Großbritannien: Positive bewerten und empfehlen Ärzte

HIV-Positive berichten anderen HIV-Positiven über ihre Erfahrungen mit Ärzten – und empfehlen HIV-Behandler. Dies ermöglicht eine neue Initiative – in Großbritannien.

Erstmals haben HIV-Positive in Großbritannien die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit Ärzten zu dokumentieren, diese zu bewerten und anderen Positiven HIV-Behandler zu empfehlen. Eine entsprechende Initiative wurde von der britische Aids-Organisation Terrence Higgins Trust (THT) in Zusammenarbeit mit der Organisation ‚My Aids‘ ‚IWantGreatCare’auf dem britischen Internetportal „My HIV“ [nicht zu verwechseln mit der US-amerikanischen Site ‚My HIV, My Aids‘] gestartet.

HIV-Positive, die sich über die Site ‚My HIV‚ (die vom Terrence Higgins Trust betrieben wird) anmelden, können auf ‚IWantGreatCare‘ vertraulich über ihre Erfahrungen mit Ärzten berichten und diese bewerten. Diese detaillierten, zusammengestellten Informationen können dann von anderen HIV-Positiven, die einen Arzt suchen, eingesehen und bei ihrer Entscheidung über eine Arzt-Wahl berücksichtigt werden. Die Bewertung der Behandler erfolgt anhand eines Fragen-Katalos (z.B. ob er / sie dem Arzt vertraut, ob der Arzt / die Ärztin zuhört bzw. ihm / ihr ausreichend Aufmerksamkeit gewidmet hat oder ob er / sie diesen Arzt empfehlen würde). Grundidee: Positive helfen Positiven – auch bei der Arzt-Wahl.

Vertreter des Terrence Higgins Trusts betonten, HIV-Positive würden auch heute noch beim Arzt oftmals stigmatiserende oder diskriminierende Erfahrungen machen, oder machten sich hierüber Sorgen. Man wolle mit dem neuen Portal HIV-Positiven eine Möglichkeit bieten, Ärzte zu finden, die sich sensibel mit ihrer Situation auseinander setzen, und auf gute HIV-Behandler mit hohem Qualitätsstandard hinweisen.

Die britische unabhängige Organisation ‚IWantGreatCare‘ ermöglicht Patienten, zu verschiedensten Erkrankungen ihre individuellen Erfahrungen mit Ärzten zu berichten und diese zu bewerten. Die Organisation beschreibt ihr allgemeines Anliegen so:

„Experiences and views of patients and their carers show that there is a huge range in quality of care received – not only in clinical outcomes, but in the actual experience of receiving care. iWantGreatCare empowers a doctor’s patients, patients‘ carers and relatives and colleagues rate them using objective criteria derived from the evidence base for patient satisfaction. Everything added to the site is seen and used by doctors and organisations to help them improve the service they provide.“

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Immer wieder hört man/frau Fragen wie „Zu welchem, Arzt kann ich denn gehen?“ oder „Hast du einen Tipp für eine gute … ?“. Wichtiger beinahe noch, auch schlechte Erfahrungen mit Ärzten sind immer wieder zu hören, sei es Erfahrungen von Stigmatisierung oder Diskriminierung, Behandlungs-Probleme oder  gar -Verweigerungen (wie sie z.B. von Zahnärzten oder aus der Chirurgie immer wieder berichtet werden).

Erfahrungen mit Ärzten zu sammeln, und diese strukturiert zugänglich zu machen, auf dass andere HIV-Positive ihre Arzt-Wahl informiert und auf breiterer Basis treffen können – das wünschen sich vermutlich auch viele HIV-Positive in Deutschland.

Auch wenn Erfahrungen anderer Patientinnen und Patienten nicht das einzige Kriterium einer Arzt-Wahl sein sollten (sondern z.B. Faktioren wie Kompetenz, Behandlungserfahrung), die britische Initiative zur Bewertung und Empfehlung von HIV-Behandlern durch HIV-Positive ist ein spannendes Experiment …

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weitere Informationen:
Terrence Higgins Trust 12.03.2012: Terrence Higgins Trust and iWantGreatCare launch UK’s first ever healthcare recommendation service for people with HIV
Pinknews 12.03.2012: THT’s myHIV site to let users find and recommend best HIV services
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Kanada: Ärztin vor Gericht

In Kanada wurde Anklage erhoben gegen eine Ärztin, der vorgeworfen wird, Patienten dem Risiko einer Infektion mit HIV, Hepatitis B oder Hepatitis C ausgesetzt zu haben.

Hat eine Ärztin im kanadischen Ottawa durch unreine Geräte ihre Patientinnen und Patienten einem Risiko einer Infektion mit Hepatitis oder HIV ausgesetzt? Mit dieser Frage wird sich ein gericht beschäftigen. Zwei Patienten klagen gegen die Ärztin. Sie fordern Schmerzensgeld und Schadenerstaz in Höhe von 20 Millionen $.

Die Gesundheitsbehörden von Ottawa hatten Mitte Oktober 2011 Warnbriefe an 6.800 Bürgerinnen und Bürger der Stadt gesandt, die zwischen April 2002 und Juni 2011 bei der Gastroenterologin (Fachärztin für den magen-Darm-Trakt) zu Untersuchungen waren. Nach einer Behandlung durch die Ärztin in deren privaten Klinik seien sie möglicherweise Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV ausgesetzt gewesen.Das Infektionsrisiko sei allerdings „sehr niedrig“. Hinweise auf eine konkrete Erkrankung durch die Suituation gebe es bisher nicht, so der Leiter der Gesundheitsbehörden. Man wolle aber sicherstellen, dass alle Betroffenen sich des Risikos bewusst seien.

Eine Untersuchung im Mai 2011 hatte ergeben, dass über einen Zeitraum von neun Jahren sowohl bei von ihr durchgeführten Gastroskopien (Magenspiegelungen) als auch Koloskopien (Darmspiegelungen) die Anweisungen fachgerechter Reinigung der Geräte „nicht immer befolgt“ worden seien.

Die Vorwürfe wurden biser nicht vom gericht überprüft. Die Ärztin hat bis Anfang Dezember Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

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weitere Informationen:
CBC News 15.10.2011: Ottawa says 6,800 exposed to infection risk
National Post 16.10.2011: Thousands put at hepatitis, HIV risk by Ottawa clinic: officials
CBC News 17.10.2011: Ottawa private clinic behind hepatitis, HIV scare
the star 03.11.2011: Lawsuit targets Ottawa doctor over HIV, hepatitis scare
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Kurz notiert … Oktober 2011 / 2

28. Oktrober 2011: Die Pharmakonzerne BMS und Gilead haben angekündigt, an einer mit Gileads Cobicistat geboosteten Version des BMS- Proteasehemmers Atazanavir zu arbeiten. Dies würde ein Boosten mit Ritonavir nicht mehr erforderlich machen.

26. Oktober 2011: Bedenken, eine antiretrovirale Therapie gegen HIV sie bei Viren, die einem anderen Subtypen als B angehören, weniger wirksam, sind unbegründet, zeigt eine Schweizer Studie.

In Ohio (USA) wurde bei einem HIV-positiven Mann Mycobacterium Leprae diagnostitziert, der Lepra auslösende Erreger.

Weniger als die Hälfte der französischen HIV-Positiven hat einen Arbeitsplatz, berichtet Tetu über eine Umfrage von Aids.

25. Oktober 2011: HIV-positiv zu sein bedeutet auch für Chirurgen nicht das Karriere-Ende.

20. Oktober 2011: Der Globale Fonds hat Zahlungen an Mali wegen Zweckentfremdung gestoppt.

19. Oktober 2011: Dass „Fisch Pediküre“ („Knabberfische„) zu einer Übertragung von HIV oder Hepatitis C führt, ist sehr unwahrscheinlich, sagt HPA.

Die Europäischen HIV-Therapie-Richtlinien wurden aktualisiert.

18. Oktober 2011: In den USA wurde ein 24-jähriger schwuler Mann wegen HIV-Übertragung verurteilt, obwohl er seinen Partner vorher über seine HIV-Infektion informiert hatte. Dies sei unerheblich, er habe keine Kondome benutzt.

London: ein evangelikaler Prediger empfiehlt, die Medikamente nicht weiter einzunehmen – die Folge: drei Tote an Aids, laut Bericht der BBC

17. Oktober 2011: In Basel wurde eine ACT UP Gruppe neu gegründet, um gegen den Pharmakonzern Novartis zu protestieren. Novartis klagt gegen Indien und indische Generika-Hersteller.

15. Oktober 2011: „Gare à tes fesses“ (etwa: Pass auf deinen Arsch auf), unter diesem Titel hat die Gruppe ‚Chrysalide‘ aus Lyon eine Gesundheits-Broschüre für Trans* herausgegeben.

Der ‚Osservatore‘ (die ‚offizielle‘ Vatikan-Zeitung) kritisiert die UNO für ihre Aids-Prävention.

Bundesgesundheitsminister: Diskriminierung HIV-Positiver durch Ärzte „erschreckend“

Bundesgesundheitsminster Bahr hat Ärzte in Deutschland für den diskriminierenden Umgang mit HIV-Positiven gerügt. Dies sei erschreckend.

„Es ist erschreckend, dass Berufsgruppen, die eigentlich eine entsprechende Ausbildung haben müssten, ein solches Verhalten an den Tag legen.“ Mit diesen Worten wandte sich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr an Ärzte und Zahnärzte und kritisierte ihren Umgang mit HIV-Positiven. Bahr sprach anläßlich der Vorstellung der Welt-Aids-Tags-Kampagne 2011 in Berlin. Er kündigte an, die Frage der Ausgrenzung HIV-Positiver mit den zuständigen Berufsverbänden anzusprechen.

Daniel Bahr MdB / Frank Ossenbrink
Daniel Bahr MdB / Frank Ossenbrink

Bahr betonte, ein „offener und diskrimi­nierungs­freier Umgang“ mit HIV-Positiven sei wesentliche Voruassetzung für eine erfolgreiche Prävention. Wer gut informiert sei, „neigt nicht dazu, Menschen wegen irrationaler Ängste auszugrenzen“.

Immer wieder berichten HIV-Positive über Diskriminierungs-Erfahrungen bei Ärzten oder Zahnärzten, bis hin zu Behandlungsverweigerungen. Erst Anfang September 2011 hatte ein HIV-positiver Mann in Berlin Probleme bei einer Zahnärztin – mit der Begründung, sie seien ein Ausbildungsbetrieb, wurde ihm die Behandlung verweigert.

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weitere Informationen:
SZ 28.10.2011: Bahr kritisiert deutsche Ärzte für Ausgrenzung von HIV-Infizierten
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HIV und Arbeit: Normalität auch im Gesundheitswesen

„HIV und Arbeit: Normalität auch im Gesundheitswesen“, unter diesem programmatischen Titel befassen sich der Rechtsanwalt Jacob Hösl und drei weitere Autoren mit der Frage, ob eine HIV-Infektion für Beschäftigte im Gesundheitswesen Einschränkungen im Berufsleben mit sich bringt.

Immer wieder sehen sich HIV-Positive im Berufsleben mit Problemen, unverhältnismäßigen Einschränkungen, Diskriminierungen, Kündigungen konfrontiert. Erst jüngst wurde einem 24jähriger Chemie-Laborant innerhalb seiner Probezeit fristlos gekündigt – wegen seiner HIV-Infektion. Er ging dagegen vor Gericht vor – doch seine Klage wurde abgewiesen.

Umso wichtiger, dass sich Juristen und Mediziner gemeinsam und interdisziplinär zur Frage äußern, ob eine HIV-Infektion heute noch zu Einschränkungen im Erwerbsleben führt.

Für HIV-Positive gibt es, so die Autoren in der Zusammenfassung ihres Artikels, der in der Fachzeitschfit ASU (Arbeitsmedizin – Sozialmedizin – Umweltmedizin) publiziert wurde, keine Einschränkungen im Berufsleben, und dies

„gilt – bis auf ganz wenige Ausnahmen – auch für die Berufswahl und -ausübung im Gesundheitswesen. Gefahren für Patienten durch Tätigkeiten im Gesundheitswesen bestehen durch Beschäftigte mit HIV nicht, wenn deren Viruslast (durch eine supprimierende antiretrovirale Therapie) unter der Nachweisgrenze liegt und regelmäßig kontrolliert wird.“

Die Autoren verweisen als Beispiel auf den kürzlich im Rahmen einer sog. ‚Fallkonferenz‘ entschiedenen Fall eines HIV-positiven Chirurgen, der bei erfolgreicher antiretroviraler Behandlung und Befolgung bestimmter Auflagen weitgehend ohne Einschränkungen arbeiten darf.

Nur im konkreten Einzelfall könnten sich Einschränkungen ergeben. Hinsichtlich etwaiger Konsequenzen für die Tätigkeit der jeweiligen Person machen die Autoren einen Verfahrens-Vorschlag, der die Wahrung der berechtigten Interessen aller Beteiligten ermöglichen soll.

Die Autoren weisen nochmals auf die auch bei HIV „uneingeschränkt geltende“ ärztliche Schweigepflicht hin. Auch Betriebsärzte dürften nur

„standardisierte Mitteilungen zu gesundheitlichen Bedenken bezogen auf konkrete Tätigkeiten machen.“

Der Artikel ist online leider nur als Zuisammenfassung (abstract) verfügbar.

Die Deutsche Aids-Gesellschaft DAIG arbeitet einem Bericht des Ärztezeitung zufolge in Abstimmung mit anderen virologischen Fachgesellschaften bereits an einer Stellungnahme, die sich mit der Frage HIV-Infizierter im Gesundheitswesen beschäftigt.

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weitere Informationen:
J. Jarke, J. Hösl, K. Korn, H. v. Schwarzkopf:
HIV und Arbeit: Normalität auch im Gesundheitswesen (abstract)
in: Arbeitsmedizin – Sozialmedizin – Umweltmedizin
Ausgabe: 08-2011, Seite 471 481
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HIV-positiv und im Gesundheitswesen – neue Stellungnahme angekündigt (akt.)

HIV-positiv und im Gesundheitswesen. Und nun? Müssen Einschränkungen des Tätigkeitsfeldes befürchtet werden? Oder wirkt sich auch hier die drastische Reduktion der Infektiosität durch erfolgreiche ART aus? Eine angekündigte neue Stellungnahme der DAIG könnte Aufschluss geben.

Zahnarzt/ärztin, Gynäkologin/e, Chirurg, Krankenschwester/-pfleger – auch viele Menschen mit HIV arbeiten im Gesundheitswesen. Und sind potentiell betroffen von der Frage, ob ein etwaiges potentielles Infektionsrisiko ihre Berufstätigkeit beeinflussen, ggf. einschränken kann.

HIV-infiziert und im Gesundheitswesen – was ist zulässig?, fragen sich entsprechend viele von ihnen. Denn auch für HIV-Positive, die im Gesundheitswesen arbeiten, hat sich mit dem EKAF-Statement und dem Durchsetzen der Erkenntnis, dass die Infektiosität durch eine erfolgreiche antiretrovirale Therapie drastisch gesenkt werden kann, einiges verändert. Nun sollen sich diese Änderungen auch in einer entsprechenden Richtlinie widerspiegeln, fordern Ärzte und Aktivisten.

Die Deutsche Aids-Gesellschaft DAIG arbeitet einem Bericht des Ärztezeitung zufolge in Abstimmung mit anderen virologischen Fachgesellschaften bereits an einer Stellungnahme, die sich mit der Frage HIV-Infizierter im Gesundheitswesen beschäftigt.

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Aktualisierung
21.06.2011
, 08:23: Welche Folgen eine HIV-Infektion für Berufstätige haben kann, und wie wichtig es für sie ist, auch neue medizinische Erkenntnisse in die Beurteilung der jeweiligen Situation einfließen zu lassen, zeigt ein aktueller Fall aus den USA: Dort klagt ein HIV-positiver Pilot vor dem Obersten Gerichtshof der USA wegen des Verlusts seiner Fluglizenz aufgrund seines HIV-Status. Die Klage wurde für zulässig erklärt.

weitere Informationen:
Ärztezeitung 19.06.2011: HIV-infizierte Chirurgen sollen operieren dürfen
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Homosexuelle – Patienten wie jeder andere?

„Homosexuelle – Patienten wie jeder andere?“ fragen die Vereinigung schwuler Mediziner und die französische Aidshilfe-Organisation Aids in einer neuen Publikation.

Bekommen schwule und lesbische Patient/innen beim Arzt die gleich Aufmerksamkeit und Behandlungsqualität wie alle anderen Patienten auch? Wird auf ihre Lebenssituation, ihre spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen entsprechend ausreichend eingegangen?

Die ‚Association des médecins gays‘ (AMG) und die französische Aidshilfe-Organisation ‚Aides‘ beschäftigen sich in ihrer neuen Broschüre ‚Homosexuels – des patients comme les autres?‘ mit der Situation und Versorgungsqualität lesbischer Patientinnen und und schwuler Patienten beim Arzt.

Association des medecins gays & Aids: Homosexuels - des patients comme les autres?
Association des médecins gays & Aids: Homosexuels - des patients comme les autres?

Die 20-seitige französisch-sprachige Broschüre widmet sich dabei Themen wie der Frage ‚warum Schwul- / Lesbisch-Sein beim Arzt eine Rolle spielen kann‘, geht auf Infektionskrankheiten, psychoaktive Substanzen sowie psychische Gesundheit ein und hinterfragt, ob schwule und lesbische Patienten besonderer Aufmerksamkeit beim Arzt bedürfen.

In einem ‚Praxis-Teil‘ werden Tipps zur Situation in der Arzt-Praxis gegeben, zur Frage ob und wie Homosexualität angesprochen werden kann oder auch HIV-Tests und Untersuchungen auf sexuell übertragbare Erkrankungen. Zusätzlich werden Tipps für das Gespräch mit Fachärzten gegeben. Besonders eingegangen wird auch auf Situation und Bedürfnisse HIV-positiver Patienten.

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Association des médecins gays & Aides: ‚Homosexuels – des patients comme les autres?‘ (pdf)

HIV-infiziert und im Gesundheitssystem – was ist zulässig?

Auch im Gesundheitswesen arbeiten Menschen, die mit HIV infiziert sind, als Arzt, Zahnarzt, Krankenpfleger/in. Welche Tätigkeiten dürfen sie ausüben? Und wie wirkt sich eine wirksame antiretrovirale Therapie aus?

Darf ein HIV-infizierter Zahnarzt operieren, eine HIV-infizierte Chirurgin invasive Eingriffe vornehmen? Wenn er / sie eine wirksame antiretrovirale Therapie nimmt, verändert dies die Risiko-Bewertung? Diesen Fragen widmet sich ein ausführlicher Beitrag von Dr. Klaus Korn (Nationales Referenzzentrum für Retroviren, Universitätsklinikum Erlangen) in der soeben erschienenen Ausgabe 01 / 2010 des Retrovirus-Bulletin.

Das Retrovirus Bulletin ist online (pdf) erhältlich (s.u.).

Der Beitrag soll laut Herausgeber (Nationales Referenzzentrum für Retroviren)

„dazu dienen, auf der Basis der bisher vorliegenden Daten und der heutigen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten einen an den tatsächlichen Risiken orientierten Umgang mit dieser Problematik zu ermöglichen. Hier gilt es, einerseits überzogene Befürchtungen auszuräumen, andererseits aber die in manchen Bereichen durchaus vorhandenen Risiken nicht zu ignorieren.“

Bezüglich der Möglichkeit der HIV-Übertragung im Rahmen von chirurgischen Eingriffen kommt Korn im Kontext einer wirksamen antiretroviralen Therapie des HIV-infizierten Arztes zu dem Schluss, dass

„bei einem negativen Ergebnis in einem Test mit einer Nachweisgrenze von 1.000 Kopien/ml nur ein extrem geringes Risiko der Übertragung besteht. Ein negatives Ergebnis in einem der heute zur Verfügung stehenden ultrasensitiven Tests mit Nachweisgrenzen im Bereich von 20 – 50 Kopien pro ml gibt hier noch eine zusätzliche Sicherheitsmarge …“

sowie

„Auch andere Überlegungen unterstützen die Annahme, dass von einer HIV-infizierten, chirurgisch tätigen Person auch bei Tätigkeiten mit erhöhtem Übertragungsrisiko nur ein extrem geringes Risiko ausgeht, wenn die Viruslast unter der Nachweisgrenze eines hochempfindlichen Tests liegt.“

Korn betont:

„Anders stellt sich die Situation bei einer Unterbrechung oder beim Absetzen der antiretroviralen Therapie dar.“

weitere Informationen:
Dr. Klaus Korn, Nationales Referenzzentrum für Retroviren: „HIV-infizierte Mitarbeiter im Gesundheitswesen – was dürfen sie (nicht) ?“, in Retrovirus-Bulletin Nr. 01/2010 (pdf)
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