Vier Tage in der Kaschubei mit HIV – 16. Treffen der polnischen PLWHA in Szarlotta

Es wird viel polnisch gesprochen und man kennt sich – oftmals seit vielen Jahren. Ich besuche erstmals das nationale Treffen der Positiven in Polen. Von Berlin aus ist Polen eigentümlich weit weg und ich wundere mich gelegentlich etwas über unser kollektives Desinteresse an unserem nächsten Nachbarn. Durchaus freudig empfangen wir zwar die Wochenendtouristen aus allerlei polnischen Städten, aber einen richtigen wechselseitigen Austausch gibt es eher selten.

Um so mehr freute ich mich über die Einladung von Woitek, doch mal am „polnischen Waldschlößchen“ teilzunehmen und sagte spontan freudig zu.

Anders als in Deutschland kann man sich in Polen nicht verschiedene Termine für die Treffen aussuchen – es gibt nur ein Treffen im Jahr. Trotzdem gibt es einige Parallelen zum Waldschlößchen. Der Ort Szarlota ist etwas abgelegen und man muß sich während des Treffens auf die Teilnehmer und das Programm vor Ort konzentrieren, da man keine anderen Ablenkungen außerhalb der Tagungsstätte hat (wenn man mal von der schönen Natur absieht.). Man hat aber das auch beim Schlösschen bekannte Bus-Anreise-Problem dadurch gelöst, das man einfach einen Charterbus ab Danzig fahren läßt.

Es gab auch in Szarlota ein straffes Programm, welches von morgens bis abends durchstrukturiert war. Meist gab es einen Hauptprogrammstrang, an dem man teilnehmen mußte. Man hatte also nicht so viele Wahlmöglichkeiten wie bei den Positiventreffen in Deutschland.

Auffällig fand ich die Teilnehmerstruktur. „HIV“ ist in Polen heterosexueller als bei uns und es sind deutlich mehr Drogengebraucher betroffen.

Der Veranstalter setzt bei seinen Treffen regelmäßig auf eine Teilnahme von internationalen Gästen aus den benachbarten Ländern. So hat man gleich die gute Gelegenheit, auch noch einen ordentlichen Erfahrungsaustausch mit Ukrainern und Tschechen pflegen zu können. Für die Verständigung mit den polnischen Teilnehmern wurde uns ein charmanter, fachkundiger Dolmetscher zur Seite gestellt.

Auch in Polen teilt sich HIV ähnlich wie bei uns zwischenzeitlich in ein „altes“ und ein „neues“ HIV auf. Die medizinische Versorgung ist nach Auskunft mehrerer Teilnehmer in den letzten Jahren besser geworden. Das Arzt-Patientinnen-Verhältnis scheint sich aber anders zu gestalten als man es aus Deutschland im Durchschnitt gewöhnt ist. Ärzte sind in Polen noch weiße Halbgötter und nehmen auch mal eine aus unserer Sicht autoritäre Haltung gegenüber den Patienten ein.

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Offenlegung möglihcer Interessenkonflikte des Autors:
– Einladung und volle Kostenübernahme für die Veranstaltung durch SIECI
– Reisekostenübernahme durch die DAH
– Dolmetscherkosten durch DAH

Studie: PcP-Prophylaxe kann über 100 CD4 gestoppt werden

Prophylaxe gegen die PcP kann bei HIV-Positiven, die antiretrovirale Therapie nehmen und bei denen die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt, sicher gestoppt werden, sobald die CD4-Zellzahl über 100 liegt.

Dies berichten europäische Aids-Forscher in der Fachzeitschrift Clinical Infectious Diseases (Ausgabe 1. September 2010). Bei CD4-Werten unterhalb von 100 sei allerdings eine PcP-Prophylaxe weiterhin empfehlenswert, unabhängig von der Höhe der Viruslast, so die Forscher.

Die PcP ist eine potentiell lebensbedrohliche Lungenentzündung. Sie gehört zu den Aids-definierenden Erkrankungen. In Zeiten vor der Verfügbarkeit hochwirksamer Aids-Therapien (HAART) war die PcP unter Positiven gefürchtet – sie war zeitweise die häufigste Todesursache bei Menschen mit HIV.

Forscher untersuchten im Rahmen der Studie ‚Collaboration of Observational HIV Epidemiological Research in Europe‘ (COHERE) die Häufigkeit des Auftretens von PcP bei 23.412 HIV-Positiven, die in Europa nach 1998 mit antiretroviraler Therapie begannen.

In Deutschland wird bisher üblicherweise (siehe z.B. „HIV-Leitfaden“ des HIV-Arbeitskreises Südwest) eine PcP-Prophylaxe bei CD4-Werten unter 200 Zellen empfohlen.

weitere Informationen:
The Opportunistic Infections Project Team of the Collaboration of Observational HIV Epidemiological Research in Europe (COHERE). Is it safe to discontinue primary Pneumocystis jiroveci pneumonia prophylaxis in patients with virologically suppressed HIV infection and a CD4 cell count < 200 cells/mm3? Clin Infect Dis 51: 611-19, 2010 (abstract)
aidsmap 11.08.2010: Prophylaxis for PCP can be stopped safely at CD4 counts above 100 in Europe
HIV-Arbeitskreis Südwest: HIV-Leitfaden / PcP
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Polen hat die Wahl (akt.2)

20. Juni 2010 – der Staatspräsident wird gewählt. Einer der Kandidaten: Jaroslaw Kaczynski.

Polen wählt am 20. Juni 2010 ein neues Staatsoberhaupt. Die ursprünglich für den Herbst geplante Wahl wurde auf den 20. Juni vorgezogen, nachdem Staatspräsident Lech Kaczynski am 10.04.2010 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Im ersten Wahlgang tritt der liberal-konservative Kandidat der Bürgerplattform an, der derzeitige Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski. Und es kandidiert auch Jaroslaw Kaczynski, Bruder des verstorbenen ehemaligen Staatspräsidenten Lech Kasczynski. Insgesamt bewerben sich zehn Kandidaten.

In Umfragen kurz vor dem Wahltag lag bis zuletzt der rechtsliberale Politiker Komorowski deutlich vor Kaczynski. Sollte im ersten Wahlgang kein Kandidat mehr als 50% erreichen, findet am 4. Juli eine Stichwahl statt.

Jaroslaw Kaczynski (Foto: Archiwum Kancelarii Prezydenta.pl)
Jaroslaw Kaczynski (Foto: Archiwum Kancelarii Prezydenta.pl)

Schwulen und Lesben sind die beiden Kaczynski-Brüder in keiner guten Erinnerung. Von homophoben Äußerungen bis aktivem Verhalten zum Nachteil homosexueller (wie diversen CSD-Verboten oder einer EU-Ausnahmeregelung), die Kaczynskis blieben in diversen Positionen ihrer Homo-feindlichen Linie treu.

Bei seinem Antrittsbesuch im Berlin am 30. Oktober 2006 kam es zu Protesten gegen Jaroslaw Kaczynski aufgrund seiner homophoben Äußerungen. Am 30. August 2006 hingegen betonte Jaroslaw Kaczynski gegenüber der EU, Homosexuelle würden in Polen nicht diskriminiert.

Über Komorowski und Lech Kaczynski, am 10. April 2010 verstorbener Staatspräsident Polens und Bruder des jetzigen Kandidaten Jaroslaw, über ihre Unterschiede in Haltung und Menatlität schrieb SpON kurz nach dem Tod Lech Kaczynskis:

„Komorowski und Kaczynski kannten sich seit Jahrzehnten aus der gemeinsamen Zeit in der Opposition. Der ruhige, sachliche Intellektuelle Komorowski ist ein Pragmatiker, den Deutschen gegenüber aufgeschlossen. Einer, der sorgsam seine Worte wählt. Kaczynski dagegen war ein Polterer, beseelt von der Sorge um das Polentum, leicht kränkbar und empfindlich.“

Lech und Jaroslaw – über viele Jahre ein eingespieltes Gespann in der polnischen Politik, Lech eher in Amt und Würden, während Jaroslaw eher in Hintergrund agierte. Jaroslaw Kaczynski, 2005/06 für 15 Monate polnischer Premier-Minister,  gilt als der schärfere und unerbittlichere der beiden Kaczynski-Brüder. Über das Verhältnis von Lech (der in der polnischen Presse als der „Umgänglichere“ der beiden beschrieben wurde) und Jaroslaw Kaczynski schrieb SpON

„Jaroslaw Kaczynski verband ein symbiotisches Verhältnis zu seinem Bruder. Er ist der schratigere der beiden, wohnte bis vor kurzem noch bei seiner Mutter. Er hat Lech immer die größeren Ämter überlassen – er war der Ideologe und Stratege der beiden.“

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Update
20.06.2010: Komorowski liegt im ersten Wahlgang vorn, es wird vermutlich zu einer Stichwahl am 4. Juli 2010 kommen.

04.07.2010 21:52 Uhr: „Liberaler Komorowski liegt bei Präsidentenwahl vorn“, meldet SpON.
05.07.2010: „Komorowski offiziell zum Wahlsieger gekürt“

weitere Informationen:
SpON 20.06.2010: Präsidentschaftswahl in Polen – Liberaler Komorowski liegt vorn
SpON 21.06.2010: Polen geht in die Stichwahl
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Lech Kaczynski bei Flugzeugabsturz ums Leben gekommen

Der polnische Präsident Lech Kaczynski ist bei einem Flugzeug-Absturz ums Leben gekommen. Kaczynski galt als ‚homophobster Staatschef Europas‘.

Lech Kaczynski, Staatspräsident Polens, ist bei einem Flugzeugabsturz in Smolensk (Russland) am 10. April 2010 ums Leben gekommen. Mit ihm starb seine Frau Maria sowie zahlreiche hochrangige Vertreter Polens.

Immer wieder wurde Kaczynski, der2001  zusammen mit seinem Bruder Jaroslaw die nationalkonservative Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) gründete,  für homophobe Einstellungen und Äußerungen bekannt. So zitiert die ‚Times‘ 2006:

„He is “not a doctor, not a sexologist, not an expert” on the causes of homosexuality, he pointed out, but he fears that activists may promote it. “I have 57 years of age behind me, and I have seen men dating girls and then I find that they are of a different orientation.” If the numbers of homosexuals rose, he said, “relations between men and women would be turned upside down” and “mankind would be doomed to extinction”.“

Schon als Bürgermeister Warschaus verbot Lech Kaczynski zweimal einen geplanten CSD  (2004 und 2005). Immer wieder vertrat er den Gedanken, Homosexualität werde „propagiert“ und stelle eine Gefahr für die „öffentliche Moral“ dar, begründete damit Verbote und restriktive Maßnahmen.

Am Rande seines Antritts-Staatsbesuchs in Deutschland 2006  kam es in Berlin zu massiven Protesten gegen Kaczynski und seine homophoben Positionen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte Kaczynski 2008 anlässlich des Welttags gegen Homophobie zum Mitglied ihrer “Hall of Shame” – zusammen mit dem Staatschef von Uganda sowie dem UK Home Office.

Kaczynski selbst äußerte später, er fühle sich missverstanden: “Mir Vorurteile gegen Homosexuelle vorzuwerfen ist ein völliges Missverständnis.”

Auch die polnische Politikerin, Sejm-Abgeordnete und zeitweise Parlamentarische Staatssekretärin der Kommission für Gleichstellung Izabela Jaruga-Nowacka, die immer wieder die Rechte von Lesben und Schwulen unterstützte, kam bei dem Absturz ums Leben. Noch im März 2010 hatte sie sich zusammen mit der Fraktion der polnischen Linken SLD für ein Gesetz für die Homo-Ehe in Polen eingesetzt.

weitere Informationen:
SpON 10.04.2010: Polens Präsident Kaczynski stirbt bei Flugzeugabsturz
Times 12.10.2006: The Polish leader glad to be in company with the British
Human Rights Watch 14.02.2006: Poland: Official Homophobia Threatens Human Rights
SZ 09.03.2006: Schwule protestieren gegen Kaczynski – “Können wir räumen?“
taz 07.06.2008: Christopher Street Day in Warschau – Die Totgeschwiegenen
diestandard.at 03.03.2010: Polen – Linker Gesetzesentwurf für Homosexuellen-Ehe
Pinknews 10.04.2010: Polish President who said homosexuality will destroy human race dies in plane crash
Pinknews 10.04.2010: Gay rights advocating former Polish Deputy PM among dead in plane crash
Tetu 10.04.2010: L’avion du président polonais s’écrase: l’homophobe Kaczynski est mort
Advocate 10.04.2010: Poland Mourns Death of Antigay President
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Wenn einer eine Reise tut …

Wenn einer eine Reise tut …
… dann kann er was erleben.
Und wir erlebten viel, in diesen sechs Tagen, beim 13. Treffen der Menschen mit HIV in Polen.
Einige persönliche Gedanken:

– Selten habe ich mich (an den ersten Tagen) dermaßen ausgeschlossen gefühlt, nicht teilhaben könnend – großenteils aufgrund der Sprachbarriere. Erinnerungen an frühere lange Auslands-Aufenthalte werden wach. Und mir wird erneut bewusst, wie sich wohl fremdsprachige Teilnehmer auf unseren Treffen teils fühlen müssen.

– Es war ein sehr buntes gemischtes Treffen (was auch die etwas andere Situation des Lebens mit HIV  in Polen spiegelt). Von jung bis alt, vom Kind über Teenager bis zur 70jährigen positiven Frau, heterosexuellen Männern, schwulen Männern, Drogengebraucher und Drogengebraucherinnen, Ex-User, Substituierte, aus Kleinstadt, Dorf und Großstadt – eine sehr lebendige Mischung, eine Vielfalt, die sehr wohltuend war – und die ich mir auch für deutsche Treffen wieder mehr wünsche.

– Besonders bemerkenswert: eine Vielzahl an (jetzt oder ehemals) drogengebrauchenden Menschen, die teils sehr lebendig und engagiert ihre Sichtweisen einbrachten – mir wird sehr deutlich, wie sehr ich die aktive Integration, die Bereicherung um andere Sichtweisen und Lebenshintergründe  von Junkies, Ex-Usern und Substituierten bei unseren Treffen (die früher viel ausgeprägter war) vermisse.

– Es ist immer wieder frustrierend, zu hören und erleben, wie schlecht die Lebenssituation für Menschen mit HIV in manchen Staaten Osteuropas ist, wie unerträglich die Medikamentenversorgung, die soziale Unterstützung. Und es hinterlässt ein äußerst schales Gefühl, wenn ich die gleichen Personen, die aus ihrem Land derlei Missstände berichteten, dann kurze Zeit später mit dem Taxi abreisen sehe, während fast alle anderen Teilnehmer den Linienbus nehmen.

– Geradezu wütend machen mich Geschichten wie die eines fertig studierten Mediziners, dem von seiner eigenen Ärztekammer verwehrt wird, als niedergelassener Allgemeinmediziner zu arbeiten – einzig aufgrund seiner HIV-Infektion. Bei weitem nicht das einzig gehörte Beispiel, welche Steine einem Leben mit HIV in den Weg gelegt werden …

– Umso erfreuter war ich immer wieder ob des freundlichen, sehr hilfsbereiten Personals der Hotel-Anlage. Und der wundervollen kaschubischen Landschaft, ihrer Ruhe, Klarheit, Gelassenheit – Balsam für die Seele.

– Und es macht nachdenklich, zu hören, was polnische Positive so alles auf sich nehmen müssen – von einer letztlich nicht anonymen Behandlung über weite Anreisen zum Behandlungszentrum von bis zu 200 km bis zu Problemen mit Ärzten, am Arbeitsplatz, im Alltag, die weit über das bei uns meist übliche hinaus gehen. In welcher vergleichsweise luxuriösen Situation wir in Deutschland leben, selbst im Vergleich mit unserem direkten Nachbarn – angesichts weit verbreiteter Anspruchshaltungen auch bei Menschen mit HIV wäre mir lieb, es wäre mehr bewusst, wie wenig normal dies alles schon wenige Kilometer entfernt ist …

HIV und Strafrecht in Polen

Auf dem polnischen Positiventreffen widmete sich ein Vortrag der Frage der Bedeutung von HIV im polnischen Strafrecht.

Wer von seiner HIV-Infektion weiß und eine andere Person mit HIV infiziert, kann gemäß Art 161 § 1 KK mit bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug bestraft werden. Die Beweispflicht (der HIV-Übertragung) liegt bei der Person, die angibt infiziert worden zu sein. Genetische Untersuchungen (phylogenetische Tests) werden zur Beweiserhebung angewendet.

Das polnische Strafrecht kennt darüber hinaus den Tatbestand der Gefährdungshaftung: wenn ein HIV-Positiver Sex mit anderen Personen hat und diese vorher nicht über seine Infektion informiert, droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren – unabhängig davon, ob konkret eine HIV-Übertragung stattgefunden hat.

Allerdings besteht nach den Ausführungen der Referentin (J. Plichtowicz-Rudnicka) eine gewisse Rechtsunsicherheit darin, dass der Gesetzestext von HIV spricht, nicht jedoch von Aids. Zudem biete das polnische Strafrecht eine Möglichkeit der Strafreduzierung: wer schwer erkrankt ist (hier: Aids hat), wird statt mit bis zu drei Jahren maximal mit einem Jahr Haft bestraft.

Mehrere Straftaten (HIV-Übertragungen oder mögliche Übertragungen) können zu einer höheren Gesamtstrafe akkumuliert werden. Andererseits kann das Gericht ein Verfahren auch für „schwebend“ erklären – in diesem Fall wird kein Urteil gesprochen, keine Strafe verhängt. Sollte es allerdings zu einem weiteren Verfahren kommen, werden beide Tatbestände im Urteil berücksichtigt.
Strafen können zur Bewährung ausgesetzt werden (i.d.R. Bewährungszeit von zwei bis fünf Jahren).

Die drastische Reduzierung der Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie („EKAF-Statement„) wird bisher in der Rechtsprechung und Strafbemessung nach Wissen der Referentin nicht berücksichtigt.

Niemand ist (u.a. gemäß Art. 360 Strafprozessordnung) verpflichtet, seine HIV-Infektion offen zu legen (Ausnahme Sexpartner, siehe oben). Allerdings ist es häufige Praxis, dass z.B. Piloten, Gerichts-Bedienstete oder Polizisten ihre Anstellung verlieren, sobald ihre HIV-Infektion bekannt wird.

Innerhalb der polnischen Kriminalstatistik wird nicht getrennt erhoben, wie viele Ermittlungen, Verfahren oder Urteile aufgrund von HIV-Übertragungen erfolgen. Die Referentin konnte insofern auch keine Rückmeldungen geben, wie hoch die Zahl der Ermittlungen, Prozesse oder Verurteilungen ist.

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Anmerkung: Schon aufgrund der Sprach-Probleme (im Workshop des polnischen Positiventreffens) kann dieser Artikel nur unverbindliche Anhaltspunkte liefern, keinesfalls verbindlichen juristischen Informationen.

Leben mit HIV in Polen

In Polen findet derzeit das 13. nationale Treffen von Menschen mit HIV und Aids statt, unter Beteiligung auch einer kleinen deutschen Delegation aus Selbsthilfe und Aids-Hilfe.

Folgende offiziellen Zahlen kennzeichnen die HIV-Situation in Polen:
– Derzeit (Stand 1. Halbjahr 2009) leben in Polen 12.268 Menschen mit HIV.
– 5.490 von ihnen stammen aus der Gruppe der i.v.-Drogengebraucher/innen; 30% sind Frauen; 134 Kinder.
– Insgesamt 2.246 Menschen sind an Aids erkrankt.
– Zwischen 1985 und 2009 sind bisher 1.004 Menschen in Polen an den Folgen von Aids verstorben.
– Jährlich wird bei etwa 550 bis 750 Menschen neu eine HIV-Infektion diagnostiziert.
– 4.105 HIV-Positive in Polen erhalten derzeit antiretrovirale Therapie.

Der Bereich Aids sieht sich dabei immer wieder vor Herausforderungen. So sei eine Präventions-Kampagne auf große Schwierigkeiten in den Medien gestoßen, sei nur auf MTV gelaufen. Gerade im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hingegen sei man oft der Aussage begegnet, diese Kampagne „passe nicht zum Programm“. Eine Studie zum Bereich der Männer, die Sex mit Männern haben, sei an Aids-Zentren geplant gewesen, habe aber aus Mangel an Mittel unterbleiben müssen, berichtet Anna Marzec-Bogulawska, die Leiterin des staatlichen Nationalen Aids-Zentrums.

Alle HIV-Infizierten erhalten ihre medizinische Versorgung nicht (wie z.B. in Deutschland) im Rahmen der medizinischen ‚Normal-Versorgung‘ bei Ärzten, sondern in speziellen Aids-Zentren.An diesen speziellen Aids-Zentren erfolgt nicht nur die medizinische Behandlung, hier werden auch Medikamente ausgegeben. Bei nur elf Aids-Zentren im ganzen Land bedeutet dies für viele HIV-Positive, bei jeder Behandlung, bei jedem Medikamenten-Bedarf eine weite Anreise von z. T. mehr als 150km in Kauf nehmen zu müssen.
Seit 2009 ist im Rahmen eines neuen Projekts erstmals auch eine Beratung HIV-positiver Menschen per E-Mail möglich, bei Bedarf auch anonym.

Im Budget des polnischen Gesundheitsministeriums standen in den vergangenen Jahren folgende Beträge für die antiretrovirale Behandlung zur Verfügung:
2004: 78 Mio. Zloty (für die Behandlung von 2.250 Patienten)
2006: 108 Mio.
2007: 95 Mio.
2008: 153 Mio.
2009: geplant 114,3 Mio. für geplant 3.822 Patienten.

Sowohl das Budget für die antiretrovirale Behandlung als auch für die Aids-Zentren selbst ist immer wieder Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Aufgrund des begrenzten Budgets der Aids-Zentren ist es in der Vergangenheit auch zu Problem in der Medikamenten-Versorgung gekommen. So wurden in der Presse Fälle berichtet, in denen Positive nur den Medikamenten-Bedarf für 2 Wochen ausgehändigt bekommen konnten, aufgrund nicht ausreichender Vorräte. Vereinzelt wurde berichtet, dass Prophylaxe gegen opportunistische Infektionen nicht möglich gewesen sei aufgrund fehlender Gelder.

Die Aids-Zentren bemühen sich auch um politische Lobby-Arbeit, Gespräche mit dem Ministerium etc. Auch vor dem Hintergrund der angespannten Mittel-Situation, so wird mehrfach deutlich, ist es jedoch wichtig, dass politischer Druck nicht nur von diesen staatlichen Zentren kommt, sondern dass Menschen mit HIV auch selbst ihre Interessen und Bedürfnisse formulieren und äußern, und vor allem auch über diskriminierende Erfahrungen berichten. Dies gelte, so wird mehrfach erläutert, umso mehr, als gesetzliche Aufgabe der Aids-Zentren eigentlich nur die medizinische Versorgung sie, Befugnisse, auch den Bedarf zu formulieren habe man jedoch nicht.

95% des für Aids bereitgestellten Budgets werden verwendet für die medizinische Versorgung, nur 5% (etwa 200.000 Zloty) stehen für alle Aids-Zentren in Polen pro Jahr für Prävention zur Verfügung.

Das geringe staatliche Aids-Budget stellt die Aids-Zentren des Landes jedes Jahr vor neue Herausforderungen. Nicht nur,dass die Zentren sich immer wieder in einem Spannungsfeld bewegen aus begrenztem Budget und Patienten, die dringend ihre Medikamente benötigen. Die einzelnen Zentren können sich zudem auch aus diesem Grund nur vergleichsweise langsam entwickeln, an veränderte Bedürfnisse anpassen. Besonders prekär: die jährlichen Streichungen. Bei 7% Budget-Kürzungen im Jahr 2008 und sogar 19% im Jahr 2009 stellt sich jedes Jahr erneut die Frage des „wo streichen“.

Stanowisko Deutsche Aids-Hilfe e.V. na temat terapii i prewencji HIV/AIDS (akt.2)

Terapia antyretrowirusowa (ART) przedłuża przecietna długośc życia zakażonych wirusem HIV ludzi i znacznie podwyższa ich jakośc życia.
Oprócz tego, przynosi dodatkowe korzyści prewencyjne: ryzyko zakażenia wirusem HIV zostaje znacznie zmniejszone.

Zarażenie sie podczas stosunku bez prezerwatywy, jest mało prawdopodobne, jeżeli sa spełnione nastepujace warunki:

– virus HIV-zakażonego partnera/partnerki jest przez co najmniej sześc miesiecy poniżej granicy wykrywalności
– leki antyretrowirusowe sa konsekwentnie stosowane
– partnerzy seksualni nie maja wad błony śluzowej (np. w skutek chorób przenoszonych droga płciowa)

Wniosek: przy spełnieniu powyższych warunków, ryzyko zarażenia sie wirusem HIV jest tak niskie, jak podczas stosunku z użyciem prezerwatywy.

Nasze dotychczasowe przesłania na temat bezpiecznego seksu zostały przez te oświadczenie odpowiednio i skutecznie uzupełniane. Przez to, w prewencji otwieraja sie teraz nowe możliwości.

Anfang April 2009 hat die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) ihr Positionspapier ‚HIV-Therapie und Prävention‘ veröffentlicht. Oben stehend eine (am 21.9.2009 überarbeitete) Übersetzung des ersten Absatzes des Positionspapiers ins Polnische. Übersetzung: Fachbereich Internationales der DAH

Positionspapier der Deutschen Aids-Hilfe als pdf in deutsch, englisch, französisch.

Kaczynski doch nicht homophob?

Der Polnische Staatschef Kaczynski ein Freund der Schwulen und Lesben? Nun, diese Meldung würde wohl viele überraschen. Und doch …

Nein nein, da habe ihn ganz Europa missverstanden.

Lech Kaczynski, der von vielen wohl nicht ganz grundlos als ‚homophobster Staatschef Europas‘ betrachtet wird, fühlt sich missverstanden.

Bei einem Staatsbesuch in Slowenien betonte er auf Fragen von Journalisten: „Mir Vorurteile gegen Homosexuelle vorzuwerfen ist ein völliges Missverständnis.“

Aufgrund seiner Homophobie wurde Kaczynski erst vor einigen Monaten in die ‚Hall of Shame‚ „aufgenommen“.

Kein Kommentar.

Shame on you …

Polens Staatschef Kaczynski macht ‚Karriere‘. Wenn auch unfreiwillig.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte anlässlich des Welttags gegen Homophobie Kaczynski zum Mitglied ihrer „Hall of Shame“ – zusammen mit dem Staatschef von Uganda sowie dem UK Home Office.

HRW ‚verlieh‘ Kaczynski die ‚Hall of Shame‘ Mitglidschaft
„for denying people respect for their family. Kaczynski and his allies – including his brother, the former prime minister – have campaigned for years to deny basic rights to Poland’s LGBT people. In March 2008, in a nationally televised speech, Kaczynski railed against ratifying the European Union Reform Treaty, which would adopt the European Charter of Fundamental Rights. He claimed that provisions in the charter prohibiting discrimination based on sexual orientation would force legal recognition of same-sex relationships. He used film clips of the Canadian marriage ceremony of the US couple Brendan Fay and Thomas Moulton to warn of the “dangers” of legalizing same-sex marriage.“

Wie Herr Kaczynski es (in seiner Eigenschaft als Staatspräsident) wohl mit den Yogyakarta-Prinzipien hält …

Europäischer Tag gegen die Todesstrafe

Heute ist „Europäischer Tag gegen die Todesstrafe“.

Erst jüngst hat der Europarat den 10. Oktober zu diesem Tag ausgerufen. Die EU überlegt eine Deklaration zur weltweiten Abschaffung der Todesstrafe zu verabschieden.
Einzig ein EU-Mitgliedsstaat hat sich gegen den
„Europäischen Tag gegen die Todesstrafe“ ausgesprochen – Polen.

In Polen fordern manche Politiker (auch aus Regierungsparteien) immer noch die Wiedereinführung der Todesstrafe und stellen sich damit eindeutig gegen europäische Werte.

Bei der Nominierung des 10.10. als „Europäischem Tag gegen die Todesstrafe“ legte die polnische Regierung als einzige ein Veto ein. Statt dessen, so Regierungsvertreter Polens, solle ein „Tag zum Schutz des Lebens“ ausgerufen werden. Damit wollte die polnische Regierung die Möglichkeit erhalten, auch gegen Abtreibungen zu demonstrieren.

Da der Europarat mit Mehrheit entscheidet, konnte das Veto der polnischen Regierung überstimmt werden. Einen entsprechenden Beschluss der EU konnte die polnische Regierung hingegen bisher mit ihrem Veto verhindern.

Polnische Operetten

Ein Pole sorgt sich um ‚ernste sittliche Missbräuche‘

Eine Operette kann ja etwas sehr Schönes sein – wie ich jüngst in der Komischen Oper bei ‚Land des Lächelns‘ erlebte.

Bei einigen polnischen Operetten allerdings kann einem das Lächeln vergehen – oder doch im Halse stecken bleiben. So bei der jüngsten mal wieder:

In der polnischen Regierung kriselt es ja immer noch. Der Herr Kaczynski (der eine von den zweien, der Ministerpräsident ist), weiß nicht recht, ob er wirklich Neuwahlen anstreben sollte – zu schlecht sind doch die Werte seiner Beliebtheit im eigenen Land.

Also muss die mühsam zusammengehaltene Koalition auch weiterhin zusammen halten. Aber nicht ganz bedingungslos, einige Baustellen sollten schon ‚bereinigt‘ werden.
So auch eine moralische. Einige Politiker der Lepper- Partei ‚Samoobrona‘ des Bauernführers Lepper sollten aus der Regierung entfernt werden, forderte Kaczynski, und zwar jene, die sich „ernster sittlicher Missbräuche“ ’schuldig gemacht‘ hätten.

Das gefiel dem Herrn Lepper natürlich so gar nicht. Er parierte mit einem Konter. Kaczynski, über dessen hartnäckiges Junggesellen-Dasei so manches Gerücht durch die Welt und das Internet schwappt, solle doch „beim Thema Sex“ bitte ganz ruhig sein und sich nicht in anderer Leute Privatprobleme einmischen. Schließlich sei es auch Kaczynskis „Privatproblem“, dass dieser noch nie das Gefühl „mit einer Frau zusammen zu sein“ erlebt habe.

Ob dieser unverholenen ‚Bitte‘ Leppers darf man auf weiteres polnisches Schmierentheater gespannt sein …

Nachtrag 24.3.: selbst die FTD nennt schon ‚das Kind beim Namen‘

Anti-Homo-Gesetz: Polen unter Druck

Die EU-Kommission kritisiert das in Polen geplante ‚Homosexuellen-Gesetz‘.

Polen gerät wegen seiner diskriminierenden Politik gegen Lesben und Schwule vermehrt unter Druck europäischer Institutionen.

Aktueller Hintergrund: das polnische Bildungsministerium unter dem ultrakonservativem Minister Giertych bereitet ein Gesetz gegen die ‚Verbreitung von Homosexualität‘ vor. Mit diesem Gesetz soll es bei Androhung von Strafe zukünftig verboten werden, im Schul-Unterricht auch nur zu erwähnen, dass es auch Schwule und Lesben gibt.

Nun hat EU-Kommissar Wladimir Spidla die polnische Regierung eindringlich vor diesem Gesetz gewarnt, berichtet der Standard. Dies würde im Widerspruch zur Europäischen Menschenrechts-Konvention und zur Grundrechte-Charta der EU stehen, so Spidla.

Schon vor einigen Tagen hatte der liberale Fraktions- Vorsitzende Watson angekündigt, das EU-Parlament könne einen Sonderausschuss zu dem geplanten Gesetz einrichten.
Das Europaparlament hatte sich schon mehrfach in Stellungnahmen besorgt über die Zunahme rassistischer und antihomosexueller Gewalt in Polen gezeigt. Und am 27. April erneut die polnische Regierung aufgefordert, vom geplanten Gesetz abzusehen.

Sonderausschuss zu Homophobie in Polen?

Das EU-Parlament könnte schon bald einen Sonderausschuss zur Homophobie in Polen einsetzen.

Der liberale Politiker Watson (Vorsitzender der Fraktion der Liberalen im EU-Parlament) kündigte an, die Fraktionschefs im EU-Parlament würden schon bald darüber beraten, einen Sonderausschuss zu den jüngsten Entwicklungen in Polen einzusetzen.

Die Hetze und Agitation von Teilen der polnischen Regierung, von Regierunsgmitgliedern und Mitgliedern der die Regierung tragenden Parteien ist in den letzten Monaten immer unerträglicher geworden – bis zu bizarren Vorschlägen, auch nur die Erwähnung von Homosexualität im Unterricht zu verbieten.

Das Europaparlament hatte sich schon mehrfach in Stellungnahmen besorgt über die Zunahme rassistischer und antihomosexueller Gewalt in Polen gezeigt.

Schwule und Lesben gibt es nicht …

Man mag die Meldung kaum glauben.

Das polnische Bildungsministerium plant ein Gesetz. Ein ganz besonderes. Lehrern soll es zukünftig unter Androhung von Strafe verboten werden, im Unterricht auch nur zu erwähnen, dass es auch Schwule und Lesben gibt.

Bildungsminister (und Vize-Premierminister) Giertych möchte so die Jugend des Landes vor ‚homosexueller Propaganda‘ beschützen.
Selbst Aufklärungsmaterial (z.B. gegen Aids) wäre dann strafbar, wenn an Schulen verwendet.

Der polnische Ministerpräsident Kaczynski hält die Mehrheit im Parlament für diesen Gesetzentwurf für sicher.

Mehr bei der ARD, deren Warschauer Hörfunk-Korrespondent dazu geschrieben hat.

Antrittsbesuch

Heute ist Polens Premierminister (und Parteichef der PiS) Kaczynski in Berlin. Über die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in Polen wird vermutlich nicht gesprochen werden.

Jaroslaw Kaczynski ist heute zu seinem offiziellen Antrittsbesuch in Berlin.
Gesprochen wird sicher über: eine Gaspipeline durch die Ostsee, ein ‚Zentrum gegen Vertreibung‘, die EU, vielleicht generell über die gestörten Beziehungen.

Gesprochen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht darüber, wie immer noch in Polen mit Lesben und Schwulen umgegangen wird.

Das konservative doppelte Lottchen der polnischen Restauration, das nun trotz einer tiefen Regierungskrise doch gemeinsam weiter an der Macht bleibt, kann mit seiner systematischen Diskriminierung und Unterdrückung von Schwulen und Lesben weiter machen.

Als Staatspräsident Lech Kaczynski im März an der Humboldt-Uni eine Rede hielt, kam es noch zu massiven Protesten von Lesben und Schwulen.

Mehr zur Situation von polnischen Lesben und Schwulen und einer polnischen Schwulen- und Lesbengruppe in Frankfurt/Oder auch in diesem Gayweb-Artikel.
Ein weiterer Bericht über die März-Demo gegen Kaczynski findet sich hier.
Einige schöne Zitate aus einem Times-Interview Lech Kaczynskis über Homosexualität finden sich in Argus‘ Blog.