Solidarität ist Zusammengehörigkeit, ist Mitmenschlichkeit – Michèle Meyer im Interview

Was bedeutet Solidarität? Ganz allgemein, und unter uns Positiven? Hat jede/r HIV-Positive erst einmal meine Solidarität? Ein Interview mit Michèle Meyer.

Michèle Meyer ist Präsidentin von LHIVE, der Schweizer Organisation für Menschen mit HIV und Aids, und hat u.a. die Welt-Aids-Tags-Rede 2009 in der Frankfurter Paulskirche gehalten: „Wenn Würde nicht gleich Würde ist – ein Spagat„.

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Michèle, Solidarität – was heißt das für dich, zunächst ganz allgemein?

Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker.“ (Che Guevara)
Solidarität ist für mich ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Ein Prinzip der Mitmenschlichkeit. Es kann und soll auch in Haltung und Handlung erkennbar sein, bzw. praktisch werden. Es heißt für mich: für einander eintreten, sich gegenseitig helfen, aus „freien Stücken“.

‚Aus freien Stücken‘ – heißt das auch, Solidarität ist ‚bedingungslos‘?
Oder muss man sich den Anspruch auf Solidarität vorher ‚erwerben‘?

Das ist wie mit der Würde, nicht? Ich meine, Solidarität als Grundlage/ Grundhaltung ist bedingungslos.

Wenn sich jedeR die Solidarität zuerst verdienen muss, werden wir uns kaum einig wem sie gebührt, geschweige denn wie sie zu verdienen wäre.
Genauso vehement, wie wir eintreten für unsere Diversität, den Reichtum unserer Vielfalt, und genauso vehement wie wir nicht hinnehmen in Verallgemeinerungen oder normativen Zwängen unterzugehen, genauso vehement müssen wir, meiner Meinung nach, Solidarität für alle Menschen mit HIV/AIDS einfordern und praktizieren, auch innerhalb der Communities.

Sonst sind wir nicht nur unglaubwürdig und selbst ausgrenzend, sondern leisten einen gehörigen Beitrag zu den diversen Versuchen von Seiten der Regierungen, Gesundheitssysteme und der Öffentlichkeit, uns mit „divide et impera“ [lat., „teile und herrsche“; politische Strategie den Gegner in Untergruppen aufzuspalten, damit er leichter beherrschbar ist; d.Hg.] nach ihrem Gusto in der Gesellschaft zu positionieren ( und dulden)!

Das heißt, wir positionierten uns im Thema und zeigten unsere Solidarität möglichst frei von Interpretationen oder Bewertung des Individuums und seinem wahrnehmbaren Verhalten, sondern beziehen uns auf die gemeinsamen Interessen, die gemeinsamen Ziele und das prinzipiell mitmenschlich-Handelnde.

Hat Solidarität Grenzen?
In den letzten Tagen wurde ja viel diskutiert – nehmen wir eine konkrete (in Kommentaren angesprochene) Konstellation: ein Positiver belügt, verschweigt wissentlich trotz Nachfrage seinen HIV-Status vor gemeinsamem Sex – Solidarität mit ihm, auch dann?

Natürlich hat Solidarität Grenzen und natürlich hat sie sie nicht!
Sprich: Ich mag solidarisch sein mit allen Menschen mit HIV/AIDS, weil z.b. Diskriminierung, Ausgrenzung, Benachteiligung und oft auch Kriminalisierung  alle betrifft.

Der oder die Einzelne kann mir dabei unsympathisch sein, mehr sogar noch, oder sich selbst unsolidarisch oder nach meinem Verhaltenskodex „falsch“ verhalten. Das ändert aber an der Grundhaltung nichts. Das ändert nur etwas an meinem Bezug nehmen und meinem Engagement in der Sache und dem Mensch persönlich gegenüber!

Michèle Meyer (Foto: privat)
Michèle Meyer (Foto: privat)

Kurz ein Beispiel: in unserer Charta [die Charta von LHIVE; d.Hg.] steht klar und deutlich, dass wir solidarisch sind mit allen Menschen mit HIV/AIDS sind und als Organisation danach handeln. Insbesondere wenn Menschen wegen ihres Serostatus benachteiligt / ausgegrenzt etc. werden. Aber wer unsere Charta nicht unterschreibt, weil er oder sie vielleicht die „durban declaration“ [Erklärung von Durban; Erklärung zahlreicher Wissenschaftler, dass HIV die Ursache von Aids ist; d.Hg.] nicht akzeptiert und somit zu den AIDS-Dissidenten zu zählen ist, kann nicht Mitglied sein, geschweige denn stimmberechtigt. Hier kommen also im Bezug nehmen und im Handeln dem Individuum gegenüber Bedingungen zum Tragen.

Das von Dir genannte Beispiel enthält natürlich viel moralischen Zündstoff und scheint auf den ersten Blick klar bewertbar zu sein. Aber: warum wurde geschwiegen oder gelogen, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stecken dahinter, die ein solches Verhalten begünstigen? Und sind es nicht diese, die trotzdem Solidarität fordern?

Und selbstredend ist ein Arschloch ein Arschloch, und es fällt mir schwer solidarisch mit ihm oder ihr zu sein. Und auch ich bin nicht gefeit, mich manchmal von Moralin leiten zu lasen und auch mal vorschnell zu urteilen.
Trotzdem meine ich, dass jedes Mal gut hingeguckt werden muss, um was es genau geht in der Sache! Und wem was nutzt …

Denn wie wollen wir zu wirklichen Veränderungen bei Stigma, Selbststigma, Kriminalisierung  kommen, wenn wir uns nicht klar positionieren? Indem wir selbst solches NICHT auf uns und andere anwenden?

Solidarität verlangt Empathie und vielleicht auch immer wieder gemeinsames Aushandeln von Zielen und Haltungen. Ob uns das fehlt?

Was heißt Solidarität für dich ganz praktisch, Solidarität unter und mit HIV-Positiven?

Das ist wahrscheinlich eine „never-ending-story“…
… trotzdem ein, zwei Antworten:

Solidarität heißt für mich, dass wir uns in öffentlichen Konflikten, zum Beispiel, nicht gegenseitig in den Rücken fallen. Sondern in der Sache zusammenstehen.
…Dass wir immer oder meist auch global Bezug nehmen zu den Themen.
….Dass innerhalb unserer eigenen Communities wir hellhörig sind bei internen Ausgrenzungen und Anfeindungen
…Dass Menschen mit HIV/AIDS keine Menschen 2. oder 3. Klasse sind, für niemanden.
…Dass unsere Serostatus niemandem das Recht gibt uns zu bewerten und einzuordnen.
…Dass die Community oder Communities nicht versucht, andere chronisch Kranke auszublenden, zu übertönen oder gar auszustechen und vice versa!
…Dass ich, wenn ich mich öffentlich äussere, a) immer versuche möglichst zu betonen,  nur ein Beispiel von vielen zu sein, und b) immer Bezug nehme auf ganz unterschiedliche Problemstellungen bzw. Lebenshintergründe und Auswirkungen der HIV-Infektion.

Und Solidarität heißt auch zu erleben, dass eine Bekannte mir diesen 1. Dezember 100.- CHF geschickt hat, einfach so, aus Solidarität und weil sie mein Engagement schätzt.
Oder dass eine andere Mutter mit HIV/AIDS extra nach Wien fährt an den Kongress um mich zu unterstützen und zu entlasten!

Liebe Michèle, danke für das Interview!

Marsch für Menschenrechte – Annie Lennox und Tausende Teilnehmer fordern mehr Einsatz für Menschenrechte (akt.2)

Mehrere Tausend Menschen, Wienerinnen und Wiener sowie Teilnehmer der XVIII. Welt-Aids-Konferenz beteiligten sich am 20. Juli 2010 an einem ‚Marsch für Menschenrechte‘.Gast-Star: Annie Lennox.

9.000, wie die Polizei schätzte? Oder 25.000, wie die Veranstalter angaben? Es waren viele, die sich am ‚Human Rights March‘ beteiligten, den International Aids Society, Aidshilfe Wien und Hosi sowie Lennox‘ SING-Campaign veranstalteten.

Der Marsch für Menschenrechte startete um 18:30 Uhr nahe der Universität und führte zum Heldenplatz. Dort mündete er in eine Kundgebung (21:15 Uhr) mit anschließendem Konzert, das Pop-Sängerin und Aids-Aktivistin Annie Lennox gab. Schon zuvor hatte sich Lennox auf der in Wien stattfindenden XVIII. Welt-Aids-Konferenz für eine weltweite Einhaltung der Menschenrechte eingesetzt. Die 55jährige Lennox war jüngst zur „UNAIDS-Botschafterin des guten Willens“ ernannt worden.

 

Homophobie tötet - Teilnehmer des Human Rights March (Foto: Carsten Schatz)
Homophobie tötet - Teilnehmer des Human Rights March (Foto: Carsten Schatz)

Im Mittelpunkt der Demonstration: Menschenrechte – Menschenrechte von Homosexuellen und Transgender, von Sexarbeiter/innen und Drogenkonsumenten, Gefängnisinsassen und Menschen, die Sterbebegleitung brauchen.

 

Der 'Marsch für Menschenrechte' (Human Rights March), vor dem Parlament (Foto: www.thinkoutsideyourbox.net)
Der 'Marsch für Menschenrechte' (Human Rights March), vor dem Parlament (Foto: www.thinkoutsideyourbox.net)

Universeller Zugang zu Medikamenten und Behandlung wird nie möglich sein, wenn nicht die Menschenrechte gewährleistet sind – immer und überall. Dies war eine der zentralen Botschaften des Marsches. Oftmals erhielten, so die Organisatoren, diejenigen, die am schlimmsten von HIV und Aids betroffen sind, die geringste Aufmerksamkeit der nationalen HIV-Politik.

Annie Lennox spricht über HIV/Aids und menschenrechte sowie den Wiener 'Marsch für Menschenrechte' (Screenshot)
Annie Lennox spricht über HIV/Aids und menschenrechte sowie den Wiener 'Marsch für Menschenrechte' (Screenshot)

In vielen Staaten müssten Aids-Aktivisten ihr Leben riskieren, um von ihren Regierungen einen besseren Zugang zu HIV-Services sowie Test und Therapie zu fordern.

Teilnehmer des Human Rights March (Foto: Carsten Schatz)
Teilnehmer des Human Rights March (Foto: Carsten Schatz)

Aids sei eine einzigartige Herausforderung, und erfordere ungewöhnliche Maßnahmen, betonten die Organisatoren. Der Schutz der Menschenrechte sei der beste Schutz für die Öffentliche Gesundheit, so Lennox. Doch trotz vieler Worte in Sachen Menschenrechten würde immer noch engagiertes aktives handeln fehlen.

Human Rights March - Abschluss-Konzert Annie Lennox auf dem Heldenplatz (Foto: www.thinkoutsideyourbox.net)
Human Rights March - Abschluss-Konzert Annie Lennox auf dem Heldenplatz (Foto: www.thinkoutsideyourbox.net)

Bereits im Vorfeld des Marsches hatte Annie Lennox die österreichische Regierung aufgefordert, ihrer moralischen Verpflichtung nachzukommen und Geld für den Globalen Fonds zur Verfügung zu stellen. Kurt Krickler, Hosi Wien, ergänzte „Es ist peinlich für das Gastgeberland, so wenig zum Kampf gegen HIV und Aids beizutragen.“ Erst eine einzige Million Euro habe Österreich an den Globalen Fonds gezahlt, im jahr 2002, ergänzt Lennox.
Der österreichische Gesundheitsminister Stöger (der vor den überwiegend internationalen Teilnehmern im Gegensatz zu anderen Redner/innen auf deutsch sprach) erhielt bei seiner Rede Pfiffe und Buhrufe.

Danke an www.thinkoutsideyourbox.net und Carsten Schatz für jeweils 2 Fotos!

weitere Informationen:
10 Gründe, warum Menschenrechte im Zentrum des globalen Kampfes gegen Aids stehen sollten (pdf)
YouTube: Annie Lennox Talks About Human Rights and HIV/AIDS Rally
humanrightsnow.org 20.07.2010: Annie Lennox, AIDS Leaders to Call for Enforcement of Human Rights in Fight Against HIV
AIDS2010 20.07.2010: Human Rights Protections Essential in Drive for Universal Access (pdf)
DAH 20.07.2010: 20. Juli: Menschenrechtsmarsch in Wien mit Sängerin Annie Lennox
Vienna online 20.07.2010: AIDS- Konferenz: Mehr Beitrag Österreichs gefordert
POZ 20.07.2010: HIV March in Vienna Links Science and Human Rights
think outside your box 21.07.2010: Fotos vom Menschenrechtsmarsch am 20.7. in Wien
DAH-Blog 21.07.2010: Bock bloggt Teil 3 | Human Rights Now!
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UNAIDS: die Menschenrechte der von HIV Betroffenen achten!

UNAIDS fordert alle Staaten auf, die Menschenrechte der von HIV am stärksten betroffenen Gruppen zu achten.

Eine Kriminalisierung einvernehmlichen sexuellen Verhaltens zwischen Erwachsenen stelle eine ernsthafte Gefahr für die Aids-Bekämpfung dar. Dies betonte die Aids-Organisation der Vereinten Nationen UNAIDS aus Anlass des Menschenrechts-Tags am 10. Dezember.

UNAIDS forderte alle Staaten auf, Gesetze aufzuheben und Politiken einzustellen, die es Menschen erschweren, Zugang zu HIV-Dienstleistungen zu erhalten. Zudem forderte UNAIDS zu Gesetzen auf, die Menschen, die mit HIV leben oder von HIV betroffen sind, vor Diskriminierungen schützen.

UNAIDS kritisierte Uganda wegen seines Gesetzentwurfs, mit dem Uganda Homosexuelle und HIV-Positive mit lebenslanger Haft oder Todesstrafe bedroht werden. Dies sei ein schwerwiegender Rückschlag für die HIV-Prävention.

Michel Sidibé, Generaldirekltor UNAIDS
Michel Sidibé, Generaldirekltor UNAIDS

Die Kriminalisierung der Homosexualität sei ein Angriff auf den gesamten Kampf gegen Aids, betonte UNAIDS-Generaldirektor Michel Sidibé. Sie verletze Menschenrechte und die Grundlage nicht nur der Arbeit von UNAIDS, sondern der gesamten vereinten Nationen.

weitere Informationen:
UNAIDS 10.12.2009: UNAIDS urges all countries to respect the human rights of people most affected by HIV (pdf)
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Wenn Würde nicht gleich Würde ist – ein Spagat

„Wenn Würde nicht gleich Würde ist – ein Spagat“ – unter diesem Titel hielt Michèle Meyer, Präsidentin von LHIVE, der Organisation von Menschen mit HIV und Aids in der Schweiz, am 1. Dezember eine Rede auf der  zentralen Welt-Aids-Tags – Veranstaltung der Frankfurter Aids-Hilfe in der Paulkskirche. Die Veranstaltung fand dieses Jahr statt unter dem Motto „Die Würde ist angetastet“.
Im Folgenden die Rede von Michèle Meyer als Dokumentation:

Wenn Würde nicht gleich Würde ist – ein Spagat.

Die Würde des Menschen ist angetastet.
Wochenlang bin mit dem Titel dieser Veranstaltung schwanger gegangen. Was ist Würde? Wie fühlt sie sich an? Wo ist sie? Wer hat das Wort  erfunden und warum tu ich mich so schwer damit?
Über die Aufklärung führte mein Weg ins alte Rom zu Cicero.
Ich kann nicht viel anfangen mit bedingungsloser Menschenwürde, die doch dauernd mit Füssen getreten wird. Auch wenn sie in den Menschenrechten und in der Verfassung hochgehalten wird, stolpere ich immer wieder über die Lässigkeit mit der sie mir und uns abgesprochen wird.
Ich bin überzeugt, dass wir heute viel näher an Ciceros Würdebegriffen leben, als wir uns eingestehen.
Würde bekommt man und Würde wird einem genommen. Das heisst: ich muss sie mir verdienen und ich muss etwas tun, um sie nicht zu verlieren. Nur: ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht, denn ich bin nicht im Besitz von Würde, sie wird mir nur verliehen und einfordern ist tabu.

Seit ein gewisser Sigmund Ehrmann, SPD Abgeordneter und unter anderem  Mitglied der Kreissynode des evangelischen Kirchenkreises Moers, mich  resp. uns Menschen mit HIV/ AIDS als Biowaffe bezeichnet hat, bin ich gar nicht mehr sicher, dass das alles in meiner Hand liegt.
Welche Würde hat eigentlich eine Biowaffe?

Ich bin also eine Biowaffe. Vielleicht stimmt es ja und ich tue auch bloss so als wäre ich Mensch. Immerhin kommt der Verdacht öfters auf nicht mehr ganz Mensch zu sein. Sondern bloss HIV-positiv. Reduziert darauf ein Virenträger zu sein. Oder wieder mit Cicero: der Gesellschaft  nicht dienlich genug zu sein, um überhaupt Würde zu verdienen.
Heute  stellt Gesundheit ein mechanisches Problem dar und Funktion  ist das Ziel, nicht Würde.

„Wie haben sie sich angesteckt“ fragt die Schulleiterin und in ihrem Tonfall lauert vulgäre Neugier und die Lust mich zu entwerten. Sag ich jetzt: „Ich hatte Sex, mehr als genug und ich hab’s genossen.“ wird sie vielleicht erröten, sich jedoch bestätigt fühlen: „Die Frau ist ein Flittchen, wusst’ ich’s doch!“. Sag ich: “Mein erster Mann ist an den Folgen von AIDS verstorben“, dann stockt ihr wohl kurz der Atem und sie müsste schon sehr dreist sein, um weiterzufragen. Das wäre dann unter ihrer Würde. Wahrscheinlich.

Welchen Platz in der Gesellschaft haben wir denn, in Zeiten in denen Recht auf Gesundheit in aller Munde ist, aber Recht auf Krankheit als Polemik abgetan wird?
Wenn Verantwortung, die Schuldfrage meint, glaube ich nicht an Würde.. New Public Health ist das Ziel. Und ich bin ein Corpus delicti. *
Und kriminell. Noch immer mache ich mich strafbar, für etwas was de facto nicht möglich ist.

Ein Exempel statuieren. Immer wieder. Nadja Benaissa kam da gerade recht, krank sein und dann auch noch erfolgreich sein wollen? Ein gefallener Engel fällt tiefer. Amt und Würden. Wo denn? Eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit, nichts anderes, sei sie… schmutzig, schuldig, verrucht.
Andere mit Schmutz zu bewerfen und zu entwürdigen, damit sind wir manchmal verdammt schnell.

Wer Schuld und Scheitern verkörpert, hat in unserer Gesellschaft längst ausgespielt. Und alle spielen mit. Auch ich. Auch ich habe Moral und Werte verinnerlicht wie alle anderen. Und Selbstentwertung macht mich dann doch wieder interessant. Zumindest als Klientin von Sozialarbeitern, Psychologen und Fürsorgern. Eine ganz Maschinerie lebt gut davon!
Ich könnte mich fügen und eventuell doch noch so was wie Würde erlangen, zumindest Mitleid und Möglichkeiten der Rehabilitation. Eigentlich ist es ganz einfach:
„Gib dein Gesicht für Prävention, als abschreckendes Beispiel, opfere dich selbst und du hast wieder einen Platz mit etwas Würde unter uns Menschen. Hilf der Gesellschaft, schütze sie vor dir und Deinesgleichen“; „ Verstecke dich, aber zeige dein Stigma, das fördert die Spendengelder“… und als Zückerchen gibt’s das volle Programm: Sonderstellung und x- Möglichkeiten sie für mich zu nutzen, Sekundärer Krankheitsgewinn, zum Beispiel jede Menge Mitleid.
Ich kann verzichten auf diese Ersatzwürde. Sie ist an Konditionen gebunden, die mir nicht schmecken. Ich muss mich nämlich reduzieren lassen, verschämt, reuig, unauffällig und vorbildlich der Gesellschaft zu dienen, die mir die Würde trotzdem abspricht. Die an Bilder festhält, die längst überholt sind, falls sie je gegolten haben. Die Sündenböcke braucht um sich Selbst zu rechtfertigen in ihrem Zwang nach Normierung, ihrer Verkrüppelung zur funktionierenden Maschine, die Geld, Erfolg und Unsterblichkeit ausspuckt.

Und solange ich  – in der Schweiz- selbst in der Aids-Arbeit nicht gewürdigt werde, kann ich auch verzichten auf Kommissionssitzungen, Subventionen und meine Stellung als Quoten-Positive. Ich gehöre ja nicht mal einer Hochprävalenz-Gruppe an, wen will ich denn vertreten, heisst es immer wieder.

Zudem: „Wer nicht Kondome und Therapietreue predigt, hat nichts zu sagen.“ Was mir natürlich schwerfällt und wohl auch nicht im Sinne des Erfinders von Selbsthilfe wäre… aber wen interessiert Freiheit und Würde des Einzelnen, wenn Machbarkeit nach Gleichschritt verlangt?

Ganz anders schwer drückt manchmal die Würde, wenn nach wiederholter Medienpräsenz, das Telefon klingelt. Wenn Menschen mit HIV und AIDS sich darüber beklagen, dass ich zu gesund aussehe, dass ich zu wenig das Leiden betone und selbstbewusst Forderungen stelle; Wenn mir meine Integration vorgeworfen wird.
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Die Würde des Menschen ist angetastet.

Wie komme ich eigentlich dazu, trotzdem an Würde festzuhalten?
Habe ich  eine die mir gehört und wenn ja, wie viel Fremdbewertung erträgt  sie, meine eigene Würde? Wie viel Demütigung und Reduktion? Kann ich sie behüten, vor Diebstahl sichern und kann ich sie davon abhalten, sich Selbst zu vergessen?  Wie kann ich sie wahren, wenn ein gelber Punkt die Türe zu meinem Spitalzimmer ziert und vom Chefarzt bis zur Zugehfrau alle vorgewarnt sind. Wie, wenn ich kurz nach der Geburt meiner Tochter, die Sozialarbeiterin am Wochenbett stehen habe, die unauffällig meine Mutterqualitäten zu prüfen versucht? Wie, wenn ich von meinen Nächsten zielsicher und zutiefst verletzt werde, fremdgeoutet und ohne recht auf Abgrenzung. Wenn alle Konflikte dahin gelenkt werden, dass ich HIV-positiv bin. Da sind die Andern fein raus und ich stehe am Pranger. Würdelos.
Wie kann ich die Würde leben lassen, wenn ich selbst denke mein Mann sei deshalb etwas besonderes, weil er sich mit einer Positiven eingelassen hat?

Nur: was wissen die Andern denn von meiner Würde? Und was weiss ich selbst? Woher kommt diese Zielsicherheit, diese Überzeugung, ich hätte sie selber verspielt? Durch kondomlosen Sex?  Oder eher durch das Ver-fehlen.
Dieses ausserhalb-sein, diese Entwürdigung  ermöglicht Narrenfreiheit, manchmal. Was hat Abschaum noch zu verlieren?
Ich brauche mich auch nicht mehr zu tarnen oder so zu tun als gehöre ich wieder zu den Guten, den Reuigen.
Was mich rettet ist Widerstand. Widerstand gegen Fremdbewertung, übergestülpte Hilfe und Kontrolle bis ins Schlafzimmer.

Ich muss stinkfrech den Bildern trotzen, manchmal leise, manchmal laut.
Die passenden Schubladen gibt’s nicht: ich bin integriert, ich bin aussortiert, ich habe keine Würde, ich nehm sie mir.

Dieses Borstige, Widerspenstige rettet mich. Und frei nach dem Lehrbuch gibt’s Empowerment nie ohne Eigenwilligkeit. Wem sag ich das?
Und darum bin ich gefährlich, Ich verführe dazu Fehler zu machen.
Manche behaupten, ganz im Schutz der Meinungsfreiheit, ich sei ein Massenmörder. Irre, hinterhältig und brandgefährlich. Ganze Völker könnten mir folgen.

Dieses inszenierte Entwerten tut weh, macht wütend, aber viel treffender und schmerzlicher ist die Ohnmacht, das Gefühl eine Gesetzlose zu sein und der Schmerz nicht genug bewegen zu können, obwohl die Welt in meinem Kopf Würde verlangt **
( unter uns: mutig war diese Kampagne von Regenbogen e.v. nicht. Weltbank ( dieser Gedanke gehört dem Dirk) , Politiker, Profit&Geiz, Ignoranz sind Massenmörder…
Oder: welche Menschenwürde meinen wir, wenn wir nicht teilen was wir haben? Wieviel sind denn Menschen in Afrika, Asien und Osteuropa wert?
Wieviel Würde ist noch spürbar und wieviel Scham, wenn mir die Pillen im Hals stecken bleiben, angesichts meiner Brüder und Schwestern weltweit…da macht Compliance Spass.

Und allem Unsichtbar raten auf den Aids-Hilfen zum Trotz: ich steh dazu, ich bin ich und meinen HIV-Status gibt’s nicht gesondert davon.  Mir muss nicht geholfen werden zum Preis der Fremdbestimmung.
Auch wenn es anstrengend ist, sichtbar, fassbar zu sein; aber wer sagt denn das Anpassen nicht anstrengend wäre.
Dauernde Selbstentwertung macht krank, alt und an Lebensqualität bleibt da nicht mehr viel übrig. Von Würde ganz zu schweigen.

Manchmal überrascht mich das Leben. Zum Beispiel im Dorf wo ich lebe, dort hat Zivilcourage einen hohen Stellenwert und ich habe unverhofft wieder Würde.
Vor wenigen Tagen kam eine Nachbarin auf mich zu. Meine Töchter waren mit anderen Kindern bei ihr zum Essen und spielen eingeladen gewesen. Sie berichtete mir lachend, dass Sofia, die ältere der beiden, bei der Gelegenheit Aufklärungsarbeit geleistet hätte. Sie lachte herzlich zwischen den Sätzen und erzählte wortgetreu, was meine Tochter zu sagen wusste:“ „Mama ist oft im Fernsehen, weil sie ein Virus hat. Aber sie schämt sich nicht, nicht so wie andere, darum wird sie gefilmt. Und wisst Ihr wie man das Virus bekommen kann? Beim „Schätzele“, aber mein papa kann sich nicht anstecken, Mamas nimmt Medikamente.“
Die Selbstverständlichkeit dieser Rückmeldung hat mich sehr berührt.

Nein, ich schäme mich nicht und draussen in der Welt, kann ich notfalls den einen Trick immer anwenden: ich ziehe mir meine Clownnase an, immer dann wenn sich die innere Würde zu vergessen droht, wenn sie meint der anderen, längst verlorenen oder nie erreichten Würde nachrennen zu müssen.
Nicht zufällig habe ich nach jahrelangen vergeblichen Versuchen, wieder auf den Arbeitsmarkt zu kommen, mich entschieden Clown zu werden.

Der Clown lebt vom Spiel mit den Tücken, er verkörpert die Kunst des Scheiterns und ist zutiefst menschlich: er macht Fehler. Und Fehler. Er  spielt und kümmert sich nicht um Normierungen. Er hält dem Mensch den Spiegel hin und wird dafür liebevoll mit Applaus und einem ehrlichen Lachen gewürdigt.
Dann schlage ich selbst dem alten Römer Cicero einen Haken… und lächle in mich hinein – in Würde.

Und gemeinsam können wir was bewegen, wenn JedeR einzelne für seine Würde aufsteht.
Michèle Meyer 1.12.2009

*das Buch gehört Julie Zeh
** der Satz gehört Barbara Starret
*** der Gedanke gehört Dirk

Die Würde ist angetastst (Plakat der Veranstaltung in der Frankfurter Paulskirche am 1.12.2009)
Die Würde ist angetastet (Plakat der Veranstaltung in der Frankfurter Paulskirche am 1.12.2009)

Dank an Michèle und Michael (AH Frankfurt) für den Genehmigung !

Menschenrechte – auch für HIV-Infizierte in Ägypten

10. Dezember – 60 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Ein Termin, den MerSI (die Amnesty-Gruppe Menschenrechte und sexuelle Identität) zum Anlass nahm, um vor dem Brandenburger Tor auf die Verletzung von Menschenrechten HIV-Positiver in Ägypten aufmerksam zu machen.

Mit einer Rote-Schleife-Aktion (die sich an die vorangegangene Aktion unter dem Motto „Lichter für die Menschenrechte“ anschloss) sollte die aktuelle Verfolgung und Verhaftung von Menschen mit HIV und Aids in Ägypten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden.

Amnesty international beobachtet seit Oktober 2007 in Ägypten eine Serie von Verhaftungen von Personen, die HIV-infiziert sind oder verdächtigt werden, dies zu sein. 12 Männer wurden in diesem Jahr vor Gericht gestellt, neun davon zu ein bis drei Jahren Gefängnis wegen “gewohnheitsmäßiger Unzucht” verurteilt, die anderen drei freigesprochen; die neun Männer befinden sich seitdem in Haft, die Urteile wurden in zweiter Instanz bekräftigt.

Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die UN-Generalversammlung die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Ihr Artikel 1 lautet „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Artikel 3 besagt “ Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“
In Europa gilt zudem seit 1950 die ‚Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten‘ des Europarats.
Seit Unterzeichnung 1948 wird der 10. Dezember als Tag der Menschenrechte begangen.

Die Aktion von MerSI / Amnesty für HIV-Infizierte in Ägypten kann unterstützt werden – z.B. mit einer Protest-Karte an den Ägyptischen Botschafter in Berlin (Karte als pdf zum Download hier).

speak out against hate speech!

Sacharow-Preis für Aids-Aktivisten Hu Jia

Das Europäische Parlament hat den chinesischen Menschenrechts- und Aids-Aktivisten Hu Jia mit dem Sacharow-Preis ausgezeichnet.

Der Sacharow-Preis für geistige Freiheit wird 2008 an den chinesischen Menschenrechtler Hu Jia verliehen. Die teilte das Europäische Parlament heute mit.
Die Preisverleihung wird im Dezember erfolgen, Hu Jia wird hierzu eingeladen. Es ist zu befürchten, dass die chinesischen Behörden Hu Jia die Ausreise zur Preisverleihung nicht gestatten.

Das Europäische Parlament betonte in einer Pressemitteilung: „Hu Jia ist ein prominenter Menschenrechtler und Dissident, der sich in der Volksrepublik China für eine Vielzahl von Themen einsetzt – insbesondere dem Umweltschutz, dem Engagement für von HIV/AIDS betroffenen Menschen und der Forderung nach einer offiziellen Untersuchung des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Jahr 1989 hat sich Hu Jia verschrieben. Zudem engagierte er sich als einer der Koordinatoren der „ barfüßigen Anwälte“.“

Hans-Gert Pöttering, 23. Präsident des Europaparlaments (Foto: EP)
Hans-Gert Pöttering, 23. Präsident des Europaparlaments (Foto: EP)

Hans-Gert Pöttering, 23. Präsident des Europaparlaments, betonte „Mit der Verleihung des Sacharow-Preises an Hu Jia anerkennt das Europäische Parlament mit Nachdruck und Entschlossenheit den täglichen Kampf für Freiheit aller Verteidiger der Menschenrechte in China.“

Der 35jährige Aktivist wurde im Dezember 2007 verhaftet, nachdem er in einer Telekonferenz mit Europa-Abgeordneten über die Menschenrechts-Situation in China berichtet hatte. Er wurde nach Monaten des Hausarrestes (Video) am 3. April 2008 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Angaben seiner Frau (siehe unten) zufolge erhält er derzeit im Gefängnis keine medizinische Versorgung. Hu Jia leidet an einer chronischen Hepatitis B und schweren Leberschäden (Leberzirrhose).

Hu Jia hat sich immer wieder auch für Aids-Prävention sowie die Menschenrechte von HIV- und Hepatitis-Infizierten eingesetzt. Dies hatte ihn immer wieder in Konflikt mit den chinesischen Behörden gebracht. Bekannt als Aids-Aktivist wurde Hu Jia im Westen vor allem durch seinen Einsatz für die HIV-Infizierten des Blut-Skandals in der chinesischen Provinz Henan.

Die chinesische Regierung, die Hu Jia als ‚Kriminellen‘ bezeichnet, hatte vorher massiven Druck auf das Europa-Parlament ausgeübt und für den Fall einer Preisverleihung mit der Verschlechterung der Beziehungen gedroht.

Der Sacharow-Preis wird jährlich verliehen. Er ist mit 50.000 Euro dotiert.

weitere Informationen:
Hu Jia hat bis zu seiner Festnahme auch gebloggt. Original in chinesisch hier, maschinelle Übersetzung auf englisch hier.
Hus Ehefrau Zeng Jinyan bloggt auch weiterhin, auch darüber, wie es Hu Jia ergeht. Zeng Jinyans Blog auf chinesisch hier, maschinelle Übersetzung in englisch hier.

Das Auswärtige Amt, Menschenrechte und die sexuelle Orientierung

Die Menschenrechtspolitik der Bundesregierung, gerade auch zum Thema „Menschenrechte und sexuelle Orientierung“, könnte aktiver sein, wie TheGayDissenter anlässlich der Antwort des Auswärtigen Amts auf einen gemeinsamen Brief berichtet.

Viel aktiver ist hier das Britische Außenministerium mit seinem beispielhaften ‚LGBT Toolkit‘: „Das Britische Außenministerium erklärte, die Regierung Ihrer Majestät fühle sich verpflichtet, sich mit ausländischen Regierungen über die Rechte von schwulen Menschen auseinander zu setzen.“ (TheGayDissenter)

Besonders irritierend an der Antwort des Auswärtigen Amtes ist die Äußerung, der Bundesregierung seine „in den vergangenen Jahren keine Fälle bekannt geworden, in denen eine Hinrichtung aufgrund sexueller Orientierung erfolgte.“
Haben sie entsprechende Berichte nicht erhalten? Dem könnte man abhelfen …

Wer konkret handeln will: aktuell benötigen gerade Ali und Mohammad, ein schwules Paar aus dem Iran, das nach Indien geflüchtet ist, Unterstützung. Informationen und Muster-Email [helfen kann so einfach sein ;-)] hier: Iran/Indien/Kanada: Ali und Mohammad brauchen Hilfe! Mach mit!

Olympia in China – ohne mich

In China sollen in diesem Sommer Olympische Spiele stattfinden.

In China werden Menschenrechte mit Füßen getreten.
In China werden Internet-Dissidenten verfolgt.
In China werden Aids-Aktivisten inhaftiert.

China hatte 2001 in Moskau zugesagt, die Olympischen Spiele würden zu einer Verbesserung der Menschenrechts-Situation führen.

“By entrusting the holding of the Olympic Games to Beijing, you will contribute to the development of human rights.”

Verbessert hat sich nichts.
Im Gegenteil, Inhaftierungen, Zensur, Unterdrückung bestehen fort, und in Tibet wird verfolgt, geschlagen, gemordet …
Und wie geht’s erst weiter nach den Olympischen Spielen? Wenn der Blick der Öffentlichkeit wieder anderswo hin weiterwandert?

Olympia in China – ohne mich!

„Menschenrechte stören nur …“, kommentiert TheGayDissenter, und maha macht sich „some thoughts on this year’s Olympic Games“ – und kommt zu dem Schluss „I’m fed up!“

China: the world’s biggest prison for journalists and cyber-dissidents

(c) Grafik: www.rsf.org / www.reporter-ohne-grenzen.de

Menschenrecht Gesundheit für Lesben und Schwule (akt.)

Die International Lesbian and Gay Association ILGA widmet sich in einem neuen Angebot dem Thema der Gesundheit in Bezug auf Sexualität und Reproduktion. Im Mittelpunkt stehen die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender).

Dazu hat die ILGA ein Internetangebot verbunden mit einer Broschüre herausgebracht. Nach einer Einführung werden zunächst die wesentlichsten rechtlichen Grundlagen dargestellt, bevor im dritten Kapitel detailliert auf einzelne Themen und Problemfelder (von Jugend über Sex-Arbeiter bis Migration) eingegangen wird. Hier werden auch besondere Situationen und Probleme mit LGBT-Rechten in acht Staaten (von Armenien bis zur Ukraine) behandelt; zudem werden auch HIV und Aids detailliert behandelt.

Insgesamt strebt die ILGA hiermit eine Art Referenzwerk an, das dazu beitragen soll, die sexuelle und Reproduktions-Gesundheit von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender insbesondere in den acht angesprochenen Staaten (Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kirgisistan, Kasachstan, Moldawien und Ukraine) zu verbessern. Das Dokument ist jedoch so konzipiert, dass weite Teile allgemein gültig sind und auch international angewendet werden können.

Die einzelnen Kapitel stehen jeweils als pdf zum Download zur Verfügung.

Das insgesamt über 180 Seiten starke Dokument wurde von der ILGA Europa in Zusammenarbeit mit dem COC Niederlande herausgegeben und teilweise von der niederländischen Regierung ko-finanziert.

International Human Rights References to Sexual and Reproductive Health and Rights (regarding LGBT populations and HIV/AIDS and STIs), Dezember 2007

Nachtrag 6.12.: eine interessante Publikation des Open Society Institute (soros.org) mit dem Titel „Human Rights and HIV/AIDS: Now more than ever – 10 reasons why human rights should occupy the center of the global aids struggle“

Europäischer Tag gegen die Todesstrafe

Heute ist „Europäischer Tag gegen die Todesstrafe“.

Erst jüngst hat der Europarat den 10. Oktober zu diesem Tag ausgerufen. Die EU überlegt eine Deklaration zur weltweiten Abschaffung der Todesstrafe zu verabschieden.
Einzig ein EU-Mitgliedsstaat hat sich gegen den
„Europäischen Tag gegen die Todesstrafe“ ausgesprochen – Polen.

In Polen fordern manche Politiker (auch aus Regierungsparteien) immer noch die Wiedereinführung der Todesstrafe und stellen sich damit eindeutig gegen europäische Werte.

Bei der Nominierung des 10.10. als „Europäischem Tag gegen die Todesstrafe“ legte die polnische Regierung als einzige ein Veto ein. Statt dessen, so Regierungsvertreter Polens, solle ein „Tag zum Schutz des Lebens“ ausgerufen werden. Damit wollte die polnische Regierung die Möglichkeit erhalten, auch gegen Abtreibungen zu demonstrieren.

Da der Europarat mit Mehrheit entscheidet, konnte das Veto der polnischen Regierung überstimmt werden. Einen entsprechenden Beschluss der EU konnte die polnische Regierung hingegen bisher mit ihrem Veto verhindern.