Ute Canaris: wie es zur Entstehung des Dachverbands DAH kam (Video)

Mitte der 1980er Jahre. In Zeiten zunehmender Aids-Hysterie werden die Grundlagen deutscher Aids-Politik entwickelt – und die Deutsche Aids-Hilfe als Dachverband gegründet. Wie kam es dazu? Ute Canaris erinnert sich.

1984 / 1985 – die Aids-Krise verschärft sich, die öffentliche Aufmerksamkeit ebenfalls. Wie darauf reagieren? Welche Richtung soll die deutsche Aids-Politik nehmen? Diese und viele weitere Fragen bewegten damals nicht nur viele schwule Männer, sondern auch die Handelnden in der deutschen Gesundheitspolitik.

Während des Seminars „25 Jahre Deutsche Aids-Hilfe“ im Waldschlößchen berichtete Dr. Ute Canaris am 13.12.2008 aus dieser Zeit, aus den Gründungszeiten der Deutschen Aids-Hilfe – und über die Umstände des Zustandekommens einer Einbeziehung von Hautpbetroffenengruppen in staatliche Gesundheitspolitik.

Welches Bild von AIDS hatten die damals politisch Beteiligten, welche Berührungsängste? Wie kam es dazu, das die Politik bereit war, Schwule als Hauptbetroffene direkt in die Aids-Prävention einzubinden? Was hat der Staat von der Deutschen Aids-Hilfe erwartet?

Gründungs-Mythen aus den Zeiten des Entstehens der deutschen Aids-Politik, über Rainer Jarchow und Rita Süßmuth, Meinrad Koch und Manfred Steinbach, Heiner Geißler und Hans Halter – bis hin zur Frage, wie kam es eigentlich dazu, dass die Deutsche Aids-Hilfe, dass ein Bundesverband als Dachverband gegründet wurde („die DAH musste erfunden werden“, Rolf Rosenbrock).

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(Video 15:59 Min, ca. 55,9 MB)

Ute Canaris (SPD) war  bis 1985 Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) und in dieser Funktion maßgeblich mit beteiligt an der Etablierung einer aufklärerischen Aids-Politik in Deutschland.

HIV-Therapie und Prävention – Stellungnahme der Deutschen Aids-Hilfe

In der Debatte um die Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie und das Statement der EKAF (‚keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs‚) hat sich die Deutsche Aids-Hilfe positioniert. Im folgenden die Position der Deutschen Aids-Hilfe, beschlossen vom Vorstand am 18.12.2008, als Dokumentation:

HIV-Therapie und Prävention

Die antiretrovirale Therapie hat die Lebenserwartung von Menschen mit HIV deutlich erhöht und die Lebensqualität vieler Positiver wesentlich verbessert.  Sie hat darüber hinaus einen wichtigen präventiven Nebeneffekt: das Ansteckungsrisiko wird deutlich vermindert.

Eine Übertragung bei sexuellen Kontakten ohne Kondom ist unwahrscheinlich, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

– die Viruslast des HIV-positiven Partners / der HIV-positiven Partnerin ist seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze,
– die antiretroviralen Medikamente werden konsequent eingenommen,
– bei den Sexualpartnern/partnerinnen liegen keine Schleimhautdefekte z.B. als Folge sexuell übertragbarer Infektionen vor.

Das heißt: Das Risiko einer HIV-Übertragung ist unter den oben genannten Bedingungen so gering wie bei Sex unter Verwendung von Kondomen.

Unsere bisherigen Safer-Sex-Botschaften werden dadurch sinnvoll und wirksam ergänzt; in der Prävention eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten.

Diese erste Stellungnahme werden wir weiter im Verband diskutieren und bis Ende März eine breit getragene Position der DAH veröffentlichen.

Deutsche AIDS-Hilfe fordert Bleiberecht für HIV-positive Flüchtlinge

Anlässlich des heutigen internationalen Tages der Menschenrechte startet die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) eine Postkartenaktion an Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, um auf die schwierigen Lebensbedingungen von Flüchtlingen mit HIV und anderen chronischen Erkrankungen in Deutschland aufmerksam zu machen.

Bleiberecht
Bleiberecht

Mit vier Postkarten-Motiven illustrieren die drei Initiatoren – DAH, bundesweite Arbeitsgruppe „Aids und Migration/Aids & Mobility“ und die „Positive Aktion“ – die Bedrohungen für chronisch kranke Flüchtlinge: eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung, zu Wohnraum und zu Sozialleistungen und häufig die Angst vor Abschiebung.

Auf Grund der mangelhaften Versorgung mit antiretroviralen Medikamenten haben in den vergangenen Jahren HIV-positive Migrantinnen und Migranten zum Beispiel in vielen Ländern Subsahara-Afrikas bei Behandlungsbedürftigkeit der HIV-Infektion eine Duldung wegen eines zielstaatenbezogenen Abschiebehindernisses erhalten. In der gegenwärtigen Rechtspraxis werden jedoch immer häufiger auch Menschen mit einer behandlungsbedürftigen HIV-Infektion abgeschoben.

Höchst bedenklich ist dabei, dass zur Begutachtung der individuellen Situation eines Flüchtlings nur die Auskünfte der Botschaft im Heimatland akzeptiert werden. Weder Gutachten von großen Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen noch Stellungnahmen von NGOs vor Ort finden Berücksichtigung.

Dazu erklärt Silke Klumb, Referentin für Migration der DAH: „Ziel unserer gemeinsamen Postkartenaktion ist es, auf die verheerende Situation von Migrantinnen und Migranten unter dem Asylrecht aufmerksam zu machen. Am 60. Gedenktag zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte haben immer noch nicht alle Menschen in Deutschland einen Anspruch auf Zugang zu Gesundheits-Prävention und Versorgung.“

Carsten Schatz, Mitglied im Bundesvorstand der DAH: „Wir fordern die Bundesregierung auf, ein Bleiberecht für HIV-positive Flüchtlinge in Deutschland zu schaffen. Das Menschenrecht auf Gesundheit muss für alle gelten – unabhängig von der Herkunft des einzelnen. Die aktuelle Rechtspraxis verstößt gegen die Menschenrechte. Wir fordern die Bundesregierung auf, diese gravierenden Mängel im Verwaltungsvollzug abzustellen und eine humane Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge in Deutschland zu gewährleisten.“

(Pressemitteilung der Deutschen Aids-Hilfe)

Direkt-Link zur Seite für die Bestellung der Postkarten an Bundesinnenminister Schäuble hier

Nachtrag
10.12.2008: Bleiberecht für HIV-positive Flüchtlinge, auch ein Thema in anderen EU-Staaten: ‚UK urged to stop deporting people with HIV to uncertain treatment‘, berichtet pinknews.

Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Empfang anlässlich des 25. Jubiläums der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.

Im Folgenden als Dokumentation die Rede von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel beim Welt-Aids-Tags-Empfang der Deutschen Aids-Hilfe am 13.11.2008 (als Video hier):

Lieber Herr Henn,
liebe Frau Kollegin Ulla Schmidt,
liebe Freunde und Unterstützer der Deutschen AIDS-Hilfe,
meine Damen und Herren,

um auf die Anmoderation einzugehen: In der Tat werden nicht nur hier bei der AIDS-Hilfe immer gute Ideen und kräftige Hilfe gebraucht, sondern auch bei den Weltfinanzen; das ist in diesen Tagen offensichtlich. Wenn Sie also eine gute Idee haben, nehme ich sie gerne nach Washington mit. Wenn Sie mir dann sogar noch helfen könnten, sie durchzusetzen, wäre es noch besser.

25 Jahre Deutsche AIDS-Hilfe sind 25 Jahre gelebte Solidarität. Deshalb möchte ich damit beginnen, einfach Danke zu sagen, und zwar denen, die die Deutsche AIDS-Hilfe 1983 gegründet haben, was damals gar nicht so selbstverständlich war, wie es heute erscheint. Ich möchte auch all denen Danke sagen, die aus der anfänglichen Selbstinitiative in Berlin einen bundesweit aktiven Dachverband gemacht haben, der heute rund 120 regionale Mitgliedsorganisationen umfasst, sowie all denen, die sich für die Deutsche AIDS-Hilfe in so vielfältiger Weise immer wieder eingesetzt haben.

All diejenigen, die den Mut aufgebracht und sich ein Herz gefasst haben, die sich engagiert haben, haben dazu beigetragen, dass die Deutsche AIDS-Hilfe heute ein richtiges Erfolgsmodell ist und dass sie ein völlig unverzichtbarer Streiter und Partner im Kampf gegen AIDS geworden ist. Dahinter steckt unglaublich viel. Wenn wir noch einmal an die Anfangssituation in den 80er Jahren denken, erinnern wir uns daran, dass nach den ersten bekannt gewordenen AIDS-Diagnosen die Informationen rund um die Immunschwächeerkrankung rudimentär waren. Gerüchte hatten alle Möglichkeiten, sich zu verbreiten. Unbegründete Vorstellungen schossen ins Kraut, vor allem was vermeintliche Übertragungswege der Krankheit anbelangte. Viele haben geglaubt, allein durch Berühren des gleichen Geschirrs könne das Virus übertragen werden. Was die Ansteckungs- und Krankheitsgefahr anbelangt, war vieles überhaupt noch nicht abschätzbar.

Wenn wir uns daran zurückerinnern – das ist nun gerade einmal 25 Jahre her –, dann bekommen wir ein Verständnis dafür, wie es für viele Länder auf der Welt ist, in denen man genau in der gleichen Situation ist. Man muss überhaupt nicht verzagen, sondern muss einfach mutig seinen Weg gehen. Denn wenn man sieht, was wir erreicht haben, dann kann man sagen: Unwissenheit, Unsicherheit und Ängste, die damals noch erstaunliche Blüten getrieben haben, sind überwunden. Damals fühlten sich von der Krankheit Betroffene genau deshalb auch hilflos und alleingelassen. Es ist heute schon gesagt worden: Die Angst vor verstärkter Ausgrenzung und vor Diskriminierung ging gerade bei Homosexuellen um.

In dieser für uns heute kaum noch vorstellbaren Situation haben damals zehn Männer und eine Frau den Mut zur Gründung der Deutschen AIDS-Hilfe gehabt. In einer Zeit der Unsicherheit, der Angst, der Orientierungslosigkeit haben sie nicht nur die Notwendigkeit gesehen, aufzuklären, zu beraten, zu informieren und zu helfen, sondern sie haben das auch in die Tat umgesetzt. Dazu gehörte Mut, denn sie mussten nicht allein gegen die kaum fassbare Gefahr AIDS ankämpfen, sondern sie mussten vor allen Dingen – und das ist mindestens genau so schwierig gewesen – gegen Vorurteile, Diskriminierung und Ausgrenzung angehen.

Die Anfänge der Zusammenarbeit mit den Behörden und der Bundesregierung waren vermutlich nicht immer einfach, um es einmal vorsichtig zu sagen. Es sind dann aber – das ist heute schon erwähnt worden – doch Schritte gelungen mit der damaligen Gesundheitsministerin Rita Süssmuth. Ich weiß aber, dass sie dafür auch in meiner Partei – ich sage das einmal so – nicht immer nur Lob bekommen hat. Trotzdem waren di Schritte richtig. Sie hat es vor allen Dingen geschafft, dass es möglich wurde, den seuchenpolizeilichen Ansatz der AIDS-Bekämpfung zurückzudrängen und dagegen den Ansatz der gesellschaftlichen Lernstrategie so zum Durchbruch zu verhelfen, wie wir ihn auch heute kennen. Deshalb ist auch all denen, die diese Richtungsentscheidung mitgetragen haben, ganz herzlich Dank zu sagen.

Wir wissen, dass sich der Mut der Gründer der Deutschen AIDS-Hilfe und der im Laufe der Jahre angewachsenen Schar von Mitstreiterinnen und Mitstreitern wirklich gelohnt hat. Wir haben ihnen zu verdanken, dass in den letzten 25 Jahren in Deutschland in gewisser Weise ein Stück Normalität eingekehrt ist, wenn man das so sagen darf. Wir können stolz auf das sein, was Ministerin Schmidt eben gesagt hat, nämlich darauf, dass wir wirklich zu den vorbildlichen Ländern auf der Welt gehören. So können wir heute über die einstigen Tabuthemen HIV und AIDS weitgehend offen sprechen. Das ist vielleicht die erste Voraussetzung, um überhaupt voranzukommen, wenngleich ich glaube, dass das von Generation zu Generation immer wieder neu gelernt und eingeübt werden muss.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass es Selbsthilfegruppen, Verbände und Nichtregierungsorganisationen gibt, die mit den Regierungen – auch der Bundesregierung – im Kampf gegen HIV und AIDS zusammenarbeiten. Heute sehen wir es als selbstverständlich an, dass Mittel für diesen Kampf bereitgestellt werden. Ich möchte die Gesundheitsministerin ausdrücklich in dem, was sie eben zur Behandlung gesagt hat, unterstützen: Es wird von uns nicht zugelassen werden, dass es hier Einschränkungen gibt, die nicht vertretbar sind. Ulla Schmidt hat das eben sehr deutlich zum Ausdruck gebracht.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass viele von Ihnen, obwohl die Probleme im eigenen Land groß sind, sich engagieren, auch in anderen Ländern dazu beizutragen, dass dort der Kampf gegen AIDS ganz selbstverständlich geführt wird. Ich war deshalb auch sehr gerne bei der von der Gesundheitsministerin organisierten G8-Konferenz – einer Konferenz, die uns vor Augen geführt hat, dass nicht nur in Afrika oder in Asien, sondern auch direkt bei uns um die Ecke, in der europäischen Nachbarschaft, noch viele, viele Vorurteile zu überwinden sind. Wir können kein einiges Europa, keine Europäische Union sein, wenn es nicht möglich ist, in den Mitgliedstaaten in gleicher Weise vorzugehen. Ich glaube, das ist eine Aufgabe für uns alle.

Das, was wir seit Anfang der 80er Jahre erreicht haben, haben wir erreicht, weil es mutige Menschen gab. Das haben wir auch dadurch erreicht, dass bis heute, wie ich sagte, ein Stück weit Normalität eingekehrt ist. Aber ich will auch, so wie Herr Henn das schon getan hat, auf die Gefahren solcher Selbstverständlichkeiten hinweisen. Denn alles, was geradezu selbstverständlich aussieht, kann allzu leicht auch aus dem Licht der Öffentlichkeit und damit wieder aus dem Bewusstsein herausrücken. Wenn ein Problem nicht mehr täglich in den Nachrichten auftaucht, muss es deshalb noch lange nicht aus der Welt sein. Deshalb dürfen wir nicht vergessen, dass wir zwar, wie hier gesagt wurde, ein Plateau bei der Zahl der Infizierten erreicht haben, dass wir aber längst noch nicht das erreicht haben, was wir erreichen wollen: weniger Menschen, die sich infizieren, und auch das Besiegen der Krankheit, das immer noch nicht gelungen ist.

Die traurige Wahrheit ist, dass das Leid vieler Menschen heute noch mit dieser Krankheit verbunden ist. Auch in Deutschland müssen wir immer wieder wachsam sein. Hinter jeder Krankheit stehen leidvolle Schicksale. An AIDS erkrankte Menschen leiden auch heute noch oftmals doppelt: zum einen körperlich und zum anderen an einer Umgebung, die zum Teil immer noch auf Distanz geht. Die Bekämpfung dieser Krankheit hat deshalb auch eine gesamtgesellschaftliche Dimension. Ob Politik, ob medizinische Forschung oder die gesamte Zivilgesellschaft – letztlich ist jeder Einzelne in unserer Gesellschaft aufgerufen, sich in die Phalanx gegen AIDS einzureihen. Wenn die ganze Gesellschaft dies als eine Aufgabe begreift, haben wir viel geschafft.

Politik allein – das sage ich auch – wäre hier auf verlorenem Posten. Deshalb ist es so ein Erfolgsmodell, dass mit der Deutschen AIDS-Hilfe ein starker, ein unverzichtbarer, ein kompetenter Partner da ist, der natürlich oft auch sehr eigenständig sagt, was konkret vor Ort notwendig ist. Erst damit wird gezielte Hilfe in gemeinsamer Kooperation überhaupt möglich. Die Zusammenarbeit zwischen engagierten Bürgern, Selbsthilfegruppen, Verbänden und Regierungsstellen ist es, die überhaupt das Fundament dafür bildet, dass AIDS-Bekämpfung erfolgreich sein kann. Wir brauchen einen Staat, der einen verlässlichen Rahmen schafft – darüber ist gesprochen worden –, einen Staat, der Unterstützung anbietet, aber das Heft des Handelns in der Hand derer belässt, die mit ihren Erfahrungen am besten wissen, was vor Ort und für den einzelnen Menschen ganz konkret zu tun ist.

Es ist immer das Spannungsfeld in Demokratien, dass Regierungen Rahmen schaffen müssen, staatliche Stellen einen Rahmen sicherstellen müssen, aber dann natürlich auch ein Stück loslassen müssen, damit sich Menschen engagieren können, damit sich Menschen auch gegen Bedenkenträger und Widerstände durchsetzen können und damit diejenigen eine Chance bekommen, die nicht aufgeben, die manchmal unbequem sind, die nicht wegschauen und die immer wieder neue Wege gehen. Deshalb müssen die staatlichen Stellen natürlich die Kraft dazu aufbringen, das, was gestern war, nicht immer schon auch für morgen für gut zu halten.

Ich glaube, dass ein schönes Beispiel für das, was gemeint ist, ein ganz in der Nähe von hier liegendes Wohnareal ist: Eine Wohnanlage für Menschen mit AIDS, eines der gemeinnützigen Wohnprojekte von „ZIK – Zuhause im Kiez“. Betroffene können dort so wohnen und leben, wie es ihren Bedürfnissen entspricht. Sie erfahren Pflege und Betreuung, die sie brauchen. So ist aus einer Eigeninitiative engagierter Bürger ein echtes Vorbild geworden für Strukturen, in denen Leben, Betreuung, Pflege und Vorsorge möglich ist.

Die Krankheit ist inzwischen behandelbar, aber heilbar ist sie immer noch nicht. Deshalb ist Prävention nach wie vor der beste Schutz – man kann das nicht oft genug wiederholen. Darüber dürfen die großartigen Erfolge in der Erforschung und Entwicklung von Impfstoffen und Arzneimitteln nicht hinwegtäuschen. Prävention ist und bleibt auch auf absehbare Zeit das beste Mittel. Wir wissen, Nährboden für Neuinfektionen sind noch immer vor allem Unwissen, Leichtsinn und Fehleinschätzungen. Das heißt, wir müssen auch weiterhin auf Aufklärung, Information und Förderung von Gesundheits- und Verantwortungsbewusstsein setzen.

Das ist natürlich an dieser Stelle leichter gesagt, als es dann in der Praxis in umfassender Weise getan wird. Man kann das nicht von oben herab verordnen. Vielmehr funktioniert Prävention dann, wenn sie dezentral und auch gemeinsam mit den betroffenen Menschen entwickelt wird, wenn also der gemeinsame, teilhabende Charakter der Prävention betont wird. Genau darauf setzt die Deutsche AIDS-Hilfe auch mit ihrer kürzlich gestarteten Initiative „ICH WEISS WAS ICH TU“. Das ist eine Kampagne, die sich über die verschiedensten Medien hinweg erstreckt, einschließlich des Internets – ich glaube, dass das sehr wichtig ist –, bis zu Aktivitäten vor Ort. Ich möchte ausdrücklich sagen, dass ich dieser Kampagne viel Erfolg wünsche – einen Erfolg, der sich dann möglichst auch so niederschlägt, dass wir in den nächsten Jahren auf bessere Zahlen bei den Neuinfektionen blicken können.

Darauf hinwirken und den Trend umkehren, das ist eine Aufgabe für uns alle. Deshalb werde ich auch nicht müde, nun gerade auch für die Benefiz- und Spendenaktionen rund um den Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember um Unterstützung zu bitten und um Unterstützung zu werben. Ich will jedem sagen, der noch unsicher ist: Ob Geld- oder Sachspenden – jeder einzelne Betrag und Beitrag hilft hier weiter. Ich glaube, auch jedes Zeichen der menschlichen Solidarität ist willkommen. Dieses kann man zum Beispiel setzen, indem man sich auf der Internetseite des Welt-AIDS-Tages als Botschafter einträgt.
Ich glaube, es wäre das beste Geburtstagsgeschenk für Sie, Herr Henn, und Ihre Mitstreiter in der Deutschen AIDS-Hilfe, wenn sich möglichst viele in unserer Gesellschaft engagieren – mit Optimismus, Tatkraft und der Bereitschaft, auch einmal einen unbequemen Weg zu gehen. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch und viel Kraft für die weitere Arbeit! Sie dürfen ab und zu auch unbequem sein, damit wir nicht vergessen, was noch Wichtiges zu tun ist. Alles Gute für die nächsten Jahre!

[Quelle: bundeskanzlerin.de]

DAH unterzeichnet Mexiko-Manifest

Die Deutsche Aids-Hilfe hat sich als Organisation dem Mexiko-Manifest angeschlossen. Der Delegiertenrat hat am 15.11.2008 die Unterschrift ratifiziert.

Der Delegiertenrat der DAH, höchstes Organ der DAH zwischen den Mitgliederversammlungen, legt satzungsgemäß „mit dem Vorstand die Grundlinien der Arbeit der DAH fest, unterstützt den Vorstand und beaufsichtigt ihn auch.“
Der Delegiertenrat besteht aus Landesdelegierten, je zwei Vertreter(inne)n der drei nach Größe der Aidshilfen geordneten Mitgliederversammlungs-Stimmgruppen, je zwei Vertreter(inne)n der von der Mitgliederversammlung anerkannten Netzwerke sowie bis zu drei von der Mitgliederversammlung direkt gewählten Einzelpersonen.

Das “Mexico Manifest – Manifest der Menschen mit HIV und Aids zum Welt-Aids-Kongress 2008 in Mexico City” war auf Initiative der Schweizer Positiven-Organisation LHIVE entstanden.

Mitte Oktober hatte bereits der Vorstand der DAH sich dem Mexiko-Manifest angeschlossen. Am 5. Oktober 2008 war der Vorstand der deutschen Aids-Hilfe neu gewählt worden.

Ulla Schmidt: „Präventionsarbeit braucht auch Geld“

Neben Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel war auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zu Gast beim Welt-Aids-Tags-Empfang der Deutschen Aids-Hilfe am 13.11.20008.

„Durch wirklich nachhaltig angelegte Präventionsmaßnahmen haben wir im westeuropäischen Vergleich die zweitniedrigste Infektionsrate“, betonte Schmidt, nur Andorra sei besser. Dazu habe die Deutsche Aids-Hilfe, hätten die vielen regionalen Aidshilfen unter ihrem Dach einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Video: Rede Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt beim Welt-Aids-Tags-Empfang 2008 der deutschen Aids-Hilfe

Länge: 11:15 min., Achtung: 41 MB

Angela Merkel: „Sie dürfen ab und zu auch unbequem sein!“

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel war zu Gast beim Welt-Aids-Tags-Empfang der Deutschen Aids-Hilfe am 13.11.20008.

„Sie dürfen ab und zu auch unbequem sein“, ermunterte Merkel die DAH zu eigener Haltung. Merkel begrüßte die neue bundesweite Präventionskampagne „ich weiss, was ich tu“ und bezeichnete die Deutsche Aidshilfe als ‚Erfolgsmodell‘.

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Video: Rede Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Welt-Aids-Tags-Empfang 2008 der deutschen Aids-Hilfe

Länge: 15:06 min., Achtung: 55MB

Bundeskanzlerin Merkel bei Empfang der Deutschen Aids-Hilfe

Bundeskanzlerin Merkel und der Vorstand der deutschen Aids-Hilfe
Bundeskanzlerin Merkel und der Vorstand der deutschen Aids-Hilfe

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel war Gast des Welt-Aids-Tags – Empfangs der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) am 13. November 2008 in Berlin. Gegründet am 23. September 1983, feiert die DAH in diesem Jahr ihr 25jähriges Bestehen.

Reden beim Welt-Aids-Tags-Empfang 2008 der Deutschen Aids-Hilfe:
– Tino Henn, Vorstandsmitglied der Deutschen Aids-Hilfe: Aids-Hilfe muss mit eigener Stimme sprechen (Text)
– Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Präventionsarbeit braucht auch Geld“ (Video)
– Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel: „Sie dürfen auch ab und zu unbequem sein!“ (Video)
Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Empfang anlässlich des 25. Jubiläums der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.(Text)

„Aidshilfe muss mit eigener Stimme sprechen“ – Rede von Tino Henn

Am 13. November 2008 fand der diesjährige Welt-Aids-Tags-Empfang der Deutschen Aids-Hilfe statt. Folgend als Dokumentation die Rede von Tino Henn, Mitglied des Bundesvorstands der DAH:

„25 Jahre Deutsche AIDS-Hilfe“
Rede von Tino Henn,
Mitglied des Bundesvorstands der Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH),
anlässlich der Veranstaltung „Empfang zum Welt-AIDS-Tag 2008“
Umspannwerk Berlin-Kreuzberg, 13. November 2008

(Es gilt das gesprochene Wort.)

Tino Henn, Vorstandsmitglied der deutschen Aids-Hilfe
Tino Henn, Vorstandsmitglied der deutschen Aids-Hilfe

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrte Frau Bundesministerin Schmidt,
sehr geehrte Damen und Herren Staatssekretäre,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Deutschen Bundestages,
sehr geehrte Mitglieder des Abgeordnetenhauses und der Landtage,
sehr geehrte Frau Prof. Pott,
sehr geehrte Frau Bätzing,
sehr geehrter Herr Dr. Heide,
liebe Ehrenmitglieder,
liebe Mitglieder und Kooperationspartner,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

zunächst einmal möchte ich meiner Freude Ausdruck verleihen, dass die Bundeskanzlerin und die Bundesgesundheitsministerin an diesem Abend zu uns gekommen sind. Dies zeigt die gesellschaftliche Anerkennung, die unsere Arbeit erfährt.

Meine Damen und Herren: Am 23. September 1983 wurde die Deutsche AIDSHilfe in Berlin gegründet, kurz darauf folgten die Aidshilfen in München und Köln. Heute sind in der Deutschen AIDS-Hilfe 120 örtliche Aids- und Drogenhilfen, Präventionsprojekte, Schwulen- und Lesbenzentren sowie Wohn- und
Pflegeprojekte im Engagement gegen Aids und für Menschen mit HIV vereint.

Viel ist geschehen in den letzten 25 Jahren: Schienen zunächst vor allem Schwule und Drogengebraucher in den westlichen Industriestaaten von HIV und Aids betroffen zu sein, haben wir es heute mit einer weltweiten Epidemie zu tun. Auch die Krankheit selbst und ihre Wahrnehmung haben sich geändert – neben der Todesdrohung steht nun das Bild einer zwar nicht heilbaren, aber behandelbaren chronischen Krankheit. Und nicht zuletzt ist der gesellschaftliche Umgang mit der Krankheit und den von ihr Bedrohten und Betroffenen „normaler“ geworden – zumindest an der Oberfläche. Über schwule Lebensweisen zum Beispiel lässt sich heute meist leichter reden als noch vor 25 Jahren, und auch der „mündige Drogenkonsum“ scheint zumindest denkbar.

Aber, und das ist ein großes Aber: „Normal“ sind HIV und Aids, Homosexualität und Drogengebrauch keineswegs: Auch heute noch werden schwule Männer zusammengeschlagen, weil sie sich in der Öffentlichkeit geküsst haben. Und nach wie gibt es Anfragen von besorgten Mitmenschen, ob man sich beim gemeinsamen Benutzen eines Glases mit HIV anstecken könne.

Meine Damen und Herren, die Krankheit, der Umgang mit ihr und damit auch die Aidshilfearbeit haben sich geändert. Was aber ist geblieben, worauf können wir auch in Zukunft bauen? Ich möchte drei Punkte benennen, die sich als tragfähig erwiesen haben:
1. Selbsthilfe,
2. Interessenvertretung,
3. Strukturelle Prävention.

1. Selbsthilfe
Die Empörung über den unmenschlichen Umgang mit Aidskranken. Die Solidarität mit den Betroffenen. Die Angst vor HIV und Aids. Und das Bewusstsein: Aids bedroht nicht nur Leib und Leben, sondern auch unsere Freiheit. Das waren einige der Triebfedern der Aidshilfe-Gründergeneration.

Diese Männer und Frauen haben sich selbst geholfen. Weil sie ihren Lebensstil schützen wollten. Weil sie anderen helfen wollten.
Zwei der Gründer der Deutschen AIDS-Hilfe sind heute Abend hier anwesend: Rainer Schilling und Bruno Gmünder. Ich begrüße sie ganz herzlich.

Die Aidshilfebewegung kommt also aus der Selbsthilfe. Ja, sie ist Selbsthilfe. Wer sich hier engagiert, der gehört oft selbst zu denjenigen, die von HIV und Aids besonders bedroht und betroffen sind. Wir sind nicht nur nah dran, sondern mittendrin.

Damals, in den entscheidenden Jahren, wurde auch auf der Seite des Staates erkannt, dass ohne die Selbsthilfe nichts geht. Denn die am stärksten von HIV betroffenen Gruppen standen und stehen staatlichen Stellen oft misstrauisch gegenüber: schwule Männer, Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher, Menschen in der Sexindustrie und Menschen in Haft, heute auch Migrantinnen und Migranten aus Ländern mit weiter HIV-Verbreitung. Um Zugang zu ihnen zu bekommen, braucht man vor allem eins: Glaubwürdigkeit. Und die erreicht man, indem man mit ihnen zusammenarbeitet. Ihre Sprache spricht. Ihre Bilder verwendet. Ihre Lebensweisen kennt und akzeptiert. Dinge beim Namen nennt.

Die Aidshilfe machte sich also fortan mit Unterstützung des Staates an die Arbeit – an dieser Stelle spreche ich all jenen in Regierung und Verwaltung unseren herzlichen Dank aus, die uns in den letzten 25 Jahren solidarisch begleitet, gefördert und auch geschützt haben. Stellvertretend nenne ich an dieser Stelle die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth, Sie, liebe Frau Bundesministerin Schmidt, und natürlich Sie, liebe Frau Professor Pott: Die langjährige Unterstützung durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und durch Sie ganz persönlich haben maßgeblichen Anteil daran, dass wir partnerschaftlich Präventionsarbeit leisten konnten und dass die Arbeitsteilung zwischen Staat und Selbsthilfeorganisation ein auch international beachtetes Erfolgsmodell geworden ist.

Gemeinsam mit unseren Partnern in der Prävention haben wir sachliche Aufklärung gegen die Aids-Hysterie in Teilen der Medien, der Politik und der Gesellschaft gestellt. Wir haben Präventionsbotschaften formuliert und zielgruppengerecht an den Mann und die Frau gebracht. Gemeinsam mit Fachleuten und Betroffenen haben wir neue Präventionsansätze entwickelt, zum Beispiel mit und für Drogengebraucher. Wir haben angepackt und eigene Pflegedienste gegründet, um Menschen mit HIV angemessen zu versorgen, denn der Umgang mit ihnen, ihren Lebenspartnern und Freunden war in den bestehenden Pflegeeinrichtungen oft unwürdig.

Eine tragende Säule der Aidshilfebewegung war, ist und bleibt also die Selbsthilfe. Und dazu gehört für uns immer auch die Hilfe zur Selbsthilfe. Das heißt: Initiativen anstoßen, unterstützen und begleiten und mit ihnen zusammenarbeiten. So fördern wir zum Beispiel die Selbsthilfe von Menschen mit HIV und Aids, auch wenn sie – zum Glück – unbequem war und ist. Aber wir brauchen diese Bodenhaftung, und das gemeinsame Engagement von HIVPositiven, HIV-Negativen und Ungetesteten zeichnet uns und unsere Arbeit aus.
Oder nehmen wir Helmut Ahrens, den ersten Drogenreferenten der Deutschen AIDS-Hilfe. Auch er hat Selbsthilfe angestoßen und gefördert, denn auf seine Initiative geht das im Juni 1989 gegründete und heute allgemein anerkannte Netzwerk von Junkies, Ehemaligen und Substituierten zurück. Heute heißt Hilfe zur Selbsthilfe für uns zum Beispiel die Initiierung und Förderung des Afrikaner- Netzwerks AfroLeben+. Oder Unterstützung, um irgendwann einmal auch in Ländern Osteuropas zu stabilen Selbsthilfestrukturen zu kommen – unter gesellschaftlichen Bedingungen allerdings, die aus Sicht der Prävention nur als katastrophal gelten können.

2. Interessenvertretung
Aidshilfe ist eine Selbsthilfeorganisation, und das muss sie auch bleiben. Aus unserem eigenen Verständnis heraus, aber auch als Voraussetzung für eine weiterhin erfolgreiche Prävention. Das heißt: die Aidshilfe muss und darf mit anderen zusammenarbeiten, aber sie muss sich dabei ihre Unabhängigkeit so weit wie möglich bewahren. Vom Staat. Von der Medizin. Und erst recht von der Pharmaindustrie und den Lobbyisten im Gesundheitswesen.

Aidshilfe muss mit eigener Stimme, in eigener Sache sprechen. Das hat sie von Anfang an getan, laut und vernehmlich. Ich erinnere hier an die Großdemonstration in München im Oktober 1987 gegen den bayerischen Maßnahmenkatalog – er sah unter anderem vor, „Ansteckungsverdächtige“ zur Durchführung des HIV-Tests vorzuladen oder auch schwule Saunen zu schließen. Ein anderes Beispiel: Pfingsten 1988 gingen Teilnehmer des Zweiten Europäischen Positiventreffens unter dem Motto „Mut gehört dazu“ in München auf die Straße – damals wie heute ein unerhört mutiger Schritt, offen als Positive aufzutreten. Wir gedenken an dieser Stelle –stellvertretend für viele andere – der 1993 verstorbenen Celia Bernecker-Welle, einer offen lebenden HIV-infizierten Drogengebraucherin, die entscheidenden Anteil an der Vorbereitung und Durchführung dieser Demonstration hatte.

Nun ist es in den letzten Jahren ruhiger geworden um das Thema HIV und Aids, die großen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen scheinen ausgefochten.
Und manches Mal hat die Aidshilfe auch geschwiegen, wenn sie gefordert war, oder sie hat sehr spät ihre Stimme gefunden. Doch ich bleibe dabei: Die Aidshilfe ist keine Präventionsagentur, die lautlos funktioniert. Sie ist und bleibt Selbsthilfe, sie ist und bleibt Interessenvertretung. Das ist für uns Prävention, strukturelle Prävention. Deswegen mischen wir uns ein, wenn Verhältnisse und Entscheidungen das Leben mit HIV und Aids und die Prävention betreffen – in Deutschland wie auch international.

Wir formulieren unsere Interessen selbst. Wir vertreten diese Interessen. Wir entwickeln im Dialog mit der Selbsthilfe und unseren Partnern Präventionsansätze und verteidigen sie gegen moralische oder auch ideologische Vorbehalte. Und wir leihen – ähnlich wie bei der Hilfe zur Selbsthilfe – jenen eine Stimme, die noch nicht gehört werden.

3. Strukturelle Prävention
Selbsthilfe, Hilfe zur Selbsthilfe und Interessenvertretung sind Grundpfeiler unserer Arbeit. Ihren Rahmen findet sie im Konzept der strukturellen Prävention, das kluge Köpfe – stellvertretend erinnere ich hier an Hans-Peter Hauschild – schon Ende der 80er Jahre entwickelt haben. Dieses Konzept prägt uns bis heute, und wir halten es auch in Zukunft für unverzichtbar.

Strukturelle Prävention heißt: Wir nehmen das Verhalten Einzelner in den Blick, aber auch die Verhältnisse oder eben Strukturen, die dieses Verhalten beeinflussen. Auf diese Strukturen versuchen wir so einzuwirken, dass Menschen sich selbst und andere schützen können und wollen – und das auch tun. Strukturelle Prävention heißt deshalb für uns zum Beispiel Antidiskriminierungs- und Menschenrechtsarbeit. Strukturelle Prävention heißt, die Integration von Menschen mit HIV und anderen chronischen oder versteckten Krankheiten ins Arbeitsleben voranzutreiben. Und Strukturelle Prävention heißt Selbstwertstärkung, zum Beispiel als Element unserer Kampagne „Ich weiß, was ich tu“ für Männer, die Sex mit Männern haben.
Denn eines haben wir gelernt: Wer sich schätzt, schützt sich auch eher. Und er schützt auch andere. Schwierig hingegen ist der Schutz der Gesundheit oft, wenn man sich selbst und seine Sexualität verleugnen muss. Wenn man ständig in Angst vor Abschiebung lebt. Wenn man hinter Gittern keinen Zugang zu sterilem Spritzbesteck hat. Oder nicht ins erfolgreiche Projekt zur medizinisch kontrollierten Heroinvergabe an Schwerstabhängige aufgenommen wird, weil dessen Fortführung an ideologischen Widerständen scheitert.

Wir übernehmen Verantwortung für die Prävention. Aber wir können diese Arbeit nicht alleine schultern. Hier sind Sie alle gefragt. Jeder von Ihnen kann etwas tun, an seinem Platz in Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft. Setzen Sie sich mit uns ein für Solidarität und Akzeptanz.
Engagieren Sie sich ehrenamtlich oder finanziell. Sichern Sie die Präventionsarbeit und ehren Sie damit auch jene mutigen Männer und Frauen aus der Aidshilfebewegung, die heute Abend nicht mehr bei uns sein können.

Meine Damen und Herren, lassen sie mich schließen, indem ich im Namen der Deutschen AIDS-Hilfe allen Frauen und Männern danke, die in den vergangenen 25 Jahren zum Erfolg unserer Arbeit beigetragen haben, die sich ehren- und hauptamtlich engagiert oder uns in einer anderen Art und Weise unterstützt haben.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

25 Jahre Deutsche Aids-Hilfe

Veranstaltungs-Hinweis des Tagungshauses Waldschlösschen:

25 Jahre Deutsche AIDS-Hilfe
12. – 14. Dezember 2008

Die Deutsche AIDS-Hilfe ist eine der ältesten Kooperationspartnerinnen der Akademie Waldschlösschen, mit der uns viel Geschichte verbindet. Schon früh begann die erfolgreiche Zusammenarbeit und ist bis heute sichtbar in vielen gemeinsamen Seminarprojekten – z.B. den bundesweiten Positiventreffen zusammen mit Positiv e.V., einem Teil der Fortbildungen für Haupt- und EhrenamtlerInnen in Aidshilfen oder einzelnen Veranstaltungen für schwule Männer.

25 Jahre Deutsche AIDS-Hilfe haben viel Geschichte und viele Geschichten mit sich gebracht, begleitet und geprägt vom Wandel der gesellschaftlichen Wahrnehmung von HIV und Aids: Auf die stürmisch bewegte Phase der Aids-Hysterie Mitte der achtziger Jahre folgten Jahre der Etablierung von Aidshilfe, in der der Seegang spürbar ruhiger wurde, bis wir schließlich in den letzten Jahren angesichts der zunehmenden Gelassenheit im Umgang mit der Infektion mit einem neuen Phänomen konfrontiert wurden: dem wachsenden Desinteresse in der Gesellschaft, aber auch in den Zielgruppen der Prävention. Ungeachtet dessen wissen wir alle um die Vielschichtigkeit des Geschehens und um die unendliche Geschichte der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, die den Beratungsalltag von Aidshilfe prägt.

Lange nicht alle Aspekte dieser Geschichte können im Rahmen dieses Seminars berücksichtigt werden. Vor dem Hintergrund der zentralen Themen und Schwerpunkte der Arbeit der Akademie Waldschlösschen wollen wir den Fokus vor allem auf zwei inhaltliche Schwerpunkte legen – die Bedeutung von Aids und Aidshilfe für schwule Männer und für die Schwulenbewegung sowie auf die Selbsthilfe von Menschen mit HIV und Aids. Wir wollen aber auch einen Blick auf die weiteren Perspektiven der Arbeit und der Aufgaben von Aids- und Selbsthilfe werfen.

• Prävention in Bildern… Anhand von DAH-Plakaten wollen wir die Veränderungen in der Prävention aber auch der Bilder schwulen Lebens und schwuler Sexualität diskutieren.
Referent: Rainer Schilling, langjähriger Leiter des Schwulenreferates der Deutschen Aids-Hilfe, Berlin

• Aids und die Schwulen – In diesem Workshop wollen wir uns mit den Folgen von Aids für die Schwulen, ihre Sexualität und für die Schwulenbewegung beschäftigen. Dabei werfen wir auch die Frage auf, welche Definitionsmacht Aids-Hilfe hinsichtlich der Sexualität von schwulen Männern in den vergangenen 25 Jahren hatte oder für sich beansprucht hat. Welche Folgen hat Aids für die gesellschaftliche Integration von Schwulen gespielt? Wie weit ist der Abbau der „Diskriminierungstatbestände“ tatsächlich gediehen?
Leitung: Dr. Dirk Sander, jetziger Leiter des Schwulenreferates der Deutschen Aids-Hilfe, Berlin

• „Hilf dir selbst“ – die Selbsthilfe von Menschen mit HIV/Aids und die Rolle der Aids-Hilfe steht in einem weiteren Workshop im Mittelpunkt. Wir wollen zurückblicken auf über 25 Jahre Selbsthilfe: Was hatte es mit der „Koalition der Uneinsichtigen“ auf sich? Welche Rolle spielte Act up? Welche Bedeutung haben „positive Medien“? Welche Veränderungen hat das Selbstbild von HIV-Positiven im Laufe der vergangenen 25 Jahre erfahren? In wieweit hat Aidshilfe zur Professionalisierung von Selbsthilfe beigetragen? Und dann die aktuell wieder diskutierte Frage: Primär- und Sekundärprävention unter einem Dach – geht das?
Leitung: Michael Bohl, seit 1992 Mitarbeiter (Positivenreferent und Projektleiter der Beratungsstelle) der Aids-Hilfe Frankfurt/M

• Talkrunde: Aidshilfe – Blick zurück und nach vorne… Geschichten vom Anfang und von den ersten Kooperationen mit dem staatlichen Gesundheitswesen, von der Entwicklung gemeinsamer Strategien und von unseren politischen Mit- und Gegenspielern: Wir wollen wichtige Ereignisse und Eckpunkte in der Geschichte von Aids-Hilfe Revue passieren lassen, um dann die Brücke zu schlagen zu den grundlegenden Veränderungen der Aids-Arbeit und den weiteren Perspektiven.
Gäste:
Bernd Aretz, langjähriger Aktivist in Aids-Zusammenhängen, Offenbach;
Michael Bohl, seit 1992 Mitarbeiter (Positivenreferent und Projektleiter der Beratungsstelle) der Aids-Hilfe Frankfurt/M;
Dr. Ute Canaris, 1982-1985 Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 1985-1987 zuständig im Bundesgesundheitsministerium für die staatlichen Aids-Programme, Stiftungsratsmitglied der Deutschen Aids-Stiftung, Neuss;
Dr. Gerd Paul, Vorstandsmitglied der Deutschen Aids-Hilfe von 1985-87, Berlin;
Dr. Rolf Rosenbrock, Prof. für Sozialwissenschaft und Gesundheitspolitik, Mitglied des Nationalen Aids-Beirates und der Aids-Enquetekommission, Berlin;
angefragt: Prof. Dr. Rita Süßmuth, Gesundheitsministerin von 1985-88, Bundestagspräsidentin von 1988-1998, Mitglied des Stiftungsbeirates der Akademie Waldschlösschen, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Martin Dannecker, Sexualwissenschaftler, Berlin

• Wie geht´s weiter…? Werfen wir einen Blick auf die zukünftigen Herausforderungen und die Rolle der Aidshilfe in der Gesundheitsförderung, auf das „Neue Aids“, die Prävention in Zeiten nicht mehr nachweisbarer Viruslast, auf die weitere Normalisierung von Aids und den Folgen für Aids- und Selbsthilfe. Das sind einige Themen des Vortrags und der Diskussion, die uns am Sonntagvormittag beschäftigen werden.
Referent: Dr. med. Dr. phil. Stefan Nagel, Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalytiker, Dresden

Veranstaltungsleitung:
Klaus Stehling, Dipl.Pol., Geschäftsführer des Landesverbandes der hessischen Aids-Hilfen, Frankfurt
Wolfgang Vorhagen, Dipl. Päd., päd. Mitarbeiter der Akademie Waldschlösschen, Gleichen
Ulli Klaum, Geschäftsstelle VNB Göttingen

Akademie Waldschlösschen Va-Nr. 8208
Veranstaltungsbeginn ist am Freitag, 12.12.08 um 18 Uhr,
das Ende am Sonntag, 14.12.08 um 14.30 Uhr
Kostenbeitrag: 50 EUR
Direkt-Link zur online-Anmeldung hier

Die Veranstaltung findet in gemeinsamer pädagogischer Zusammenarbeit mit dem VNB – Landeseinrichtung der Erwachsenenbildung und in Kooperation mit der
Bundeszentrale für politische Bildung statt.

Die ‚Rektalstudie‘ – ist eine Studie zur HIV-Übertragung bei Analverkehr sinnvoll und notwendig? (akt.)

Braucht es eine Studie, die HIV-Konzentration im Darm und Übertragungsrisiken am Menschen untersucht? Und wenn ja, wie kann diese so konzipiert werden, dass Studienteilnehmer keine Risiken eingehen? Die ‚Rektalstudie‚ sieht sich kritischen Fragen ausgesetzt.

Worum geht es?
Auslöser der Debatte um das Thema ‚Infektiosität und Analschleimhaut‘ ist das Statement der EKAFkeine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs„.
In ihrem Statement sagt die EKAF klar “das Risiko einer HIV-Übertragung beim Sex ohne Kondom unter vollständig supprimierter Viruslast ist deutlich geringer als 1:100.000. Das verbleibende Restrisiko lässt sich zwar wissenschaftlich nicht ausschließen, es ist aber nach Beurteilung der EKAF und der beteiligten Organisationen vernachlässigbar klein.”

Im Statement der EKAF wird nicht unterschieden zwischen Vaginal- und Analverkehr. Und dennoch kaprizierte sich von Anbeginn an genau auf diese Frage ein großer Teil der Debatte: können Daten für die HIV-Transmission bei Vaginalverkehr auf Analverkehr übertragen werden?

Die Schweizer reagierten früh auf diesbezügliche Fragen und Vorwürfe. Schon bald hat Prof. Hirschel präzisiert:

“Wenn man keine Studien hat, muss man auf den Verstand ausweichen. Es gibt keinerlei gute biologische Gründe, die erklären könnten, warum die vaginale Transmission sich von der rektalen Transmission unterscheiden soll.”
Und ob das Übertragungs-Risiko zwischen analem und vaginalem Verkehr nicht doch unterschiedlich sein könne?
Vielleicht, aber die verfügbaren Daten von nicht behandelten Patienten zeigen, dass die Risiken vergleichbar sind.”

Die Datenlage ist bisher tatsächlich scheinbar schlecht. Es gibt kaum Studien über die Konzentration von HIV in der Darmschleimhaut, sowie über die Auswirkungen erfolgreicher Therapie hierauf. Ob diese schlechte Datenlage allerdings überhaupt für die Diskussion relevant ist, ist auch angesichts der Erwiderungen von Prof. Hirschel fraglich.

Das Kompetenznetz HIV (Leitung: Prof. Brockmeyer, Bochum) schaltete sich ein. Und plant nun eine Studie. Die so genannte „Rektalstudie„. Ziel dieser Studie soll es sein, die Virusbelastung der Darmschleimhaut auch bei mechanischer Beanspruchung (mittels eines Dildos) zu untersuchen.
Auf dem Internetangebot des Kompetenznetz HIV ist die Studie nicht verzeichnet.
Eine Vor-Studie hierzu rekrutiert allerdings bereits Teilnehmer.
Und der Vorstand der DAH setzt sich kritisch mit der Studie auseinander.

An die Studie könnten viele Frage gestellt werden – und sie müssen gestellt werden, auch zum Schutz der potenziellen Teilnehmer.
So bleibt zunächst zu klären, was die Rationale einer solchen Studie ist und sein kann. Wie relevant ist das Thema dieser Studie tatsächlich für die weitere Diskussion und Entscheidung über Konsequenzen aus dem EKAF-Statement?
Ist sie tatsächlich erforderlich? Gelten die Begründungen von Prof. Hirschel nicht, oder warum werden sie als nicht ausreichend betrachtet?
Kann eine Studie zur rektalen Transmission überhaupt in einer Konstellation durchgeführt werden, die ethisch vertretbar ist? In der die Studienteilnehmer nicht unnötig gefährdet werden? Ist die Studie vertretbar und verantwortbar?
Wie sieht die Patienteninformation aus? Waren Patienten-Organisationen, Menschen mit HIV daran beteiligt?
War oder ist Aidshilfe oder Aidshilfe-Mitarbeiter an dieser Studie beteiligt? Wann, wer, in welchem Umfang?
Hinterfragenswert auch die Vor-Studie, die bereits rekrutiert. Was wird hier konkret untersucht? Wie informiert sind die Studienteilnehmer?

Fragen über Fragen – umso erstaunlicher, dass diese Studie in aller Stille vorbereitet und konzipiert wurde. Und dass die Vorstudie bereits Patienten rekrutiert.

Davon abgesehen könnte man auf den Gedanken kommen, dass mit der Rektalstudie Schein-Aktionismus betrieben wird. Wird hier eine Schein-Debatte geführt, die von den wichtigen Fragen im Zusammenhang mit dem EKAF-Statement und möglichen Konsequenzen daraus nur ablenkt, eine Auseinandersetzung damit verzögern soll?

Nachtrag
24.012.2009: Auf Initiative des Vorstands der Deutschen Aids-Hilfe haben VertreterInnen des Patientenbeirats sowie DAH-Mitgliedsorganisationen eine Vereinfachung der Studie sowie einen Verzicht auf vorherige Stimulation vorgeschlagen.

DAH-Vorstand schließt sich Mexiko-Manifest an

Der Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe hat auf seiner Sitzung am 17. bis 19. Oktober 2008 in Berlin einstimmig beschlossen, das Mexiko Manifest zu unterzeichnen.

Das „Mexico Manifest – Manifest der Menschen mit HIV und Aids zum Welt-Aids-Kongress 2008 in Mexico City“ war auf Initiative der Schweizer Positiven-Organisation LHIVE entstanden. Ihm haben sich inzwischen zahlreiche Organisationen und Einzelpersonen angeschlossen.
Das Manifest ist eine Reaktion auf das Statement der Eidgenössischen Aids-Kommission EKAF „keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs“ und die Debatten um dieses Statement (siehe auch „EKAF-Statement, Reaktionen und Folgen„).

Erst am 5. Oktober 2008 war der Vorstand der deutschen Aids-Hilfe neu gewählt worden.

Der Vorstand betonte, mit dem Unterzeichnen des Mexiko-Manifests sei die Debatte nicht beendet. Eine Stellungnahme des DAH-Vorstands zum EKAF-Statement selbst wurde für Dezember 2008 angekündigt.

25 Jahre Deutsche AIDS-Hilfe
25 Jahre Deutsche AIDS-Hilfe

‚ich weiss, was ich tu!‘ ist ein Meilenstein – Rede Carsten Schatz

‚Die Kampagne ‚ich weiss, was ich tu!‘ ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Modernisierung der HIV- und STD-Prävention in Deutschland“. Darauf wies Carsten Schatz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Aidshilfe (DAH) bei der Vorstellung der Kampagne am 13. Oktober 2008 in ‚Clärchens Ballhaus‘ in Berlin hin.

Schatz danke der BzgA für die gute Zusammenarbeit und das Vertrauen in das Knowhow und die Fähigkeiten der Deutschen Aidshilfe. Er betonte:  „Vorab-Tests der Kampagne durch die Freie Universität Berlin bestätigten, dass unsere Kampagne von hoher Qualität, großer Glaubwürdigkeit und Verständlichkeit ist. Wir haben nichts anderes erwartet.“

Die Kampagne, so Schatz, sei auch unter Einbeziehung der Zielgruppen, und auch von HIV-Positiven geplant und entwickelt worden. „Wir nehmen unseren Auftrag als Interessenvertretung der von HIV bedrohten und betroffenen Männer ernst“, so Schatz. Deswegen scheue die DAH auch zukünftig keine Auseinandersetzung darüber, mit welchen Inhalten und Bildern die Zielgruppe angesprochen werde.

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Video: Rede Carsten Schatz (Vorstandsmitglied DAH) anlässlich des Starts der Kampagne ‚ich weiss, was ich tu!‘

(Video, Dauer 5:31 min.)

Jahrbuch 2007/2008

Aus Anlass ihres 25jährigen Bestehens hat die Deutsche Aids-Hilfe nicht nur wie üblich ihren Jahresbericht herausgebracht, sondern aus diesem ein komplettes „Jahrbuch 2007/2008“ erstellt.

Das Jahrbuch enthält Texte zu verschiedenen Episoden der Auseinandersetzung mit HIV und Aids in den vergangenen 25 Jahren, u.a. von Gerd Paul, Rainer Jarchow, Helmut Ahrens, Achim Weber und Claudia Fischer-Czech, sowie Gespräche und Interviews z.B. mit Rolf Rosenbrock, Guido Vael, Rainer Schilling und Peter von der Forst.

Selbstverständlich enthält das Jahrbuch auch den gewohnten Jahresbericht – auf 64 Seiten eine Art Geschäftsbericht über die wichtigsten Aktivitäten und Vorhaben des Geschäftsjahrs 2007 einschließlich einer Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben.

Die DAH selbst schreibt zu ihrem Jahrbuch

„Im Innenteil findet sich der Jahresbericht 2007, der über die Arbeit des DAH-Verbandes im Berichtszeitraum Auskunft gibt. Eingehüllt ist der Jahresbericht in einen „historischen Mantel“, in dem wir auf die entscheidenden Weichenstellungen und prägende Figuren der ersten Jahre der Aidshilfebewegung zurückblicken und mit Interviews den Brückenschlag in die Gegenwart unternehmen. Abgerundet wird dieser historische Teil mit einer Zeitleiste, die unten auf den Seiten mitläuft und Personen, Ereignisse sowie DAH-Veröffentlichungen aus den Jahren 1983 bis 2006 in Erinnerung ruft“

Deutsche Aidshilfe e.V.: Jahrbuch 2007/2008
Berlin 2008
Bestellnummer 025001
Direktlink zur Online-Bestellung

Deutsche Aids-Hilfe: neuer Vorstand gewählt (akt.)

Auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Aids-Hilfe wurde ein neuer Vorstand gewählt.

DAH Vorstand nach Wahl am 5. Oktober 2008
DAH Vorstand nach Wahl am 5. Oktober 2008 (Foto: DAH)

Vor 25 Jahren, am 23. September 1983, wurde die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) als erste AIDS-Selbsthilfe-Einrichtung in Deutschland gegründet. Inzwischen haben sich 120 Mitgliedsorganisationen unter dem Dach der Deutschen AIDS-Hilfe e.V. (Aids- und Drogenhilfen, Präventionsprojekte, Schwulen- und Lesbenzentren, Wohn- und Pflegeprojekte) zusammengeschlossen.

Am 4. und 5. Oktober 2008 fand in Erfurt die jährliche Mitgliederversammlung der Deutschen Aids-Hilfe e.V. statt. Turnusgemäß wurde für eine Amtszeit von drei Jahren auch ein neuer Vorstand gewählt, die Vorstandsmitglieder nach der Neuwahl sind (in der Reihenfolge der Höhe der erhaltenen Stimmen):
– Carsten Schatz (Berlin)
– Sylvia Urban (Dresden)
– Winfried Holz (Berlin)
– Hansmartin Schön (München)
– Tino Henn (Köln)

Dem vorherigen Vorstand (Maja Czajka, Sylvia Urban, Sven-Christian Finke) wurde einstimmig keine Entlastung erteilt.

Im Verlauf der Mitgliederversammlung sollte auch das so genannte EKAF-Statement (‚keine Infektiosität bei erfolgreicher HIV-Therapie ohne andere STDs‚) diskutiert werden.

ich weiss, was ich tu!
ich weiss, was ich tu!

Nachtrag 07.10.2008: „Die Deutsche Aidshilfe will künftig verstärkt gegen die Stigmatisierung und Diskriminierung von HIV-positiven Menschen am Arbeitsplatz kämpfen“, sagt Neu-Vorstand Carsten Schatz laut dpa-medlung auf krankenkassen.de.
„Stellvertretend für den neuen Vorstand erklärt Carsten Schatz: ‚Der neue Vorstand will die DAH als politische Vertretung der von HIV und Aids Bedrohten und Betroffenen stärken. Als Fachverband werden wir die Leitlinien und lebenspraktischen Empfehlungen für die HIV-Prävention und den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten weiterentwickeln – z.B. in Bezug auf differenzierte Botschaften für die verschiedenen Zielgruppen.'“ (Pressemitteilung DAH)

Schwuler Sex – Lust und Risiken

„Sex unter Männern – da gibt es wohl kaum etwas, was es nicht gibt“. Mit diesen Worten beginnt eine kleine sehr informative und lesenswerte Broschüre zum Thema „schwuler Sex und Gesundheit“.

In einer überarbeiteten Neuauflage ist die Broschüre ‚ Schwuler Sex – Lust und Risiken. Tipps zu Sexualität und Gesundheit‘ nun wieder verfügbar. Die Deutsche Aids-Hilfe beschreibt die Broschüre knapp und treffend „die Broschüre enthält nicht nur alles Wissenswerte zum Blasen, Fesseln, Ficken, Rumölen, Rimmen und Peitschen, sondern auch in aller Kürze wertvolle STI-Tipps ‚Wenn´s vorne juckt und hinten beißt‘.“ [STI = sexuell übertragbare Infektionen]

Wer sich detaillierter zum Thema ’sexuell übertragbare Infektionen‘ informieren möchte, findet zahlreiche Informationen zudem in einer weiteren, umfangreichen 176seitigen Broschüre der DAH zu diesem Thema, ’sexuell übertragbare Krankheiten‘.

‚Schwuler Sex – Lust und Risiken. Tipps zu Sexualität und Gesundheit‘
3. völlig neu bearbeitete Auflage, Deutsche Aids-Hilfe, DIN A6, 52 Seiten, Berlin 2008 (Direktlink zur Online-Bestellung hier)