Kurz notiert … Dezember 2011

29. Dezember 2011: Ärzte im US-Bundesstaat Maryland haben eine erste vorläufige Riochtlinie erarbeitet zur Verwendung von HCV-Proteasehemmern bei mit HIV und Hepatitis C ko-infizierten Personen.

23. Dezember 2011: Das US-Wissenschaftsmagazin ‚Science‘ erklärtHIV-Therapie als Prävention‚ zum wissenschaftlichen Durchburch des Jahres.

20. Dezember 2011: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat eine flüssige Formulierung von Darunavir (Handelsname Prezista®) zugelassen.

Der Pharmakonzern Gilead hat auch bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA die Zulassugn einer neuen Kombi-Pille (Quad) aus Elvitegravir, Cobicistat, Emtricitabine und Tenofovir beantragt.

16. Dezember 2011: Der Pharmakonzern Gilead soll bei der US-Arzneimittelbehörde beantragt haben, die Kombinationspille aus Tenofovir und Emtricitabine (Truvada®)  für die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) zuzulassen.

„Wer Krebs oder AIDS hat, war einfach geistig nicht gut genug drauf“ – ist die Fraktionsgeschäftsführerin der Berliner ‚PiratenAnhängerin von Aids-Leugnern? Die Fraktion sieht darin kein Problem.

Das US-Unternehmen Salix bemüht sich um die US-Zulassung für ein neues Durchfall-Medikament. Cofrelemer soll, so der Zulassungs-Antrag, bei HIV-assoziierten Durchfällen eingesetzt werden.

Eine 32jährige Frau aus Betzdorf wurde zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Sie hatte einen Polizisten gebissen – der sich zudem aufgrund eines falschen Test-Ergebnisses fürchtete, mit HIV infiziert zu haben.

14. Dezember 2011: 114 Millionen US-$ brachte der Verkauf der Juwelen der im März 2011 verstorbenen US-Schauspielerin Elizabeth Taylor. Ein Teil des Erlöses kommt der Elizabeth Taylor Aids Foundation ETAF zugute.

07. Dezember 2012: Cobicistat, eine Substanz zum Boosten des Wirkstopffspiegels anderer Substanzen, hat sich in einer Phase-III-Studie laut Hersteller Gilead als nicht Ritonavir unterlegen erwiesen.

06. Dezember 2011: Die Pharmakonzerne Bristol-Myers Squibb (BMS) und Johnson & Johnson (J&J) vereinbaren eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung der Hepatitis C.

01. Dezember 2011: Die International Aids Society IAS wählt Melbourne (Austtralien) als Austragungsort der XX. International Aids Conference.

Am 30. November 2011 stirbt der Pastor und Klinik-Seelsorger Bert van der Post. 1985 gründete er an der Universitätsklinik Köln die erste Betreuungsgruppe für Aids-Patienten.

Boceprevir: neues Medikament gegen Hepatitis C auch bei HIV-Positiven wirksam (akt.)

70% der mit Boceprevir plus Interferon/Ribavirin behandelten HIV- und Hepatitis-C- Infizierten erreichen nach 24 Wochen eine HCV-Viruslast unter der Nachweisgrenze. Dies zeigen Zwischenergebnisse einer Studie an 98 HIV-Positiven, die jüngst veröffentlicht wurden.

In der auf 48 Wochen Laufzeit angelegten plazebokontrollierten Studie werden sowohl mit HIV als auch mit Hepatitis C infizierte Menschen untersucht.

Boceprevir ist eine der ersten Substanzen einer neuen Klasse von Medikamenten gegen Hepatitis C, der HCV- Proteasehemmer. Boceprevir (Handelsname Victrelis®) ist seit 18. Juli 2011 in der Europäischen Union zugelassen für die Behandlung der Hepatitis C. Auch Telaprevir, ein weiterer HCV-Proteasehemmer, ist seit 21. September 2011 in der EU zugelassen (Handelsname Incivo®, USA Handelsname Incivek®).
Beide Zulassungen beinhalten jedoch nicht die Behandlung von Menschen, die sowohl mit Hepatitis C als auch HIV infiziert sind.

Auch zu Telaprevir wurden jüngst Daten zur Behandlung von sowohl mit HIV als auch Hepatitis C Infizierten vorgestellt. Sie zeigten eine Erfolgsrate von 68%.

Bei beiden Studienergebnissen handelt es sich um Zwischenergebnisse. Sie sagen noch nichts über den langanhaltenden Therapieerfolg (sustained virologic response, SVR) aus. Daten hierzu werden zu beiden Substanzen für 2012 erwartet.

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Aktualisierung
26.10.2011, 08:30: Für Telaprevir wird beui nur mit Hepatitis C (nicht auch HIV) infizierten Patienten untersucht, ob und unter welchen Umständen auch eine nur 12 Wochen dauernde Therapie wirksam sein könnte.

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Langsam werden Verbesserungen in der Behandlung der Hepatitis C auch für Menschen mit HIV auf besserer Datengrundlage möglich – selbst wenn für den Einsatz der neuen HCV-Proteasehemmer bei auch HIV-Positiven bisher weiterhin die Zulassung fehlt.

Langfristig zu hoffen ist auf Therapie-Optionen, die (für ausschließlich mit HCV, aber auch für mit HCV und HIV ko-infizierte Menschen) eine Interferon-freie Therapie ermöglichen.

Kurzfristig allerdings ist es gerade für Menschen mit HIV und HCV wichtig, dass möglichst bald mehr Daten zu Wechselwirkungen der neuen HCV-Proteasehemmer mit HIV- und anderen Medikamenten verfügbar werden.

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weitere Informationen:
aidsmap 22.10.2011: Hepatitis C drug boceprevir achieves 70% viral suppression rate in HIV co-infected people within 24 weeks
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HIV und Hep C: hängt Therapie-Erfolg mit Gen-Veränderung zusammen?

HIV-Positive, die mit Hepatitis C ko-infiziert sind, haben eine bessere Erfolgsrate bei ihrer Hepatitis-C – Therapie, wenn eine bestimmte genetische Veränderung vorliegt. Dies berichten spanische Forscher online in einem Fachjournal.

Die derzeitige Standard-Therapie gegen eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) besteht aus pegyliertem Interferon und Ribavirin. Diese Therapie hat nicht nur unangenehme Nebenwirkungen – insbesondere bei gleichzeitig  mit HIV und HCV infizierten ist zudem die Erfolgsrate der Therapie unbefriedigend.

Schon früher zeigten Studien, dass bei Menschen die nur mit HCV infiziert waren (Mono-Infektion), eine Veränderung des Gens IL28B ein Marker für einen besseren Therapieerfolg darstellt.

Spanische Forscher untersuchten nun 196 sowohl mit HCV als auch mit HIV Infizierte (Ko-Infektion). Bei 54% von ihnen war die HCV-Therapie erfolgreich (HCV-Viruslast nicht nachweisbar sechs Monate nach Beendigung der Therapie). 21% hatten sogar einen schnellen Therapieerfolg (HCV-Viruslast vier Wochen nach Therapiebeginn nicht nachweisbar).

Patienten mit der Gen-Veränderung IL28B hatten eine deutlich höhere Rate an Therapieerfolg. Die bessere Erfolgsrate bei Vorliegen der Genveränderung zeigte sich allerdings nur bei Infektion mit den HCV-Genotypen 1 und 4.

In einer getrennten kleineren Studie an 62 Patienten konnten die spanischen Forscher zudem zeigen, dass auch bei einer zweiten gegen Hepatitis C gerichteten Therapie die Gen-Veränderung mit einer erhöhten Therapie-Erfolgsrate verbunden ist.

Die Forscher äußern die Hoffnung, hieraus zukünftig Hilfestellungen für Therapieentscheidungen entwickeln zu können.

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weitere Informationen:
aidsmap 05.05.2011: Genetic variation associated with response to hepatitis C therapy in HIV co-infected patients
aidsmap 01.03.2010: IL28B gene variation predicts response to hepatitis C treatment: will it change treatment of co-infection?
Rallon NI et al. IL28B gene polymorphisms and viral kinetics in HIV/hepatitis C virus-coinfected patients treated with pegylated interferon and ribavirin. AIDS 26, online edition: doi: 10.1097/QAD.0b013e3283471cae, 2011 (abstract)
Labarga P et al. Impact of IL28B polymorphisms on response to preginterferon plus ribavirin in HIV-HCV coinfected patients with prior non-response or relapse. AIDS 25, online edition: doi: 10.1097/QAD.0b013e3283471d83, 2011 (abstract)
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Warum werden HIV-Positive von Hepatitis C-Studien ausgeschlossen?

Die Therapie der Hepatitis C steht vor großen Umbrüchen – große Wirksamkeit bei wesentlich weniger Nebenwirkungen als bisherige Therapien. Doch – HIV-Positive sind meist immer noch ausgeschlossen.

Gleich mehrere neuen Substanzen werden derzeit in Phase-III-Studien gegen Hepatitis C getestet. Die bisherigen Ergebnisse sind sehr erfolgversprechend. Sie lassen hoffen, dass letztlich nicht nur bestehende Therapien gravierend verbessert werden können – sie lassen schon bald möglich erscheinen, dass eine Behandlung der Hepatitis C ganz ohne das (nicht eben nebenwirkungsarme) Interferon auskommen könnte (siehe entsprechende Investoren-‚Befürchtungen‘, (3)).

HIV-Positive haben ein erhöhtes Risiko, sich mit Hepatitis C zu infizieren. Und bei HIV-Positiven, die mit Hepatitis C ko-infiziert sind, besteht ein Risiko, dass die Hepatitis-C-Infektion schneller fortschreitet als bei einer singulären HCV-Infektion.

Doch – genau diese Menschen mit HIV sind aus Studien mit neuen Medikamenten gegen Hepatitis C derzeit meist prinzipiell ausgeschlossen.

So zeigt eine Suche im neuen ‚EU Clinical Trials Register‚ beispielhaft an einer Phase-III-Studie des Hepatitis-C-Proteasehemmers Telaprevir Studie (EudraCT Number: 2010-021628-84):

„Principal exclusion criteria:

18. Subject has human immunodeficiency virus (HIV) or hepatitis B virus (HBV) co-infection.“

Zwar gibt es inzwischen Studien, die HCV-Proteasehemmer bei HIV-Positiven untersuchen (erste Daten wurden auf der CROI 2011 vorgestellt, siehe (1)) – aber nur vereinzelt. Und erste Studien zeigen, dass dieser Medikamente auch bei HIV-Positiven gut wirken – ein Grund weniger, HIV-Positive zukünftig weiterhin aus Studien auszuschließen. Zudem wurden erste Daten zu Wechselwirkungen mit HIV-Medikamenten vorgestellt (2). Ein weiterer Grund weniger.

Dieser Ausschluss ist mit Gründen erfolgt – und sicher nicht mit diskriminierender Absicht.

So ist eine Behandlung beider Infektionen (Hepatitis C und HIV) komplizierter als die Behandlung einer einzigen Infektion. Und die Interpretation von Studien-Ergebnissen könnte sich als komplizierter erweisen. Über Wechselwirkungen zwischen HIV-Therapie und den neuen Hepatitis-C-Substanzen ist (naturgemäß) noch wenig bekannt.

Doch – rechtfertigt all dieses tatsächlich, Menschen mit HIV generell von Studien mit erfolgversprechenden Hepatitis-C-Medikamenten auszuschließen ?

Rechtfertigt dies, ihnen dadurch – für sie besonders wichtige – Behandlungs – Optionen weiter vorzuenthalten ?

Rechtfertigt dies einen prinzipiellen Ausschluss bei einer ganzen Gruppe, die ein erhöhtes Risiko einer Infektion mit Hepatitis C hat? Und die zudem ein erhöhtes Risiko einer schneller fortschreitenden Erkrankung hat ?

Forscher und Sponsoren müssen sich fragen lassen, ob dieser prinzipielle Ausschluss noch zu verantworten ist.

Zulassungsbehörden wie auch Ethik-Kommissionen müssen sich fragen lassen, ob dieser prinzipielle Ausschluss noch vertretbar ist.

Doch – letztlich wird sich vermutlich hieran nichts ändern, solange HIV-Positive, die auch mit Hepatitis C ko-infiziert sind, nicht selbst „den Arsch hoch bekommen“, Druck machen, sich selbst engagieren und für ihre Rechte und Gesundheit kämpfen …

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Danke an Armin Schafberger (DAH) und Kees Rümke (Hiv Vereniging Nederland) für Hinweise!
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(1) siehe z.B. aidsmap 02.03.2011: Telaprevir works well for people with HIV/HCV co-infection
(2) POZ 03.03.2011: Hep C Protease Inhibitor Telaprevir Interacts With HIV Drugs
(3) The Street 08.03.2011: Pharmasset Hep C Data Wows Investors
Hiv Vereniging Nederland 18.03.2011: HCV-remmers op komst
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Risikofaktoren für Hepatitis C bei HIV-Positiven – ist Blut das Problem, nicht Sperma ?

Bei HIV-positiven schwulen Männern treten gehäuft Ko-Infektionen mit Hepatitis C auf. Eine jetzt publizierte deutsche Studie hat sich intensiv mit den möglichen Risikofaktoren einer Hepatitis-C – Übertragung beschäftigt.

Warum infizieren sich besonders HIV-positive schwule Männer scheinbar leichter mit Hepatitis C? Diese Frage untersuchten Forscher um Axel J. Schmidt vom Robert-Koch-Institut Berlin. Sie wollten feststellen, welche Faktoren das Risiko bei HIV-positiven schwulen Männern erhöhen, sich mit Hepatitis C zu infizieren.

Zwischen 2006 und 2008 untersuchten sie eine Gruppe von 101 schwulen HIV-positiven Männern (die Mehrzahl aus Berlin) – 34, die sich mit Hepatitis c infizierten, und 67 als Kontroll-Gruppe. Die Studie wurde jüngst online in der Open-Access- Fachzeitschrift ‚PLoS One‘ (Public Library of Science) publiziert.

Unabhängig von einander erwiesen sich in der untersuchten Gruppe folgende Risiko-Faktoren als mit einer Hepatitis C – Infektion assoziiert:

  • mit Sex assoziierte rektale Blutungen (rektal = im Enddarm / After; „anorectal trauma with subsequent visible bleeding“),
  • rezeptives Fisten („sich fisten lassen“) ohne Benutzung von Handschuhen,
  • Gruppen-Sex, und
  • Kokain oder Amphetamine schnupfen (sniefen / durch die Nase inhalieren; „consumption of nasally-administered drugs (NADs)“).

Fisten

Die Forscher wiesen auf einen deutlichen Zusammenhang zwischen von den Teilnehmern berichteten proktologischen (analen) chirurgischen Eingriffen, hohen Sex-Partner-Zahlen, Gruppen-Sex, Anwendung von PDE5-Hemmern (Viagra® etc.) mit dadurch langandauerndem analem Sex, und rezeptivem analem Sex („sich ficken lassen“) hin. Sie vermuten, dass ein Teil der chirurgischen Eingriffe im Zusammenhang mit analen Feigwarzen oder Feigwarzen im Genitalbereich (Kondylome) steht. Alle üblichen proktologischen chirurgischen Eingriffe seien mit Wunden an der ano-rektalen Schleimhaut sowie erhöhter Wahrscheinlichkeit von Blutungen nach der Operation verbunden.

Die Forscher folgerten, dass Sex-Praktiken, die zu rektalen Blutungen führen, sowie der Gebrauch von Drogen durch die Nase in Settings mit erhöhter Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) von Hepatitis C Risikofaktoren für eine akute Hepatitis C sind. Sie vermuten, dass sowohl die gemeinsame Benutzung von Geräten zum Sniefen / Aufnahme von Drogen durch die Nase (auch bei einer lädierten Nasenschleimhaut ist Übertragung von Blut-Partikeln möglich) als auch das Teilen von Sexpartnern sexuelle Übertragungswege von Hepatitis C sein könnten.

Die Forscher weisen in ihrem Bericht deutlich darauf hin, dass ihrer Ansicht nach Blut und nicht Sperma das für eine Übertragung von Hepatitis C kritische Medium sei.

Sie betonen, dass Kondome und Handschuhe nur dann Schutz böten, wenn sie bei jedem Partner gewechselt werden. Bei Verwendung des gleichen Kondoms oder Handschuhs mit mehreren Sexpartnern könnten diese geradezu als ‚Vektor‘ der Übertragung von Hepatitis C von einem rezeptiven Sexpartner zum nächsten dienen (Vektor-Hypothese). Dies bedeute auch, der (aktive) Sexpartner könne Hepatitis C womöglich vom einen (passiven) Sexpartner auf einen zweiten (passiven) Sexpartner übertragen – ohne selbst mit Hepatitis C infiziert zu sein.

Die gemeinsame Benutzung von Gleitmitteln könne ebenfalls ein Risiko darstellen (Blutpartikel können in das auch von anderen benutzte Gleitmittel gelangen und so eine Übertragung möglich werden). Besitzer von Sex-Clubs sollten darauf achten, dass Gleitmittel (auch die Behälter für Gleitmittel) nicht mehr von mehreren Sex-Partnern benutzt werden.

Erste Ergebnisse der Studie waren bereits in einem prämierten Poster auf dem 12. Europäischen Aids-Kongress im November 2009 in Köln vorgestellt worden (siehe „Hepatitis C: ist Blut-Kontakt das Problem ? „). Nun wurde die Studie publiziert und steht online zur Verfügung (siehe „weitere Informationen“ am Ende des Artikels).

Zum Umgang mit akuter Hepatitis C wurden neue Empfehlungen als Ergebnis einer europäischen Konsensus-Konferenz im Dezember 2010 veröffentlicht.

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Viele schwule Männer, besonders viele HIV-positive schwule Männer sorgen sich wegen der Risiken einer Infektion mit Hepatitis C, zumal die Wege einer sexuellen Übertragung lange unklar waren. Die Studie von Schmidt und Kollegen könnte nun nicht nur Aufschluss geben, wie eine sexuelle Übertragung von Hepatitis C stattfindet – sie könnte auch Grundlage für praktische Wege der Infektions-Vermeidung sein:

Als praktische Ergebnisse ließe sich aus der Arbeit für Bemühungen, das Risiko einer Übertragung von Hepatitis C zu reduzieren, ableiten:

  • beim Ficken für jeden Sexpartner ein neues Kondom (keine Benutzung von Kondomen mit mehreren Sexpartnern),
  • beim Fisten für jeden Sexpartner ein neuer Handschuh (keine Benutzung von Handschuhen mit mehreren Fist-Partnern),
  • bei Sex ohne Kondom bzw. ohne Handschuh: bei jedem Partnerwechsel Schwanz bzw. Hand vorher waschen (um das Risiko einer Übertragung von Blut-Partikeln von einem passiven Partner auf den nächten zu senken),
  • jedem sein eigenes Schmiermittel – beim Sex keine von mehreren benutztes Gleitmittel (und Gleitmittel-Behälter),
  • bei Gebrauch von Drogen durch die Nase für jeden seine eigenen Utensilien / Röhrchen zum Sniefen.

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weitere Informationen:
PlOS One: Axel J. Schmidt, Jürgen K. Rockstroh et al.: Trouble with Bleeding: Risk Factors for Acute Hepatitis C among HIV-Positive Gay Men from Germany—A Case-Control Study (online)
Akute Hepatitis C bei HIV-Positiven: neue Empfehlungen
Situationsbericht Hepatitis in Deutschland
Hepatitis C: 2009 15% weniger Neu-Diagnosen
Proktologische Lehrstunde

catie 31.05.2011: German researchers dig deep to understand how hepatitis C virus is transmitted sexually

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Danke an Armin Schafberger (DAH) für Feedback zu den Empfehlungen!

Copyright für die Grafik bei Axel J. Schmidt

Kurz notiert … März 2011

30. März 2011: Frankreichs Sozialministerin Roselyn Bachelot plant einen Gesetzentwurf, demzufolge Freier von Prostituierten zukünftig bestraft werden sollen.

29. März 2011: Millionen Bürger Kenias sind von einer Kondom-Knappheit betroffen. 45 Millionen aus den USA importierte Kondome sollen nun Abhilfe schaffen.

27. März 2011: Nach dem Aus für die Aids-Hilfe Mannheim-Ludwigshafen im Sommer 2010 zeichnet sich ein Neuanfang ab: eine Initiative will der Stadt Mannheim bis Mai 2011 ein Konzept vorlegen.

25. März 2011: Ändern schwule Männern nach einem positiven HIV-Test ihr Sex-Verhalten? Ja, meinen zwei Studien (Amsterdam und San Francisco), die auf der CROI präsentiert wurden – und sind sich nicht einig, in welchem Umfang.

Die US-amerikanische Medikamentenbehörde erteilt der neuen Formulierung von Nevirapin unter dem Handelsnamen Viramune XR® eine Zulassung.

21. März 2011: Der wegen der ‚Parkplatz-Morde‚ angeklagte 56jährige Mann könnte – so spekulieren Medien – aus Homo- / Serophobie gehandelt haben: er habe sich während eines Sex-Urlaubs in Kenia bei einem Transvestiten mit HIV infiziert.

18. März 2011: Dürre in der (Medikamenten-) Pipeline? Führt der Erfolg antiretroviraler Medikamente indirekt dazu, dass es immer schwieriger wird, neue Aids-Medikamente auf den Markt zu bringen?

17. März 2011: Erstmals seit den 1980er Jahren hat sich in den USA ein Mensch durch eine Organ-Transplantation mit HIV infiziert. Zwei Jahre nach einer Nieren-Transplantation wurde bei einem zuvor HIV-negativen Mann in New York Aids diagnostiziert.

15. März 2011: Am 12. März 2011 kam der Sozialwissenschaftler Günter Amendt bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Eine Würdigung Amendts durch die DAH.

14. März 2011: Periphere Neuropathien treten bei HIV-Positiven weiterhin häufig auf, berichten US-Forscher. Besonders höheres Lebensalter erhöhe das Risiko des Auftretens von Peripheren Neuropathien.

12. März 2011: Gut ein Viertel der (untersuchten 28) schwulen HIV-positiven Männer in Amsterdam, die erfolgreich wegen einer Hepatitis C behandelt wurden, infizierten sich innerhalb von zwei Jahren erneut mit Hepatitis C (nahezu alle mit einem anderen Genotyp). Dies berichteten niederländische Ärzte auf der 18. CROI.

11. März 2011: Mit Darunavir (Handelsname Prezista®) ist ein weiteres Aids-Medikament in Europa für die einmal tägliche Einnahme zugelassen.

04. März 2011: Gegen den Pharmakonzern Abbott wird erneut ermittelt wegen der Verfünffachung des Preises für sein Aids-Medikament Norvir® in den USA im Jahr 2003, dieses Mal u.a. aufgrund einer Klage des Pharmakonzerns GSK wegen Wettbewerbsverzwerrungen.

Der experimentelle Hepatitis-C- Proteasehemmer Telaprevir scheint in Kombination mit pegyliertem Interferon plus Ribavirin auch bei Hepatitis-C- und HIV- Koinfektion wirksam zu sein.

Etwa 1,1 Prozent der Erwachsenen in der Ukraine sind mit HIV infiziert. Doch aufgrund von Mißständen und Repressalien ist ihre Behandlung gefährdet.

03. März 2011: Der Attachment-Inhibitor BMS-663068 erwies sich in einer ersten frühen Studie (Phase IIa) als vermutlich sicher und gut verträglich. Attachment-Inhibitoren behindern den ersten von drei Schritten, mit dem HIV in eine Zelle eindringt (das Andocken an den CD4-Rezeptor).

02. März 2011: Gels, die als vaginale Mikrobizide getestet werden (Caprisa004), könnten für die rektale Anwendung nicht ausreichend sicher sein (Nebenwirkungen). Nun sollen neue Formulierungen der Gels entwickelt werden, die besser für eine rektale Anwendung geeignet sein sollen.

Das Bundesgesundheitsministerium hat die Ständige Impfkommission (STIKO) neu besetzt. Die Hälfte der Mitglieder wurde ausgetauscht, zum teil gegen deren Willen.

01. März 2011: China plant die Einführung der Aids-Strategie „Therapie als Prävention“ (treatment as prevention). Dies beinhalte weitreichende HIV-Testungen sowie medizinische Behandlung für alle Personen, bei denen es in Frage kommt.

Die Gesundheitsbehörden Brasiliens verteilen zum Karneval 84 Millionen Kondome gratis. Parallel sollen Werbespots über Kondome und Schutz vor sexuell übertragbaren Erkrankungen informieren.

Kurz notiert … Februar 2011

27. Februar 2011: Der deutsche Zahlungsstopp bedroht nach internen Berechnungen des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria mindestens 43.000 Leben.

25. Februar 2011: Die US-Medikamentenbehörde FDA hat die Packungsbeilage von Kaletra® hinsichtlich Frühgeborener überarbeitet. Die Packungsbeilage für Viracept® (Nelfinavir) wurde um Wechselwirkungs-Angaben für Warfarin ergänzt.

23. Februar 2011: Pharmaunternehmen entschädigen Bluter mit Hepatitis C.

21. Februar 2011: Nur gut ein Fünftel der HIV-Positiven in der Ukraine erhält antiretrovirale Therapie – und selbst sie sehen sich jetzt massiven Versorgungsproblemen ausgesetzt.

19. Februar 2011: Die bisher detaillierteste dreidimensionale Darstellung von HIV durch ein Team des russischen Unternehmens Visual Science gewann in der Kategorie ‚Illustration‘ den Preis der ‚International Science and Engineering Visualization Challenge 2010‘.

18. Februar 2011: Die Bestimmung von CD4-Zellzahlen ist elementar, u.a. für Therapieentscheidungen. Für Positive in nicht oder weniger industrialisierten Staaten sind kostengünstige Tests besonders wichtig. Doch ein Medizintechnik-Konzern macht Probleme.

16. Februar 2011: Der Impfstoff Silgard/Gardasil kann bei jungen Männern das Entstehen von Feigwarzen deutlich vermindern.

15. Februar 2011: ACT UP Paris demonstriert vor dem französischen Pharma-Verband LEEM dafür, dass zwei neue Substanzen gegen Hepatitis C auch an Menschen getestet werden, die mit HIV und Hepatitis C koinfiziert sind.

In Südafrika beginnt eine Phase-IIb-Studie mit Sutherlandia frutescens (Ballonerbse). Sutherlandia wird in Südafrika als traditionelle Medizin eingesetzt (und ist auch einigen Positiven hierzulande seit langem bekannt). Die Studie des ‚South African Herbal Science and Medicine Institute‘ (SAHSMI) soll die Pflanze auf ihr Potential zur Behandlung von Begleiteffekten der HIV-Infektion untersuchen.

14. Februar 2011: Auf der Berlinale, die vom 10. bis 20. Februar 2011 in Berlin stattfindet, laufen auch Filme zu HIV / Aids: u.a. „We were here“ sowie der erste chinesische Dokumentarfilm zu HIV „Be together“.

11. Februar 2011: ‚Würden die (US-amerikanischen Medikamentenbehörden) FDA ein Verhütungsmittel zulassen, dass zu 44% wirkt?‘, weist Aids Healthcare Foundation auf viele Fragen zur derzeitigen Situation bei PrEP hin.

10. Februar 2011: Cornelia Yzer, bisher Cheffin des Verbands forschender Pharmaunternehmen (VfA), beendet ihre Tätigkeit Ende Juni 2011 – nach Medienberichten ’nicht ganz freiwillig‘.

HIV kann die Immunabwehr von Neugeborenen auch schwächen, ohne dass diese mit HIV infiziert werden, stellt eine US-Studie fest.

In Los Angeles sollen mit einer städtischen Vorschrift Porno-Produzenten zur Kondom-Verwendung bei Porno-Dreharbeiten gezwungen werden.

08. Februar 2011: Jugendliche in der Schweiz schützen sich besser vor einer HIV-Infektion. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit.

Eine kleine Studie in den USA untersucht, ob Disulfiram (Handelsname Antabuse®) geeignet ist HIV aus viralen Reservoirs auszuwaschen.

07. Februar 2010: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Lopinavir / Ritonavir (Handelsname Kaletra®) in eine ‚watch list‘ wegen möglicher Sicherheitsprobleme bei Neugeborenen aufgenommen.

Tesamorelin (Handelsname Egrifta®) soll zukünftig in Europa nach Unterzeichnung eines entsprechenden Lizenzabkommens vom spanischen Unternehmen Ferrer International vermarktet werden.

Mord wegen HIV? Brachte ein 55 Jahre alter Frührentner zwei Cruiser um, weil er nach einer HIV-Infektion Schwule hasste?

06. Februar 2011: Kürzungen bei Krankenversicherungs-Programmen in den USA – laufen immer mehr US-Amerikaner mit geringem Einkommen Gefahr, keine wirksame HIV-Therapie mehr zu bekommen? Regan Hofmann sorgt sich in der Huffington Post über „The Alarming State of AIDS in America„.

Ein HIV-positiver Ugander befürchtet, aus Großbritannien nach Uganda abgeschoben zu werden – und dort um sein Leben fürchten zu müssen.

04. Februar 2011: Nach Vorwürfen der Zweckentfremdung von Mittel kündigt der Präsident des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose Michel Kazatchkine, an, die Zahl seiner Mitarbeiter, die für die Abwicklung der Hilfszahlungen zuständig sind, zu erhöhen

03. Februar2011: Erstmals seit Beginn der Aids-Krise ist in San Francisco die Mehrzahl der Menschen, die mit einer Aids-Diagnose leben, über 50 Jahre alt. 53% aller Menschen, bei denen im Jahr 2010 Aids diagnostiziert wurde, seien 50 Jahre oder älter gewesen, berichtet der Bay Area Reporter.

01. Februar 2011: Der Pharmakonzern Gilead hat die Laufzeit einer Phase-III-Studie seines experimentellen Integrasehemmers Elvitegravir auf Empfehlung der US-Medikamentenbehörde FDA von 48 auf 96 Wochen verlängert.

Akute Hepatitis C bei HIV-Positiven: neue Empfehlungen

In der online-Ausgabe der Fachzeitschrift AIDS wurden Empfehlungen zum Umgang mit akuter Hepatitis C bei HIV-Infizierten veröffentlicht.

Die Empfehlungen sind Ergebnis einer Konsensus-Konferenz zur akuten Hepatitis-C-Infektion bei HIV-Positiven. Das European AIDS Treatment Network (NEAT) lud zu einem Meeting am 21. Mai 2010 in Paris ein, an dem u.a. Vertreter der European AIDS Clinical Society (EACS) Hepatitis Group, der European Association for the Study of the Liver (EASL), der European Study Group on Viral Hepatitis (ESGVH) der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) sowie der European AIDS Treatment Group (EATG) teilnahmen.

Die neuen Empfehlungen „Acute hepatitis C in HIV-infected individuals – recommendations from the NEAT consensus conference“ beschäftigen sich u.a. mit der Definition akuter Hepatitis C, dem Screening auf HCV-Infektion, Möglichkeiten der Risiko-Reduzierung, sowie Behandlungsmöglichkeiten der akuten Hepatitis-C-Infektion.

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weitere Informationen:
Acute hepatitis C in HIV-infected individuals – recommendations from the NEAT consensus conference (abstract)
aidsmap 15.12.2010: European recommendations issued on acute hepatitis C infection in patients with HIV
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UK: neue Therapierichtlinie HIV & Hep

Die British HIV Association BHIVA hat eine völlig überarbeitete Ausgabe ihrer Therapierichtlinie für die Ko-Infektion von HIV und Hepatitis B bzw. Hepatitis C heraus gegeben.

Die British HIV Association hat ihre Therapie-Richtlinien für die Behandlung der Ko-Infektion von HIV und Hepatitis B bzw. Hepatitis C nach 5 Jahren neu herausgegeben.

BHIVA

2005 waren die Vorläufer der jetzigen Therapie-Richtlinie noch separat für Hepatitis B und für Hepatitis C erschienen. Die neue, 30 Seiten umfassende Therapierichtlinie fasst nun beide Ko-Infektionen zusammen.

weitere Informationen:
BHIVA: British HIV Association guidelines for the management of coinfection with HIV-1 and hepatitis B or C virus 2010 (pdf)
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Hepatitis C bei HIV-Positiven

Auf internationalen Aids-Konferenzen werden immer wieder alarmierende Berichte über Hepatitis C vorgestellt – insbesondere über „Ausbrüche von Hepatitis C unter schwulen Männern“. Viel diskutiert dabei insbesondere: auf welchem Weg finden Hepatitis-C – Neuinfektionen bei schwulen Männern statt? Warum haben bestimmte Menschen ein besonders hohes Infektionsrisiko? Warum besonders auch HIV-Positive? Und wie ist die Situation in Deutschland?

CROI 2009 – was sind Risikofaktoren für sexuelle Übertragung von Hepatitis C bei HIV-positiven schwulen Männern?

Auf der 16. CROI (Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections; Montreal 2009) wurden erneut (wie in Vorjahren) Hinweise für eine weiterhin stattfindende Hepatitis-C-Epidemie unter schwulen HIV-positiven Männern vorgestellt – besonders auf einen deutlichen Anstieg akuter HCV-Infektionen.

Aus Amsterdam (1) berichteten van den Berk und Kollegen über steigende Zahlen von frischen Hepatitis-C-Infektionen (2003: 2 Fälle;  2004: 1; 2005: 9; 2006: 12; 2007: 6; 2008: 14 in den ersten 8 Monaten). Die Ärzte betonten, damit sei 2008 je einer von 66 HIV-Positiven Patienten in ihrer Klinik mit Hepatitis-C-infiziert; 59% von ihnen (basierend auf früheren negativen Tests auf Hepatitis C) sind erst seit weniger als einem Jahr mit Hepatitis C infiziert. Da keiner ihrer Patienten klassische Risikofaktoren wie intravenösen Drogengebrauch oder medizinischen Kontakt mit infiziertem Blut hatte, gehen sie von sexueller Übertragung aus.

Fierer (2) berichtete über einen akuten Ausbruch von Hepatitis C unter schwulen Männern in New York, und u.a. über Risiko-Faktoren einer HCV-Infektion. Bei 21 HCV-infizierten Männern im Vergleich zu ihnen ansonsten ähnlichen HCV-negativen Männern untersuchte er Risikofaktoren – und stellte als signifikant fest ungeschützten analen rezeptiven Sex mit und ohne Ejakulation, den Gebrauch von Sex Toys sowie „Sex während ich high war“.
Fisten, das oftmals als bedeutendster Risikofaktor eingeschätzt wird, war kein signifikanter Risikofaktor – allerdings mit einem unerwarteten Unterschied: beim Fisten ein ‚Bottom‘ zu sein schien kein Risiko darzustellen, während ein ‚Top‘ zu sein an der Schwelle zur Signifikanz als Risikofaktor war.

Ghosn und Kollegen (3) berichteten aus Frankreich über sexuelle Übertragung von Hepatitis C. Während jedoch aus anderen Zentren überwiegend Hepatitis-C-Infektionen des Genotyps 1 berichtet werden, zeigten nahezu die Hälfte der Pariser HCV-Patienten den vergleichsweise selteneren Genotyp 4. Zudem wiesen alle 15 Patienten mit Genotyp 4 genetisch nahezu identische Virus-Stämme auf – Hinweis auf eine schnelle Übertragung innerhalb eines Sex-Netzwerks schwuler Männer.

CROI 2008 – Therapie-Erfolge und Re-Infektionen

Bereits ein Jahr zuvor waren ebenfalls interessante die Daten auf der ’15th Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections‘ (3. bis 6. Februar 2008 in Boston) vorgestellt worden.

Eine anschlagende HCV-Therapie kann die Langzeit-Folgen von Hepatitis C deutlich verringern, berichteten spanische Forscher: eine langanhaltend erfolgreiche anti-HCV-Therapie vermindert Leber-Komplikationen und Todesfälle bei Menschen, die mit HIV und HCV ko-infiziert sind.

Allerdings haben HIV-Positive, die sich später mit Hepatitis C infizieren, möglicherweise ein höheres Risiko schneller Leberschäden (Fibrose). Dr. Fierer (6), Infektiologe aus New York, beschrieb Fälle von akuter Hepatitis C bei HIV-infizierten Patienten, die mit beschleunigter Leberfibrose verbunden waren. Dies wurde bei Leberbiopsien festgestellt (die in Europa nicht systematisch üblich sei), wie Dr. Fierer in einem Interview erläuterte. Eine ausgeprägte Leberfibrose bereits in diesem frühen Erkrankungsstadium sei bisher selten beobachtet worden; bei HIV-Positiven könne die zugrunde liegende Immunsuppression möglicher Grund sein.

Eine sogenannte Maintenance-Therapie der Hepatitis C scheint keinen Nutzen für die Patienten zu bringen:
Viele HIV-positive Patienten mit Hepatitis-C sprechen nur unzureichend auf eine medikamentöse Therapie gegen HCV (Hepatitis-C-Virus) an. Ärzte in den USA (5) untersuchten an 330 HIV- und HCV-koinfizierten Teilnehmern, ob bei HIV-Positiven, die nicht auf eine Therapie aus pegyliertem Interferon und Ribavirin ansprachen, durch eine fortgesetzte Therapie mit pegyliertem Interferon die Rate der Leber-Fibrose reduziert / verlangsamt werden könnte. Die auf 72 Wochen Dauer geplante Studie wurde im April 2007 vorzeitig abgebrochen – es wurde kein Unterschied zwischen behandelter und unbehandelter Gruppe festgestellt.

Daten aus Großbritannien (Jones et al. (4)) legten die Vermutung nahe, dass manche HIV-positiven Männer in London sich erneut mit Hepatitis C infiziert haben (Re-Infektion), nachdem sie vorher eine erfolgreiche Therapie einer vorherigen Hepatitis-C-Infektion absolviert hatten. Bei allen teilnehmenden schwulen oder bisexuellen Männern war zuvor nach erfolgreicher anti-HCV-Behandlung mindestens zweimal eine nicht nachweisbare HCV-Viruslast gemessen worden.
Ein Wiederaufflammen einer erfolgreich therapierten Hepatitis C nach über sechs Monaten ist ungewöhnlich. Die Forscher vermuteten aufgrund genetischer Analysen (phylogenetische Untersuchungen), dass es sich bei einigen um neue Infektionen (nicht Wiederaufflammen der früheren Infektion) handelt. Sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis oder LGV könnten dabei eine Rolle gespielt haben.

Die epidemiologische Situation in Deutschland

Ein wenig anders als in den USA, Großbritannien und den Niederlanden scheint sich die Situation in Deutschland darzustellen – in den RKI-Daten finden sich zunächst keine Anzeichen für eine Welle frischer HCV-Infektionen:

2008 wurden laut RKI (Abfrage SurvStat 01.04.2009) in Deutschland 6.211 Hepatitis-C – Neudiagnosen gemeldet.

2001: 8673 Fälle
2002: 6584 Fälle
2003: 6917 Fälle
2004: 9039 Fälle
2005: 8281 Fälle
2006: 7562Fälle
2007: 6869 Fälle
2008: 6211 Fälle
Tab. 1: Übermittelte Hepatitis C-Fälle nach Jahr , Deutschland, Fälle entsprechend der Referenzdefinition des RKI; Datenstand: 01.04.2009 (Robert Koch-Institut: SurvStat)

Ein ähnliches Bild stellt sich für Berlin (Region in Deutschland mit der höchsten Hepatitis-C – Inzidenz):
2001: 90 Fälle
2002: 147 Fälle
2003: 541 Fälle
2004: 979 Fälle
2005: 994 Fälle
2006: 899 Fälle
2007: 751 Fälle
2008: 762 Fälle
Tab. 2: Übermittelte Hepatitis C-Fälle nach Jahr , Deutschland, Bundesländer: Berlin; Fälle entsprechend der Referenzdefinition des RKI; Datenstand: 01.04.2009 (Robert Koch-Institut: SurvStat)

Die Daten beziehen sich auf die Gesamtbevölkerung Deutschland – und lassen insofern nur bedingt Rückschlüsse auf die Situation bei schwulen Männern oder bei HIV-infizierten schwulen Männern zu.
Der Situationsbericht des RKI (s.u.) von 2008 spricht von einem Anteil von 22,6%  sexuelle Übertragung und bezeichnet diesen als einen „vergleichsweise ineffektiven Übertragungsweg“.
HIV- und STD-Behandler aus Berlin und anderen Großstädten Deutschlands jedoch berichten immer wieder über Häufungen von Fällen von Hepaitits C bei ihren schwulen HIV-positiven Patienten. Genauere Daten liegen für diese Gruppe jedoch kaum vor.

weitere Informationen:
Der Teil des Artikels über Hepatitis C auf der CROI 2009 folgt in Teilen dem Artikel „Double trouble – how hepatitis C is on the increase in HIV-positive gay men“ (Gus Cairns, in: hiv treatment update, März 2009)
(1)Van den Berk et al.: Rapid Rise of acute HCV cases among HIV-infected men who have sex with men, Amsterdam (CROI 2009, abstract 804)
(2) Fierer et al.: Characterisation of an outbreak of acute HCV infection in HIV-infected men in New York City (CROI 2009, abstract 802)
(3) Ghosn et al.: Evidence of ongoing sexual transmission of hepatitis C (2006 to 2007) among HIV-1-infected men who have sex with men (CROI 2009, abstract 800)
(4) Jones et al.: (CROI 2008 abstract 61LB)
(5) Sherman et al. (CROI 2008, oral abstract 59)
(6) Fierer et al.: An Emerging Syndrome of Rapid Liver Fibrosis in HIV-infected Men with Acute HCV Infection (CROI 2008, poster abstract 1050)
Hepatitis C: Situationsbericht Virushepatitiden B, C und D in Deutschland 2007 des RKI im Epidemiologischen Bulletin 46/2008
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Die einzelnen Kapitel:

1 Hepatitis A – Epidemiology, transmission and natural history
2 Hepatitis B – Epidemiology, transmission and natural history
3 Hepatitis C – Epidemiology, transmission and natural history
4 Hepatitis E – Epidemiology, transmission and natural history
5 HBV Virology
6 HCV Virology
7 Prophylaxis and vaccination of viral hepatitis

Hepatitis B and D
8 Acute and chronic hepatitis B – Diagnostic tests
9 HBV Treatment – Standard of care
10 HBV – Resistance and implications for therapeutic strategies
11 Hepatitis D – Diagnostic procedures and therapy

Hepatitis C
12 Acute and chronic hepatitis C – Diagnostic tests
13 Standard of care
14 New agents for treatment
15 Management of adverse drug reactions
16 Extrahepatic manifestations of chronic hepatitis C

Coinfections
17 Management of HBV/HIV coinfection
18 Management of HCV/HIV coinfection
19 Management of HBV/HCV coinfection

Liver Fibrosis
20 Assessment of hepatic fibrosis in chronic viral hepatitis

Hepatocellular Carcinoma (HCC)
21 Diagnosis, prognosis & therapy

Liver Transplantation
22 Management of patients before and after liver transplantation
23 Liver transplantation in hepatitis B and C and HIV coinfection

Autoimmune and Metabolic Liver Disease
24 Metabolic Liver Diseases: Haemochromatosis
25 Metabolic Liver Diseases: NAFLD & NASH
26 Metabolic Liver Diseases: Wilson’s Disease
27 Autoimmune hepatitis, PSC and PBC – Etiology, diagnosis, Natural History and Therapy

Zu den Herausgebern von ‚Hepatology 2009‚ gehören u.a. S. Mauss und J. Rockstroh.

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und … Dank an ‚Leviathan‘ vom Forum HIV für den Hinweis …