Künstler und Linke sich öffentlich zu seiner/ihrer Verteidigung äußern? Die definitive Antwort lautet: Nein!“

Allerdings habe MAHA auch betont, „es gebe unter den verschiedenen NGOs und politischen oppositionellen Gruppen eine eine größere Toleranz für moderne Homosexuellenrechte.“

MAHA sei nach nur zwei Jahren Bestehen eingestellt worden – vor allem aus Furcht vor Verhaftung und Hinrichtung der Mitarbeiter. Organisationen aus dem Exil (wie Cheraq oder Iranian Queer Organisation) würden sich bemühen, die Arbeit fortzusetzen. Im Iran selbst hingegen habe sich die Situatiuon ab 2005 deutlich verschärft:

„Der Krieg gegen die Homosexualität und eine offen zur Schau getragene homosexuelle Lebensweise eskalierte nach der Wahl des basidsch [basidsch: Abteilung bzw. Mitglieder der iranischen Revolutionsgarde, d.Verf.] Ahmadinedschad zum Präsidenten.“

Seit Ahmadinedschad würden basidsch als Agents Provocateurs eingesetzt, um Homosexuelle mit verdeckten Aktionen zu ‚enttarnen‘ und festzunehmen. Die heutige Verfolgung ginge noch über das Procedere der Scharia hinaus: während diese ein Geständnis oder Zeugenaussagen in flagranti verlange, würden Behörden heute nach medizinischen Beweisen der Penetration suchen. Lägen derartige Beweise vor, werde die Todesstrafe verkündet.

„Da die Hinrichtung von Männern aufgrund des Vorwurfs der Homosexualität international für Empörung gesorgt hat, tendiert der Staat dazu, ihn mit Anklagen wie Vergewaltigung und Pädophilie zu verbinden. Die Anwendung dieser Taktik hat den Status der Homosexuellengemeinde im Iran untergraben und die Sympathien der Öffentlichkeit vermindert.“

Die iranische Gesellschaft befinde sich in einem Umbruch-Prozess, was sexuelles Verhalten angehe. Der Staat weigere sich jedoch hartnäckig, seinen Widerstand gegen Reformen aufzugeben. „Familienwerte“ oder „unmoralisches sexuelles Verhalten“ seien inzwischen zu Reizthemen zum Ausbau der Macht der Neokonservativen geworden.

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weitere Informationen:
Janet Afary
„Sexualökonomie im Iran –
über Bevölkerungspolitik, weibliche Emanzipation und Homosexualität“
Lettre International Nr. 88
(Text-Auszug)

Hate Map – die Landkarte der Gesetze gegen Homophobie

Die Europäische Sektion der ILGA International Lesbian and Gay Association hat eine „Hate Map“ veröffentlicht.

Mit der „hate map – Laws against homophobic hate crime and hate speech in Europe“ legt die ILGA Europe eine Karte vor, in der aufgezeigt wird, in welchen europäischen Staate es gesetzliche Regelungen gegen „hate speech“ gibt, gegen Hass-Reden und Hass-Verbrechen gegen homosexuelle und transsexuelle Menschen.

Map of homophobic and transfobic hate crime/speech legislation in Europe (ILGA; Screenshot)
Map of homophobic and transfobic hate crime/speech legislation in Europe (ILGA; Screenshot)

Deutschland ist in der Karte (Stand Dezember 2009) im Gegensatz zu allen westlichen und vielen östlichen Nachbarstaaten ein weißer Fleck …

weitere Informationen:
ILGA Europe: hate map (pdf, 5,1 MB)
ILGA Europe: Resources on hate crime and violence
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