Ethik für alle – Berlin hat sich klar entschieden (akt.)

„Ethik-Unterricht weiterhin gemeinsam und für alle, Religionsunterricht weiterhin freiwillig“ – so lässt sich das Ergebnis der Berliner Abstimmung zum Volksentscheid in Sachen Ethik-Unterricht zusammenfassen.

Die Initiative „Pro Reli“ erreichte ihr Ziel nicht – Ethik-Unterricht bleibt weiterhin Pflichtfach, Religionsunterricht ist zusätzlich wahlfrei möglich. Eine Mehrheit der BerlinerInnen stimmte gegen ‚pro Reli‘. Das erforderliche Quorum von 25% wurde weit verfehlt.

48,4% der Berlinerinnen und Berliner stimmten mit ‚ja‘ (und damit für pro Reli), 51,3% mit ’nein‘ (und damit pro Ethik). Am Volksentscheid nahmen nur 29,2% teil – eine deutlich schlechtere Wahlbeteiligung als bei der Abstimmung um den Flughafen Tempelhof.

Der Volksentscheid erreichte damit das erforderliche Quorum von 25% nicht – und überraschenderweise ist die Initiative ‚pro Reli‘ nicht  nur am Quorum, sondern auch direkt an der Wahlurne gescheitert, hat nicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhalten.

Offiziell werden Landeswahlleiter, Andreas Schmidt von Puskás, und der Vorstand des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, Prof. Dr. Ulrike Rockmann, das amtliche End-Ergebnis des Volksentscheids am Montag, 27. April 2009 um 11:00 Uhr mitteilen.

Ein breites Bündnis hatte sich für die Beibehaltung des gemeinsamen Ethik-Unterrichts in Berlin ausgesprochen. Das Bündnis reichte von politischen Parteien (Grüne, Linke, SPD) über Gewerkschaftsgruppen (z.B. GEW) bis hin zu religiösen Gruppierungen (u.a. Alevitische Gemeinde, Deutsche Buddhistische Union, Initiative Christen pro Ethik).

Auch der Lesben- und Schwulenverband LSVD Berlin-Brandenburg hatte sich unter dem Motto „pro Ethik – contra Homophobie“ dem Bündnis „Pro Ethik“ angeschlossen und dazu aufgefordert, mit ’nein‘ zu stimmen.

pro Ethik - contra Homophobie
pro Ethik - contra Homophobie

Die Landesarbeitsgemeinschaft Schwule Juristen Berlin (LASJ) hatte in einem Statement (pdf) betont:

„Angesichts der gestiegenen homophoben Gewalt können wir es uns nicht leisten, bei Jugendlichen den Eindruck entstehen zu lassen, wer religiös sei, brauche keine Ethik.“

Am Sonntag, 26.4.2009, setzten sich die Befürworter des Ethik-Unterrichts durch. Die unterlegenen Vertreter von proReli spekulierten am Abend über eine etwaige Klage gegen das Abstimmungsergebnis.

Es schiene mir anachronistisch und weltfremd, wenn in einer Stadt, in der so viele Kulturen, Religionen, Menschen verschiedenster Herkunftsgebiete und -kulturen mit einander leben, die Bevölkerung sich gegen einen gemeinsamen Ethik-Unterricht für alle Schüler entschieden hätte.

Auch wenn eine Partie es anders suggerieren wollte – das jetzige Ergebnis heißt nicht „contra Religion“, es heißt vielmehr „pro Ethik für alle, und pro Religion für die die es wollen“.
Aus schwuler Sicht ist zudem ein klares „Ja zum Homo-Unterricht“ zu begrüßen …

Dass der gemeinsame Ethik-Unterricht -trotz massiven Einsatzes nicht nur finanzieller und verbaler Mittel der proReli-Befürworter- gesichert werden konnte, zeigt dass Berlin hier eine klare Meinung hat – die nun von allen Beteiligten akzeptiert und respektiert werden sollte.

Der Papst ein Komplize von Aids? – ACT UP Paris protestiert (akt.)

Der Papst meint, Kondome vergrößerten das Aids-Problem nur. Er mache sich damit zum Komplizen von Aids, entgegnen ACT UP – Aktivisten in Paris.

Die Deutsche Aids-Hilfe hatte bereits kurz nach den Äußerungen des Papstes betont „Papst lädt Schuld auf sich – Papst-Äußerungen gegen Kondomgebrauch sind unverantwortlich und weltfremd„.

In Paris gingen Aktivisten von ACT UP Paris nun weiter. „Le pape complice du sida“ (Der Papst ein Komplize von Aids“) lautete das Motto einer Aktion am vergangenen Sonntag, 22. März 2009.

Etwa 30 ACT UP – Aktivisten protestierten mit einem Die In vor der Kirche Notre Dame in Paris gegen die ihrer Meinung nach unverantwortlichen Äußerungen des Papstes.

Die ACT UP – Aktivisten wurden von jungen Katholiken attackiert und mit Eiern und Wasserbeuteln beworfen. Dabei riefen sie ACT UP Paris zufolge u.a „Kondome sind Mord“ und „Sterbt schnell an Aids“.

(alle Fotos © ACT UP Paris)

Parallel zur ACT UP – Aktion kam es bei einer Aktion, bei der Kondome vor Notre Dame verteilt wurden, zu Auseinandersetzungen zwischen ca. 30 Aktivisten der Öko-Bewegung sowie lokalen Vertretern der PCF (frz. kommunistische Partei)  einerseits und etwa 20 Vertretern der extremen Rechten andererseits.

weitere Informationen:
BBC 23.03.2009: Paris youths in row over condoms
Video über die Aktion und die Polizeieinsätze auf YouTube: French police harassing Activists Distributing Condoms Outside The Notre Dame
e-Ilico 23.03.2009: Act Up a manifesté devant Notre-Dame contre les propos du pape sur le préservatif
Kritik an den Papst-Äußerungen auch vom Fach-Journal The Lancet: ‚Redemption for the Pope?
über eine kreative Aktion berichtet SpON: Facebook Users to Flood Vatican with Condoms
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Deutsche AIDS-Hilfe: Papst lädt Schuld auf sich – Papst-Äußerungen gegen Kondomgebrauch sind unverantwortlich und weltfremd

Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) kritisiert die im Vorfeld der ersten Afrika-Reise von Papst Benedikt XVI. gemachten Äußerungen gegen den Kondomgebrauch zum Schutz vor einer HIV-Infektion auf das Schärfste. Angesichts des millionenfachen Leids durch HIV und Aids auf dem afrikanischen Kontinent ist die kategorische Ablehnung des Kondoms durch den Vatikan zynisch und menschenverachtend.

Die DAH teilt die Kritik vieler Selbsthilfe- und UN-Organisationen wie UNAids: Altersgerechte Information, Aufklärung und der Zugang zu Kondomen und antiretroviralen Medikamenten sind der Schlüssel zur Eindämmung der Aids-Epidemie.

Die Deutsche AIDS-Hilfe fordert Papst Benedikt XVI auf, seine kompromisslose Haltung gegen das Kondom aufzugeben und die HIV-Prävention nicht länger zu behindern.

Dazu erklärt Tino Henn, Bundesvorstand der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.: „Die Äußerungen von Papst Benedikt, Kondome würden das Aids-Problem in Afrika nicht lösen, sind unverantwortlich. Mit solchen Worten kann keine Botschaft der Hoffnung und Versöhnung nach Afrika gebracht werden, wie es der Vatikan beabsichtigt. Kondome sind unverzichtbarer Teil der weltweiten Aufklärungs- und Präventionskampagnen. Die Botschaft „Kondome schützen vor einer HIV-Infektion“ ist so einfach wie wirksam. Der Vatikan darf die Prävention nicht länger massiv behindern. Er versündigt sich – um die Sprache der Katholischen Kirche zu benutzen – dadurch nicht nur an den Gläubigen, sondern an der gesamten Menschheit.“

(Pressemitteilung der Deutschen Aids-Hilfe)

Der Heilige der Aids-Kranken

„Wir haben einen Heiligen“, berichtet ‚Poz and Proud‘, das Blog der gleichnamigen niederländischen Positivengruppe.

Der belgische Pater Damian (1840 bis 1889) wird am 11. Oktober 2009 von Rom heilig gesprochen. Dies habe Papst Benedikt XVI. am Samstag bekannt gegeben.

Pater damian 1888, Foto: wikimedia commons
Pater Damian 1888, Foto: wikimedia commons

Damian, bisher ’nur‘ 1995 selig gesprochen,  wird als Heiliger dann Schutzpatron der Aids- und Lepra-Kranken.

Pater Damian (geb. Jef de Veuster) betreute u.a. auf Moloka’i Lepra-Kranke, Wikipedia meldet dazu

„Durch sein Engagement unter den Kranken erlangte Pater Damian große Bekanntheit und infizierte sich selbst mit der tödlichen Krankheit“

und ergänzt

„Am 1. Dezember 2005 wurde Pater Damian von einem breiten Publikum in Flandern zum größten Belgier aller Zeiten gewählt.“

Und warum die Heiligsprechung? Das weiß deredactie.be:

„Möglich gemacht hat die Heiligsprechung von Pater Damian (Foto) ein Wunder. Audrey Toguchi war an einer seltsamen Krebsvariante erkrankt, mit Metastasen in der Lunge. Die Frau betete in ihrer Todesangst zu Pater Damian, worauf sie auf unerklärliche Weise geheilt wurde.“

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Weitere Informationen:
Damian de Veuster auf wikipedia
poz and proud 22.02.2009: We hebben een heilige!
deredactie.be 21.02.2009: Am 11. Oktober ist Pater Damian ein Heiliger
..

ggg

Virus-Mythen 5: Aids als Strafe Gottes

Aids – „in vielen Fällen ist das wirklich eine Strafe Gottes“.

Aids als Strafe Gottes – das sagt heutzutage kaum jemand noch laut – bis auf einige Vertreter der ultrakonservativen „Priesterbruderschaft St. Pius X.„.

Pater Franz Schmidberger, Priesterbruderschaft St. Pius X. (Foto: Priesterbruderschaft)
Pater Franz Schmidberger, Priesterbruderschaft St. Pius X. (Foto: Priesterbruderschaft)

Obiges Zitat stammt der Sendung ‚Report Mainz‘ zufolge vom ‚Distriktoberen für Deutschland der Priesterbruderschaft St. Pius X.‘, Pater Franz Schmidberger, der gleichzeitig als einer der Mitbegründer dieses umstrittenen Ordens ist.

Aids als Strafe, als Folge von ‚zuviel Freiheit‘, das hat Tradition in der Denke der Pius-Brüderschaft:

„Aufreizende Kleidung, Vergewaltigungen, Abtreibung, zerrüttete Familien, verwahrloste Kinder, – die Wörter ziemen sich kaum, aber es ist leider Realität – legalisierte Homosexualität, Kinderpornographie und -mißbrauch, Aids… all das sind Früchte von etwas, was man auch Freiheit nennt, nämlich die sexuelle Freiheit oder die sexuelle Befreiung der 68er Kulturrevolution. Auflösung aller Normen und Tabus, die Loslösung von heiligen, unantastbaren Gottesrechten. Immer mehr Menschen merken, daß dies auf eine Katastrophe zusteuert.“ („Mitteilungsblatt vom August 2002 (Aus der Priesterbruderschaft) – „Zwei Freiheiten“, Ansprache der Rektorin des St.-Theresien-Gymnasiums. von Schwester Michaela Metz“, online)

Es versteht sich fast von selbst, dass Kondome-auch und gerade zur Prävention der HIV-Infektion- in dieser Gedankenwelt Teufelszeug sind:

„Die Kampagnen, die gestartet wurden, um die Menschen auf die große Gefahr, sich zu infizieren, aufmerksam zu machen, neigen dazu, Präservative als Heilmittel zu empfehlen. Manche Werbung spricht sich aus für „Treue und Enthaltsamkeit“ – was sehr gut ist, denn es erinnert die Menschen an die Tugenden von Keuschheit und Reinheit -, aber die gleichen Anzeigen enthalten ausnahmslos auch die „Option“ für Präservative. Somit erweisen sich all diese Anti-Aids-Programme als lasterhaft, und sie sind sogar gefährlicher als die Sünde selbst, denn sie behandeln Laster und Tugend in gleicher Weise.“ (aus: Mitteilungsblatt vom Februar 2003 (Aus der Priesterbruderschaft) – Auf den Spuren Erzbischof Lefebvres, von P. Patrick Groche, online)

Report Mainz: Kreuz-Schändung „schwerere Sünde“ als Terroranschläge
Sendung am09.02.2009, 22:00 Uhr ARD.

weitere Informationen.
Termabox: Die Kirche im Komödienstadl
La Libertine: Dschihad auf katholisch
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Quiekendes Vieh vom Ex-Schwulenzeichner

Die derzeitige (immerwährende) Debatte um die Haltung von Kirchen zur Homosexualität („Ratzinger stellt sich gegen die Schöpfung“ und es gibt tatsächlich Proteste) bereichert der ehemalige Schwulenzeichner Ralf König mit einer eigenen Variante:

„Einfallsreich schuf Gott das Vieh, das quiekte, grunzte oder schrie.“

Nein, hier sind nicht schwule Männer gemeint (auch wenn die gelegentlich „sex pigs“ sein wollen), sondern es geht um „Archetyp“ – Ralf König zeichnet den Schiffbauer Noah.

Allerdings will König nicht mehr schwul sein – äh, nicht mehr ‚Schwulenzeichner‘.

„König sitzt mit hochgezogenen Beinen in einem großen Sessel und erinnert uns daran, daß er es ja gerade erst geschafft habe, das Image des Schwulenzeichners los zu werden. ‚Damit bin ich zu Ende, es reizt mich nicht mehr, denn ich habe alles erzählt, was ich über die Welt der Homosexuellen weiß.'“

Na, die Schwulen haben Herrn König ja auch genug Geld nachgeworfen, da kann man ja auch dann mal „mit zu Ende sein“  …

Und wenn man dann noch Chef der Deutschen Depressiven-Bewegung wird … aber – selbst lesen: „Ralf Königs neuer Comic für die F.A.Z.“

Nachtrag:
16.01.2009: Das obige Zitat wurde inzwischen (siehe Kommentare) von auf FAZ.net geändert. Es lautet nun „„Ich habe in siebenundzwanzig Jahren alles erzählt, was ich zur Schwulenszene erzählen konnte. Momentan reizen mich andere Themen.““

Kondome kaufen verboten in Fulda

In Fulda ist das Kaufen von Kondomen immer noch verboten …

Die Macht (oder ist es eine bizarre Spiegelung der Ohnmacht?) der katholischen Kirche ist in Fulda auch lange nach dem Tod des Herrn Dyba in ihren absonderlichsten Ausprägungen zu erleben. In diesem beschaulichen vom Barock geprägten Städtchen ist Kondome kaufen verboten – wenn es nach der katholischen Kirche geht.

Kondome kaufen verboten - bei Schlecker in Fulda
Kondome kaufen verboten - bei Schlecker in Fulda

Immer noch ist es in dieser Schlecker-Filiale verboten, Kondome zu verkaufen. Per „Sittenklausel“, denn so will es der Hausbesitzer, eine Organisation des Bistums Fulda.

Eigentlich unnötig zu betonen, wir leben im Jahr 2008 …

Kondome verkaufen verboten

„Kondome dürfen wir nicht verkaufen, weil das Haus der katholischen Kirche gehört.“

Das gibt’s im Deutschland des Jahres 2008 nicht mehr?

Doch – in Fulda.
Per ‚Sittenklausel‘ Mietvertrag ist dem Mieter untersagt, Artikel zu verkaufen, die dem Ansehen der Kirche schaden könnten, wie die netzzeitung schreibt.
Das kleine Städtchen, schon früher bekannt geworden durch seinen fundamentalistischen Erzbischof Dyba und 1991 eine nette ACT UP – Aktion gegen dessen Aids-Politik, befindet sich teilweise scheinbar immer noch im tiefsten Mittelalter.

Die betroffene Drogerie-Kette (ihrerseits nicht gerade bekannt für menschenfreundliche Arbeitsbedingungen) enthält sich kleinlaut einer Stellungnahme, wie der HR berichtet.

Der Bistumssprecher „weiß nicht, was daran kurios sein soll“ – und macht seinem Namen (der Gute heißt Herr Ohnesorge) für Menschen, die sich schützen wollen (z.B. vor sexuell übertragbaren Infektionen) keine Ehre …

[via MithrasX]

Schwule sind DOCH subversiv …

Ach, da bin ich jetzt aber beruhigt.

Ratzi sagt doch tatsächlich, Schwule seien subversiv (okay okay er meint die Einführung der Eingetragenen Partnerschaft in Italien)

Und ich hatte schon befürchtet, „die Schwulen“ seien angepasst geworden (erst recht mit der eingetragenen Partnerschaft als Ehekopie-Ideal).

Aber wenn der Papst das sagt …
… hab ich wohl was mißverstanden 😉

Na dann sind wir mal subversiv … auf auf!