USA: Regierung lässt langjährigen Lebenspartner eines HIV-Positiven abschieben (akt.)

Brad und Anthony sind seit 19 Jahren zusammen. 2005 heirateten sie im US-Bundesstaat Massachusetts. Seit langem wohnen sie zusammen im Castro District in san Francisco. Doch – nur noch bis maximal zum 25. August. Dann ist das späteste Datum, zu dem Anthony die USA verlassen muss. Der HIV-positive Brad dorht aufgrund einer Regierungsentscheidung seinen Lebenspartner zu verlieren.

Ein schwules Paar wie viele in den USA – doch Anthony ist im Gegensatz zu Brad nicht US-Bürger, sondern gebürtiger Australier. Beide beantragten bei den zuständigen US-Behörden eine permanente Aufenthaltserlaubnis für Anthony. Doch der ‚U.S. Citizenship and Immigration Services‘ lehnte den Antrag mit Entscheidung vom 26. Juli 2011 ab. Die Behörde berief sich dabei auf den ‚Defense of Marriage Act‘ aus dem Jahr 1996, mit dem untersagt wird, Vorteile wie verschiedengeschlechtliche Paare sie erhalten auch homosexuellen Paaren zu gewähren.

US-Präsident Obama hatte im Frühjahr 2011 entscheiden, dass das als DOMA bekannte Gesetz wegen Verstoßes gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz nicht verfassungsgemäß sei. Die Regierung werde es nicht länger vor Gericht verteidigen. Doch Politiker der Republikaner kündigten an, sich für ein Beibehalten des Gesetzes einzusetzen.

.

Aktualisierung
19.08.2011, 19:20:
Medienberichten zufolge plant die US-Regierung Änderungen an den Einwanderungs-Bestimmungen, die auch schwulen und lesbischen Paaren zugute kommen könnten.
Für Brad und Anthony dürfte diese Änderung allerdings zu spät kommen …

.

weitere Informationen:
San Francisco Chronicle 09.08.2011: S.F. gay married couple loses immigration battle
CNN 190.08.2011: Caregiver of husband with AIDS facing split by deportation over DOMA
Yagg 16.08.2011: États-Unis: L’administration Obama veut expulser l’époux d’un malade du sida
Pinksnews 19.08.2011: White Houise announces Immigration changes that could benefit gay couples
.

Kurz notiert … August 2011

26. August 2011: Ein Artikel in der Fachzeitschrift ‚The Lancet‘ warnt wegen möglicher Schäden für die betreffenden Personen wie die Bevölkerung vor der voreiligen (US-) Zulassung von antiretroviralen Medikamenten für Prä-Expositions-Prophylaxe PrEP.

23. August 2011: Eine große US-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der HPV-Impfstoff Cervarix® Frauen auch deutlich vor analen Tumoren schützt, die von HPV verursacht werden.

18. August 2011: Drogenabhängige Gefangene können in Baden-Württemberg künftig auch mit Diamorphin (pharmazeutisch erzeugtem Heroin) behandelt werden.
Die Bundesregierung würde weitere Standorte für diamorphingestützte Behandlung begrüßen.

Forscher haben wirksame Antikörper gegen HIV entdeckt.

11. August 2011: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat am 10.8.2011 einer Dreier-Kombinations-Pille aus Emtricitabine, Rilpivirine und Tenofovir die US-Zulassung bei therapie-naiven Erwachsenen erteilt. Die Vermarktung erfolgt unter dem Handelsnamen ‚Complera®‘.

08. August 2011: Die HIV-Inzidenz ist in den USA zwischen 2006 und 2009 vergleichsweise stabil geblieben, unter anderem bei jungen Homosexuelle allerdings habe es Steigerungen gegeben, berichten US-Forscher.

03. August 2011: HIV breite sich unter Homosexuellen in den Staaten Arabiens „explositionsartig“ aus, berichtet das französische Schwulen-Magazin ‚Tetu‘ über eine Studie aus Katar.

02. August 2011: Die US- Kongress-Abgeordnete Barbara Lee (Demokraten) will im September einen Gesetzentwurf in den Kongress einbringen, mit dem HIV-Kriminalisierungs-Gesetzen in US-Bundesstaaten ein Ende gemacht werden soll.

750.000 Euro, die der Pop-Sänger Elton John der Regierung Irlands spendete, wurden nicht verwendet, berichtet PinkNews. Elton John hatte das Geld zweckgebunden für Nadeltausch-Projekte gespendet. Das Projekt wurde jedoch gestoppt, so die irische Regierung.

01. August 2011: Der Regierung von Botswana wird vorgeworfen, HIV-Positiven Insassen von Haftanstalten antiretrovirale Behandlung zu verweigern.

Aktivisten fordern den US-Bundesstaat Iowa auf, ein Gesetz abzuschaffen oder zu überarbeiten, dass HIV-Übertragung kriminalisiert.

Kurz notiert … Juli 2011

26. Juli 2011: Alexander McQueen, am 11. Februar 2011 verstorbener britischer Modedesigner, hat aus seinem 16 Millionen Pfund umfassenden Nachlass 100.000 Pfund der britischen Aids-Organisation Terrence Higgins Trust vermacht.

25. Juli 2011: Dem Kondom-Hersteller Durex werden die Kondome knapp, aufgrund einer bereits seit Mai 2011 andauernden Auseinandersetzung mit einem indischen Lieferanten.

20. Juli 2011: Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat dem Hepatitis-C- Proteasehemmer Boceprevir (Handelsname Victrelis®) die Zulassung erteilt.

18. Juli 2011: Der Pharmakonzern Abbott kündigt an, eine Kombi-Pille aus Kaletra® und 3TC zu entwickeln.

14. Juli 2011: Die Regionen in den USA mit den höchsten HIV-Infektionsraten zählen zugleich zu den ärmsten Regionen der USA, berichten US-Medien. In den am meisten von HIV betroffenen Regionen im Süden der USA lebe einer von fünf HIV-Positiven unterhalb der Armutsgrenze.

13. Juli 2011: Zwei große Studien zur Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) haben gezeigt, dass Tenofovir bzw. Tenofovir plus Emtricitabine das Risiko einer sexuellen HIV-Übertragung bei heterosexuellen Paaren um 62 bzw. 73% reduzieren können.

12. Juli 2011: Liza Minelli wurde zum ‚Offizier‘ der französischen Ehrenlegion ernannt, u.a. wegen ihrer Verdienste um die Aids-Bekämpfung. Die Ehrenlegion ist die höchste Auszeichnung Frankreichs.

11. Juli 2011: Australien: HIV-positiver Mann zu 3 Jahren Haft verurteilt wegen Gefährdung von 3 Frauen durch ungeschützten Sex. Keine der Frauen wurde mit HIV infiziert.

Wissenschaftler haben in Japan einen Gonorrhoe- (auch: Tripper) Stamm entdeckt, der gegen die eingesetzten Antibiotika resistent ist.

Jerry Herman, offen HIV-positiver Hollywood-Erfolgs-Komponist u.a. der Musicals „Hello Dolly“ oder „La Cage Aux Folles“ (Ein Käfig voller Narren) wurde am 10. Juli 80 Jahre alt.

08. Juli 2011: Schweiz: eine 32jährige Frau aus Ostafrika wurde wegen schwerer Körperverletzung zu einer „teilbedingten Freiheitsstrafe“ von drei Jahren verurteilt. Falls das Urteil rechtskräftig wird, droht der Frau die Abschiebung aus der Schweiz.

05. Juli 2011: Millionen HIV-Positive, die auf günstige Aids-Medikamente angewiesen sind, werden sterben, falls Indien aufgrund des Handelsabkommens mit der EU aufhören muss, generische Aids-Medikamente herzustellen. Dies betont UNAIDS-Direktor Michel Sidibé.

04. Juli 2011: Eine Gruppe von 55 US-Ärzten fordert die US-Arzneimittelbehörde FDA auf, Truvada® nicht als ‚Präventions-Pille‚ zuzulassen.

03. Juli 2011: „Will Karel De Gucht be responsible for millions deaths ?“ EU-Handelskommissar Karel de Gucht wurde am frühen Sonntag Morgen von Aktivisten von ACT UP Paris geweckt (Video), die gegen die (von de Gucht vertretene) Position der EU in Handelsabkommen protestierten. Die Haltung der EU gefährde die Versorgung von Millionen HIV-Positiven mit preiswerten Generika.

02. Juli 2011: „Die gestoppten Gelder für den Globalen Fonds schnellstens freigeben“, fordert (nicht nur) die Deutsche Aids-Hilfe von Bundesentwicklungsminister Niebel.

01. Juli 2011: Der Schmuck der am 23. März 2011 verstorbenen Filmschauspielerin Elizabeth Taylor soll im Dezember 2011 versteigert werden. Der Erlös soll der Elizabeth Taylor Aids Foundation zugute kommen.

Einige Aids-Medikamente der Klasse der NRTIs können bei HIV-Positiven zu vorzeitiger Alterung beitragen. Die durch sie verursachten Veränderungen an den Mitochondrien könnten irreversibel sein, so Wissenschaftler.

USA: Zwang zu veralteten Aids- Medikamenten für Positive mit niedrigem Einkommen in South Carolina

HIV-Positive mit geringem Einkommen im Gesundheitsprogramm ‚Medicaid‘  müssen im US-Bundesstaat South Carolina zukünftig zunächst generische Aids-Medikamente der „ersten Generation“ wie AZT nehmen. Dies beschloss der Senat des Bundesstaats.

Menschen mit besonderer Bedürftigkeit erhalten in den USA Medizin-Leistungen über das staatliche Programm ‚Medicaid‘. Über 46 Millionen Bürger der USA erhalten Leistungen aus Medicaid.

Im US-Bundesstaat South Carolina sollen HIV-Positive, die Leistungen von Medicaid erhalten, zukünftig aus Kostengründen gezwungen werden, zunächst Aids-Medikamente der ‚ersten Generation‘ zu verwenden, die als Generika erhältlich sind. Hierzu gehören in den USA Didanosin (Handelsname Videx®), AZT (Handelsname Retrovir®) und Stavudin (Handelsname Zerit®). Erst wenn ein Arzt anschließend feststellt, dass generische Aids-Medikamente nicht ausreichend wirksam sind, darf er/sie die anderen (kostenintensiveren weil patentgeschützten) Aids-Medikamente verordnen.

Vergleichbare Regelungen sollen auch für Patienten mit Krebs oder psychischen Störungen gelten. Eine entsprechende Regelung, die ab 1. Juli 2011 Anwendung finden soll, beschloss der Senat des US-Bundesstaats South Carolina Anfang Mai 2011. Der Senat verspricht sich von der Neuregelung aufgrund einer Schätzung der US-Gesundheitsverwaltung jährliche Einsparungen in Höhe von 991.000 US-$. Da zukünftig mehr Aids-Medikamente aus dem Patentschutz fallen und auch als Generika erhältlich sein werden, dürften die Einsparungen zukünftig steigen.

Ob auch Faktoren wie verschiedene Nebenwirkungs-Spektren der Aids-Medikamente erster Generation im Vergleich mit denen mit späterer Zulassung oder die Lebensqualität der betroffenen HIV-Positiven in der Debatte eine Rolle spielten, ist nicht bekannt.

Didanosin und AZT gehören zu den ersten je zugelassenen Medikamenten gegen HIV. Didanosin wird wegen seiner Nebenwirkungen (mitochondriale Toxizität) üblicherweise in Europa nicht mehr in Erst-Therapien eingesetzt, sondern nur als Ausweich-Medikament genutzt. Auch AZT ist für seine Nebenwirkungen (u.a. ebenso mitochondriale Toxizität) bekannt. Stavudin (Handelsname Zerit®) soll in Europa aufgrund seiner Toxizität nur in antiretroviralen Therapien eingesetzt werden, wenn keine anderen Alternativen bestehen, teilte die europäische Arzneimittelbehörde EMA im Februar 2011 mit.

‚Medicaid‘ ist eine sozialhilfeartige Leistung. Es ist „ein Gesundheitsfürsorgeprogramm in den USA, das die Bundesstaaten organisieren und Bundesstaat und Bundesregierung paritätisch finanzieren. … Zielgruppe sind Personenkreise mit geringem Einkommen, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen. Das Programm wird weitgehend aus Steuermitteln betrieben. Der Erhalt von Leistungen ist an eine Bedürftigkeitsprüfung geknüpft.“ (wikipedia)

.

weitere Informationen:
Bloomberg 03.05.2011: Senate resumes debate on SC’s $5.8B spending plan
The Sun News 28.04.2011: Senators: Generic drugs can trim Medicaid costs
Go Upstate 27.04.2011: SC lawmakers halt access to brand-name drugs
.

‚Test and Treat‘ – Gefahr für ganzheitliche HIV-Prävention ?

Insbesondere in den USA wird in einigen Regionen massiv eine ‚test and treat‘ – Strategie zur Bekämpfung der HIV-Epidemie gefördert. Doch dies könnte nicht ausreichen für eine erfolgreiche HIV-Prävention, zeigt eine neuere Studie – und könnte zudem sowohl ganzheitliche HIV-Prävention als auch die Arbeit von Aids-Organisationen gefährden, befürchten andere.

Insbesondere in den USA wird breit über die Möglichkeiten der Strategie ‚test and treat‘ diskutiert. Eine jetzt publizierte Studie hat untersucht, ob mit dieser Strategie die HIV-Epidemie in den USA kontrolliert werden könnte – und kommt zu dem Ergebnis, ‚test and treat‘ allein sei nicht ausreichend.

“test and treat”, dieses Konzept meint ‘umfassende Testung auf HIV und sofortige antiretrovirale Behandlung aller Personen, die als HIV-positiv diagnostiziert werden‘, unabhängig davon ob eine antiretrovirale Behandlung im individuellen Fall tatsächlich auch medizinisch erforderlich ist:

„a strategy of universal voluntary HIV testing for persons aged ≥15 years and immediate administration of antiretroviral therapy for those found to be positive“ (Joep Lange; s.u.)

Doch ‚test and treat‘ könnte in der Praxis auf Probleme stoßen – und sich allein als nicht ausreichend erweisen, die HIV-Übertragung weitestgehend zu unterbinden. Zu diesem Schluss kommen Forscher in einer Mitte März veröffentlichten Untersuchung.

„Aids“ – russische 90 Rubel Briefmarke 1993 (wikimedia commons / Vizu)

Verspätete HIV-Diagnose, ein niedriges Maß an (dauerhafter) Überweisung an HIV-Spezialisten sowie suboptimale Therapietreue könnten die Möglichkeiten von ‚test and treat‘ unterminieren, die Übertragung von HIV massiv zu reduzieren.

Die Autoren äußern die Befürchtung, diese Problem könnten die Wirksamkeit von ‚test and treat‘ insgesamt gefährden:

„poor engagement in care for HIV-infected individuals will substantially limit the effectiveness of test-and-treat strategies“ (Gardner et al.; abstract; s.u.)

Selbst im besten Szenario, so die Autoren, habe ein Drittel aller HIV-Positiven in den USA [einschließlich derjenigen, die nicht von ihrem positiven HIV-Status wissen, d.Verf.] eine nachweisbare Viruslast und könne somit potentiell HIV auf andere Personen übertragen.

Besser als ‚test and treat‘ allein, so der Amsterdamer Aids-Experte Joep Lange in einem den Artikel begleitenden Kommentar, könne vor diesem Hintergrund eine ‚kombinierte Prävention‘ sein.

In den USA wird derzeit von manchen Experten massiv der Ansatz ‚test and treat‘ gefördert. Soweit, dass bereits Befürchtungen geäußert werden, hierbei könnten ganzheitliche Präventions-Ansätze gefährdet werden. So könne ‚test and treat‘ auch dazu führen, dass Aids-Organisationen zunehmend weniger Mittel zur Verfügung gestellt werden, befürchten zum Beispiel Organisationen in Kalifornien.

Bereits 2010 hatte eine Studie aus China Hinweise darauf geliefert, dass das Konzept ‚test and treat‘ im realen Leben komplexer und problematischer sei als in der Theorie erwartet.  Auch in Deutschland sind zudem Warnungen vor einer zunehmenden Medikalisierung der HIV-Prävention und deren Folgen zu hören.

.

Eine bemerkenswerte Situation, eine Debatte die staunen lässt.

Bemerkenswert ist zum einen, mit welcher Intensität manche Experten die baldmögliche Einführung der Strategie ‚test and treat‘ befürworten und herbeizureden versuchen. Und angesichts neuer Daten und Erfahrungen fragen, ob denn ‚test and treat‘ genug ist – oder was ansonsten noch zu unternehmen sei.

Bemerkenswert ist vor allem aber, dass derzeit nur wenige Experten noch generell hinterfragen, wie verantwortbar das Konzept ‚test and treat‘ ist.

De facto bedeutet ‚test and treat‘, dass nicht nur breit auf HIV getestet wird, sondern auch, dass möglichst jede erkannte HIV-Infektion sofort und dauerhaft antiretroviral behandelt wird. Sofort – dies bedeutet auch: als HIV-positiv getestete Menschen werden antiretroviral behandelt, unabhängig davon, ob es für ihre individuelle (persönliche, medizinische, Lebens-) Situation überhaupt erforderlich, passend und sinnvoll ist.

Hier drohen nicht nur individuelle Gesundheit und individuelle Freiheitsrechte (z.B. das Recht, selbst über einen etwaigen Therapiebeginn zu entscheiden) unter die Räder zu geraten – was schlimm genug ist.

Sondern hier werden auch gesellschaftspolitische Akzente verschoben – mit weitreichenden Folgen. Test and treat, diese Strategie stellt den (vermeintlichen) gesamtgesellschaftlichen Nutzen (der erhofften Senkung der Anzahl der HIV-Neuinfektionen) über die individuelle Freiheit.

Die Freiheit des Einzelnen wird dabei potentiell dem höheren Wohl der ‚Volksgesundheit‘ untergeordnet. Eine Politik, die nach den Debatten um die Grundausrichtung der Aids-Politik längst überwunden schien. Eine Politik, die letztlich bitter an den Bayrischen Massnahmen-Katalog und seine freiheitsfeindlichen Tendenzen erinnert.

Diese Debatte jedoch wird kaum geführt – statt dessen werden Optimierungs-Möglichkeiten von ‚test and treat‘ vorgeschlagen.

.

weitere Informationen:
Gardner EM et al. The spectrum of engagement in HIV care and its relevance to test-and-treat strategies for prevention of HIV infection. Clin Infect Dis 52: 793-800, 2011 (abstract)
Lange JMA. “Test and Treat”: is it enough? Clin Infect Dis, 52: 801-02, 2011 (Intro)
aidsmap 25.03.2011: Test-and-treat not enough to control HIV epidemic in the US
Bay Area Reporter 24.03.2011: New prevention plan likely to shuffle money for AIDS orgs
.

USA: deutlicher Rückgang Hepatitis C zwischen 1982 und 2006

In den vergangenen 25 Jahren ist die Häufigkeit von akuter Hepatitis C in den USA stark zurück gegangen. Dies betont eine neue Analyse der US-Gesundheitsbehörde CDC.

Die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control (CDC) hat Ende Februar 2011 eine Analyse vorgestellt, die zeigt, dass insgesamt die Inzidenz akuter Hepatitis C in den USA zwischen 1982 und 2006 stark zurück gegangen ist.

Die Studie unter dem Titel „Incidence and Transmission Patterns of Acute Hepatitis C in the United States, 1982-2006“ wurde in den „Archives of Internal Medicine“ publiziert.

Mitte der 1980er Jahre entwickelten jährlich ungefähr 70 von 1 Million US-Amerikaner akute Hepatitis C.  Zwischen 1994 und 2006 fiel diese Zahl auf jährlich 7 pro 1 Million. Zwischen 1994 und 2006 traten 46 Prozent der Fälle akuter Hepatitis C bei iv-Drogengebraucher/innen auf (Mitte der 1980er: 32%).

.

weitere Informationen:
Williams Ian T. et al.: Incidence and Transmission Patterns of Acute Hepatitis C in the United States, 1982-2006 (abstract)
CDC NPIN 15.02.2011: US Hepatitis C Cases down sharply since 1980s
.

Der New Yorker gratis – Kondom-Finder …

Am 13. Februar war (in Deutschland unbemerkt) ‚International Condom Day‘, am Tag darauf Valentinstag. Die Stadt New York bietet ihren Bürgern seit dem 14. Februar 2011 einen besonderen Service: nicht nur gratis Kondome, sondern auch eine iPhone-App, die den Weg zu den nächstgelegenen Verteilstellen weist.

Die Stadt New York stellt – nicht erst im Rahmen ihres HIV/Aids-Programms – schon seit 1971 kostenlos Kondome bereit, die stadtbekannten NYC Condoms. Spontan Lust auf Sex, aber kein Kondom parat? In New York ein leicht lösbares Problem. Noch leichter, seitdem die Stadt auch eine iPhone-App anbietet, die den Weg weist zur nächsten Ausgabestelle: der ‚NYC Condom Finder‘.

Die Gesundheitsbehörde der Stadt New York schreibt über ihren am Valentinstag 14.2.2011 vorgestellten ‚Condom Finder‘ im ‚AppStore‘

„NYC Condom Finder by NYC Health helps you find FREE condoms no matter where you are in New York City. Find Condoms NYC uses your iPhone’s GPS to locate and provide walking directions to the 5 nearest venues that distribute FREE NYC Condoms!“

Die App ortet über die GPS-Funktion des iPhone den Standort des Benutzers und schlägt ihm auf einer Karte die nächstgelegenen fünf Verteilstellen vor. Insgesamt stehen in den fünf Stadtteilen Brooklyn, Bronx, Manhattan, Queens und Staten Island über 3.000 Vertriebsstellen bereit, an denen gratis Kondome ausgegeben werden.

Der New York City Condom Finder (Screenshot)
Der New York City Condom Finder (Screenshot)

Die Aids-Hilfe Schweiz bietet schon länger einen ähnlichen Service – allerdings ohne gratis-Kondome – an, den Kondom Localizr, der den Weg weist zum nächsten Kondom-Automaten.

[via justapps]

.

weitere Informationen:
New Yoprk City 14.02.2011: Health Department Launches NYC Condom Finder Mobile Phone Application in Time for Valentine’s Day
iTunes: NYC Condom Finder by NYC Health
auch als website: findnyccondoms.com
New York: Liste der Verteilstellen
.

Was bedeutet HIV – Kriminalisierung für Frauen ?

Ein neu veröffentlichtes Paper des US- ‚Center for HIV Law and Policy‘ beschäftigt sich damit, wie sich die Kriminalisierung von HIV und HIV-Übertragung auf Frauen in den USA auswirkt.

Die Kriminalisierung der HIV-Übertragung führt zu einer Vielzahl von praktischen und juristischen Fragen – gerade auch für Frauen mit HIV. Hiermit setzt sich eine neue Broschüre des Centers for HIV Law auseinander.

Das Paper „What HIV Criminalization Means to Women in the U.S.“ des ‚Positive Justice Project‘ des ‚Centers for HIV Law and Pllicy‘ wendet sich direkt an Frauen mit und ohne HIV sowie ihre Anwälte. Neben grundlegenden Informationen über Kriminalisierung behandelt das Paper besonders deren Auswirkung auf HIV-positive Frauen und stellt Hilfsangebote vor.

Neben dem HIV-Law-Center selbst waren auch Frauen der ‚National Association of People with Aids‘ sowie des ‚Positive Women’s Network‘ an der Erstellung der Broschüre beteiligt.

.

weitere Informationen:
Center for HIV Law and Policy / Positive Justice Project 09.02.2011: What HIV Criminalization Means to Women in the U.S. (pdf)
.

Kurz notiert … Februar 2011

27. Februar 2011: Der deutsche Zahlungsstopp bedroht nach internen Berechnungen des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria mindestens 43.000 Leben.

25. Februar 2011: Die US-Medikamentenbehörde FDA hat die Packungsbeilage von Kaletra® hinsichtlich Frühgeborener überarbeitet. Die Packungsbeilage für Viracept® (Nelfinavir) wurde um Wechselwirkungs-Angaben für Warfarin ergänzt.

23. Februar 2011: Pharmaunternehmen entschädigen Bluter mit Hepatitis C.

21. Februar 2011: Nur gut ein Fünftel der HIV-Positiven in der Ukraine erhält antiretrovirale Therapie – und selbst sie sehen sich jetzt massiven Versorgungsproblemen ausgesetzt.

19. Februar 2011: Die bisher detaillierteste dreidimensionale Darstellung von HIV durch ein Team des russischen Unternehmens Visual Science gewann in der Kategorie ‚Illustration‘ den Preis der ‚International Science and Engineering Visualization Challenge 2010‘.

18. Februar 2011: Die Bestimmung von CD4-Zellzahlen ist elementar, u.a. für Therapieentscheidungen. Für Positive in nicht oder weniger industrialisierten Staaten sind kostengünstige Tests besonders wichtig. Doch ein Medizintechnik-Konzern macht Probleme.

16. Februar 2011: Der Impfstoff Silgard/Gardasil kann bei jungen Männern das Entstehen von Feigwarzen deutlich vermindern.

15. Februar 2011: ACT UP Paris demonstriert vor dem französischen Pharma-Verband LEEM dafür, dass zwei neue Substanzen gegen Hepatitis C auch an Menschen getestet werden, die mit HIV und Hepatitis C koinfiziert sind.

In Südafrika beginnt eine Phase-IIb-Studie mit Sutherlandia frutescens (Ballonerbse). Sutherlandia wird in Südafrika als traditionelle Medizin eingesetzt (und ist auch einigen Positiven hierzulande seit langem bekannt). Die Studie des ‚South African Herbal Science and Medicine Institute‘ (SAHSMI) soll die Pflanze auf ihr Potential zur Behandlung von Begleiteffekten der HIV-Infektion untersuchen.

14. Februar 2011: Auf der Berlinale, die vom 10. bis 20. Februar 2011 in Berlin stattfindet, laufen auch Filme zu HIV / Aids: u.a. „We were here“ sowie der erste chinesische Dokumentarfilm zu HIV „Be together“.

11. Februar 2011: ‚Würden die (US-amerikanischen Medikamentenbehörden) FDA ein Verhütungsmittel zulassen, dass zu 44% wirkt?‘, weist Aids Healthcare Foundation auf viele Fragen zur derzeitigen Situation bei PrEP hin.

10. Februar 2011: Cornelia Yzer, bisher Cheffin des Verbands forschender Pharmaunternehmen (VfA), beendet ihre Tätigkeit Ende Juni 2011 – nach Medienberichten ’nicht ganz freiwillig‘.

HIV kann die Immunabwehr von Neugeborenen auch schwächen, ohne dass diese mit HIV infiziert werden, stellt eine US-Studie fest.

In Los Angeles sollen mit einer städtischen Vorschrift Porno-Produzenten zur Kondom-Verwendung bei Porno-Dreharbeiten gezwungen werden.

08. Februar 2011: Jugendliche in der Schweiz schützen sich besser vor einer HIV-Infektion. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit.

Eine kleine Studie in den USA untersucht, ob Disulfiram (Handelsname Antabuse®) geeignet ist HIV aus viralen Reservoirs auszuwaschen.

07. Februar 2010: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Lopinavir / Ritonavir (Handelsname Kaletra®) in eine ‚watch list‘ wegen möglicher Sicherheitsprobleme bei Neugeborenen aufgenommen.

Tesamorelin (Handelsname Egrifta®) soll zukünftig in Europa nach Unterzeichnung eines entsprechenden Lizenzabkommens vom spanischen Unternehmen Ferrer International vermarktet werden.

Mord wegen HIV? Brachte ein 55 Jahre alter Frührentner zwei Cruiser um, weil er nach einer HIV-Infektion Schwule hasste?

06. Februar 2011: Kürzungen bei Krankenversicherungs-Programmen in den USA – laufen immer mehr US-Amerikaner mit geringem Einkommen Gefahr, keine wirksame HIV-Therapie mehr zu bekommen? Regan Hofmann sorgt sich in der Huffington Post über „The Alarming State of AIDS in America„.

Ein HIV-positiver Ugander befürchtet, aus Großbritannien nach Uganda abgeschoben zu werden – und dort um sein Leben fürchten zu müssen.

04. Februar 2011: Nach Vorwürfen der Zweckentfremdung von Mittel kündigt der Präsident des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose Michel Kazatchkine, an, die Zahl seiner Mitarbeiter, die für die Abwicklung der Hilfszahlungen zuständig sind, zu erhöhen

03. Februar2011: Erstmals seit Beginn der Aids-Krise ist in San Francisco die Mehrzahl der Menschen, die mit einer Aids-Diagnose leben, über 50 Jahre alt. 53% aller Menschen, bei denen im Jahr 2010 Aids diagnostiziert wurde, seien 50 Jahre oder älter gewesen, berichtet der Bay Area Reporter.

01. Februar 2011: Der Pharmakonzern Gilead hat die Laufzeit einer Phase-III-Studie seines experimentellen Integrasehemmers Elvitegravir auf Empfehlung der US-Medikamentenbehörde FDA von 48 auf 96 Wochen verlängert.

Ronald Reagan: Ehrungen für Aids-Ignoranten?

In den USA beginnen in diesen Tagen monatelange Jubelfeiern für Ronald Reagan, den 2004 verstorbenen 40. Präsidenten der USA. Selbst in Deutschland schlagen Politiker vor, ihn zu ehren, Straßen oder Plätze nach Reagan zu benennen. Doch – Ronald Reagan stand in Sachen Aids für Ignoranz, für Tausende Aids-Tote, für Desinteresse, das Leben kostete.

Am 6. Februar 1911 wurde Ronald Reagan in Tampico Illinois geboren. Nach einer Karriere als Schauspieler in zahlreichen ‚B-Movies‘ war er von 1981 bis 1989 der 40., Präsident der USA. Anlässlich seines 100. Geburtstags beginnen in den USA in diesen Tagen Feierlichkeiten zu Reagans Ehren, die als ‚Reaganiana‘ mit Konferenzen, Ausstellungen und anderen Events das ganze Jahr andauern sollen.

Ronald Reagan war als Politiker zu Lebzeiten stark umstritten. Der erzkonservative Republikaner, inzwischen zur Ikone rechter Politik geworden, stand zu Regierunsgzeiten für Abbau des Sozialstaats, Rekord-Verschuldung – und eine Ignoranz gegenüber der gerade beginnenden Aids-Krise, die viele Menschen das leben kostete.

„Die Regierung ist nicht die Lösung, die Regierung ist das Problem“, dieser Satz aus Reagans Rede anlässlich seiner Amtseinführung 1981 wirkt heute geradezu wie sein Credo, das Grund-Motto seiner Regierungszeit: weitgehende Entstaatlichung. Zum Ausdruck kommt auch das bipolare Denken Reagans – die Einteilung der Welt in ‚gut‘ und ‚böse‘, in ‚Freiheit‘ oder ‚Kommunismus‘, in ‚bösen Staat‘ und ‚gute Privatwirtschaft‘. Folgen der ‚Reagonomics‘ waren u.a. ein demontierter Sozialstaat und eine Staatsverschuldung in zuvor unbekannter Höhe.

Ronald und Nancy Reagan 1981 während der Parade zur Amtseinführung (Foto: wikimedia / White House Office)
Ronald und Nancy Reagan 1981 während der Parade zur Amtseinführung (Foto: wikimedia / White House Office)

In Reagans Amtszeit als US-Präsident fällt auch der Beginn der Aids-Krise. Im Juni 1981 wird erstmals über ungewöhnliche Erkrankungen bei ansonsten gesund scheinenden jungen schwulen Männern berichtet.

Der US-Präsident braucht fünf Jahre, bis er Stellung nimmt: am 17. September 1985 erwähnt er erstmals (!) überhaupt in einer öffentlichen Rede Aids – in Reaktion auf die Frage eines Reporters. Und es dauerte bis 1987 (am 1. April, Rede im Philadelphia College of Physicians), bis er ein öffentliches Statement zur HIV-Epidemie und Aids-Krise gab. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits über 45.000 Aids-Fälle allein in den USA gemeldet. Allein im Jahr 1987 starben 4.135 US-Amerikaner an den Folgen von Aids; insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt schon über 13.000 Menschen allein in den USA an Aids gestorben.

Am 31. Mai 1987, dem Vorabend der Eröffnung der 3. Internationalen Aids-Konferenz in Washington, forderte Reagan dann anlässlich eines Dinners der American Foundation for AIDS Research nach seinem jahrelangen Schweigen routinemäßige HIV-Zwangstests (und stieß auf der Konferenz mit diesem Vorschlag auf lebhafte Ablehnung). Im Juni 1987 setzte der US Public Health Service Aids auf die Liste derjenigen Erkrankungen, wegen der Menschen aus den USA abgeschoben werden konnten. Und einen Monat später folgte mit dem ‚Helms Amendment‘ die Einführung des US-Einreiseverbots für HIV-Positive.

Unterstützung für seine ultrakonservative Politik fand Reagan immer wieder bei dem 2008 verstorbenen rechtskonservativen Senators Jesse Helms, einer der aggressivsten Kämpfer gegen Rechte von Schwulen und Lesben in den USA – und einem Kämpfer für eine sehr konservative und restriktive Aids-Politik (Helms war Betreiber des erst am 4. Januar 2010n endgültig aufgehobenen US-Einreiseverbots für HIV-Positive).

‚Ignorance Kills‘, Ignoranz tötet – dieser Slogan der Aids-Aktivistengruppe ACT UP war direkte Reaktion auf eine von Ronald Reagan ausgehende US-Politik, die sich jahrelang weigerte, die Aids-Krise ernst zu nehmen.

Am 6. Februar 2011 jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag von Ronald Reagan. Verteidigungsminister Guttenberg (CSU) fordert, einen Platz oder eine Straße in Berlin nach Ronald Reagan zu benennen. Dies nicht zu tun, sei geschichtsblind, sekundiert Martin Lindner (FDP).

.

weitere Informationen:
salon.com 04.02.2011: Ronald Reagan cared more about UFOs than AIDS
LHBT pov 06.02.2011: Ronald Reagan’s Real Legacy: Death, Heartache and Silence Over AIDS
Welt 22.12.2010: Guttenberg fordert Ronald-Reagan-Platz in Berlin
towleroad 07.02.2011: Reagans Failure to Act
Larry Kramer in ‚The Advocate‘ 06.02.2011 (original 2004): Adolf Reagan
.

USA: vorläufiger Ratgeber zu PrEP bei Männern, die Sex mit Männern haben

Die US-amerikanischen CDC Centers for Disease Control haben vorläufige Empfehlungen an Ärzte herausgegeben zu Prä-Expositions-Prophylaxe bei Männern mit hohem HIV-Infektionsrisiko, die Sex mit Männern haben.

Ende 2010 sorgte die so genannte IPrEx-Studie für Aufsehen: die tägliche Einnahme eines Kombi-Medikaments solle, so die Studienergebnisse, in der Lage sein, das HIV-Infektionsrisiko bei Männern, die Sex mit Männern haben, um 44% zu senken. Auch wenn die iPrEx-Studie viele Fragen auslöste – die US-amerikanischen Centers for Disease Control reagieren nun und haben am 28. Januar 2011 erste vorläufige Empfehlungen zu Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) herausgegeben zu PrEP bei Männern mit hohem HIV-Infektionsrisiko, die Sex mit Männern haben.

Die vorläufigen Empfehlungen warnen deutlich, es gebe bedeutende Vorbehalte gegenüber der Studie. Eine detailliertere Fassung der Richtlinien ist in Vorbereitung und im Laufe des Jahres erwartet. Mit der vorläufigen Fassung reagieren die CDC auf Befürchtungen, dass Ärzte aufgrund der iPrEx-Studie bereits jetzt PrEP in der Praxis einsetzen könnten.

PrEP könne wenn überhaupt derzeit (bis die Sicherheit und Wirksamkeit von PrEP nachgewiesen sei) angesichts der begrenzten verfügbaren Daten nur erwogen werden für Männer, die Sex mit Männern haben, und die ein hohes Infektionsrisiko haben. Die CDC empfehlen Ärzten derzeit, das Risiko-Verhalten des Patienten genau zu analysieren und zu dokumentieren. Tests auf HIV sowie sexuell übertragbare Erkrankungen sollten durchgeführt werden. Zudem werden Untersuchungen auf Hepatitis B sowie Nieren-Funktionsstörungen empfohlen (da das derzeit für PrEP eingesetzte Medikament die Nierenfunktion beeinträchtigen kann). Ärzte sollten maximal einen 90-Tage – Medikamentenvorrat verschreiben und umfangreicher Risiko-Reduzierungs-Beratung, Kondome sowie Beratung zu Therapietreue anbieten, empfehlen die CDC zudem.

Das Konzept einer Prä-Expositions-Prophylaxe ist derzeit experimentell und auch unter Fachleuten umstritten. Auch eine französische Studie wird demnächst die Machbarkeit von Prä-Expositions-Prophylaxe untersuchen – durch Einnahme nicht kontinuierlich (wie bei iPrEx), sondern PrEP im Bedarfsfall.

.

weitere Informationen:
CDC 28.01.2011: Interim Guidance: Preexposure Prophylaxis for the Prevention of HIV Infection in Men Who Have Sex with Men

DAH 14.02.2011: US-Behörde empfiehlt PrEP nur für MSM mit hohem HIV-Risiko
.

Kurz notiert … Januar 2011

29. Januar 2011: ‚Ärzte ohne Grenzen‚ kritisiert die Vereinbarung zwischen der Johnson & Johnson-Tochter Tibotec und drei Generika-Herstellern über ein neues HIV-Medikament des Konzerns (Rilpivirine)  für unzureichend. Viele HIV-Positive blieben von der Regelung ausgeschlossen.

28. Januar 2011: In den USA ist Tesamorelin (Handelsname Egrifta®) nach der US-Zulassung inzwischen verfügbar – die Jahres-Kosten (wholesale acquisition cost, etwa Großhandelseinkaufspreis) sollen bei 23.900 US-$ liegen.

27. Januar 2011: Die US-Medikamentenbehörde FDA hat eine Zulassungsantrag des Pharmaunternehmens Gilead für eine Dreier-Kombipille aus Tenofovir und Emtricitabin (bisher schon vermarktet unter dem Hhandelsnamen Truvada®) sowie dem experimentelle NNRTI Rilpivirin vorläufig nicht angenommen. Das Unternehmen kündigte an, kurzfristig weitere Daten zur Verfügung zu stellen.

24. Januar 2011: Die Medikamenten-.Behörde der EU hat Darunavir (Handelsname Prezista®) für die einmal tägliche Anwendung (mit Ritonavir als Booster) bei Therapie-erfahrenen Erwachsenen ohne Hinweise auf potentielle Resistenzen gegen die Substanz zugelassen.

23. Januar 2011: Die US-Regierung ist beunruhigt, dass die Pharma-Industrie zu langsam und zu wenige neue Substanzen entwickelt – und reagiert, indem sie ein eigenes Bundes-Forschungszentrum ins Leben ruft.

22. Januar 2011: US-Forscher haben erstmals die Struktur der Protein-Hülle von HIV entschlüsselt. Sie hoffen, dass sich daraus neue Ansätze für Medikamente gegen HIV entwickeln lassen.

In Tschetschenien müssen zukünftige Eheleute seit Mitte Januar 2011 einen HIV-Test machen, nur HIV-Negative werden vermählt. Dies erklärte der Großmufti des islamischen Landes. Zwar ist Heirat auch in Tschetschenien gesetzlich geregelt, Anordnungen des Muftis werden aber von vielen Bürgern befolgt.

20. Januar 2011: Bei HIV-Positiven ist möglicherweise das Risiko für Schlaganfälle erhöht, berichten US-Forscher.

Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln: Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat sich eine neue Verfahrensordnung gegeben.

19. Januar 2011: Arbeitsagenturen und Jobcenter müssen Hartz-IV-Empfängern die Beiträge zur privaten Krankenversicherung voll bezahlen, berichtet die DAH über ein Urteil des Bundesozialgerichts.

Ein 41jähriger heterosexueller Mann wurde im US-Bundesstaat Virginia zu 50 Jahren Haft verurteilt. Der HIV-positive Mann hatte Sex mit einem 14-jährigen Mädchen, ohne sie über seine HIV-Infektion zu informieren. Das Mädchen ist HIV-infiziert.

Einem HIV-positiven Sergeant der US-Air-Force drohen bis zu 53 Jahre Haft. Er soll mehrfach Sex ohne Verwendung von Kondomen Sex gehabt haben, ohne seinen HIV-Status offen zu legen – entgegen einer schriftlichen Anordnung seines Kommandeurs, Sexpartnerinnen über seinen HIV-Status zu informieren.
Aktualisierung 22.01.2011: Der Sergeant wurde inzwischen zu acht Jahren Haft verurteilt.

14. Januar 2011:Im Verfahren gegen einen 65-jährigen HIV-positiven Mann aus Celle, dem Missbrauch in 403 Fällen in Thailand vorgeworfen wird, fordert die Staatsanwaltschaft Lüneburg 9 Jahre Haft. Das Urteil soll am 21. Februar 2011 verkündet werden.

Bei Farbigen, Hispanics und amerikanischen Indianern sind unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung die HIV-Neuinfektionsraten höher als bei Weissen; bei Farbigen und Hispanics verschlechtert die Situation sich weiter. Dies betont der erste Bericht zu ethnischen Unterschieden der Gesundheitssituation in den USA, den die CDC jemals erstellt haben.

13. Januar 2011: Das Pharmaunternehmen Gilead warnt in einem ‚Rote Hand Brief‘ (pdf), dass die nicht sachgemäße Anwendung von Cidofovir (Handelsname Vistide®) außerhalb der Zulassung zu schweren Nebenwirkungen führen kann. Die Substanz ist nur zugelassen zur Behandlung der CMV-Retinitis bei Erwachsenen mit Aids.

12. Januar 2011: State Representative Larry Brown, Republikaner und Mitglied der General Assembly des US-Bundesstaats North Carolina, redet Klartext: Erwachsene mit HIV sollten ihre Therapien nicht vom Staat bezahlt bekommen, wenn sie „es durch ihren Lebensstil verursacht haben“ sowie für Menschen, die „in perversen Lebensstilen leben“. Er meine damit u.a. Erwachsene, die sich durch Sex oder Drogen mit HIV infizieren.

11. Januar 2011: Zwei Proteasehemmer gegen das Hepatitis C Virus befinden sich in beschleunigten Zulassungsverfahren: Boceprevir in den USA und Telaprevir in Europa.

In den USA wurden die Richtlinien für HIV-Therapie aktualisiert. U.a. sind Kontrollen der CD4-Werte in vielen Fällen seltener als bisher erforderlich, zudem wurde virologisches Versagen der Therapie neu definiert.

07. Januar 2010: Die Empfehlung, dass HIV-Positive eine Grippeschutz-Impfung machen sollten, ist gerechtfertigt, folgert ein US-Forscher aufgrund aktueller Daten dreier Studien.

„Immun gegen AIDS?“ – Werbung für Gentest führt in die Irre“, warnt die DAH.

Atorvastatin und Rosuvastatin sind besser geeignet als Pravastatin, um bei HIV-Positiven erhöhte Blutfettwerte zu senken, stellen US-Forscher in einer Studie an 700 HIV-Positiven fest. Alle drei Substanzen der Gruppe der Statine hatten in der Studie vergleichbare Raten an Nebenwirkungen.

05. Januar 2011: Das Patentamt im indischen Mumbai hat einen Patentantrag des Pharmakonzerns Abbott auf die Kombination von Ritonavir und Lopinavir (vermarktet unter dem Handelsnamen Kaletra®) für Indien abgelehnt. Damit ist die Herstellung generischer Versionen in Indien möglich.

Der Baseballspieler Roberto Alomar wird in die „Hall of Fame“ des US-Baseball aufgenommen. Alomar sieht sich mit einer Anzeige seiner Ehefrau konfrontiert, er habe mit ihr ungeschützten Sex gehabt, obwohl er von seinem positiven HIV-Status wisse.

Plastiktüten seien kein brauchbarer Ersatz für Kondome, warnt das Gesundheitsministerium in Thailand die Teenager des Landes.

04. Januar 2011: Erstmals seit den 1980er Jahren ist die Zahl der Todesfälle mit Bezug zu HIV und Aids pro Jahr in New York im Jahr 2010 unter 1.000 gefallen (auf 933).

Mangel an Vitamin D kann für HIV-Positive das Risiko erhöhen, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, berichten Forscher.

01. Januar 2011: Annie Lennox wird für ihren Einsatz gegen Armut und Aids in Afrika von der britischen Queen als ‚Offizierin‘ in den Orden des britischen Empire aufgenommen.

Kurz notiert … Dezember 2010

22. Dezember 2010: Eine in Kenia geborene 28-jährige Frau wurde in Finnland zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Frau, die als ‚Erotik-Tänzerin‘ arbeitete, wurde vorgeworfen, zwischen 2005 und 2010 kondomlosen Sex mit 16 Männern gehabt zu haben, ohne ihren HIV-Status mitzuteilen.

Die US-Medikamentenbehörde FDA hat für die USA eine 200mg-Tablette von Etravirine (Handelsname Intellence®) zugelassen.

Die US-Medikamentenbehörde FDA hat erstmals einen Impfstoff auch zur Prävention von Anal-Karzinomen zugelassen (zur Anwendung bei Männern und Frauen im Alter von 9 bis 26 Jahren).

21. Dezember 2010: Der Pharmakonzern BMS erwirbt vom japanischen Unternehmen Oncolys BioPharma die Lizenz für den NRTI Festinavir. Die Substanz ist ein Derivat von d4T (Stavudin, Handelsname Zerit®). Festinavir soll Phase-I-Studien-Daten zufolge auch wirksam sein bei Resistenzen gegen Abacavir und Tenofovir. Für die weiteren Entwicklungsrechte zahlt BMS bis zu 286 Millionen US-$.

20. Dezember 2010: In den Vorgängen um die Verhaftung von Wikilekas-Gründer Julian Assange rückt immer mehr die Frage von Kondom-Benutzung und HIV-Test in den Vordergrund.

Ein Angeklagter vor dem Strafgericht Lüttich drohte dem Vorsitzenden, er werde den Richter mit HIV infizieren. Bevor er den Richter erreichte, überwältigten ihn Sicherheitsbeamte.

17. Dezember 2010: Auf den Zusammenhang zwischen der Verhaftung von Wikileaks-Gründer Julian Assange und den sehr repressiven HIV-Gesetzen in Schweden weist Edwin J. Bernard in seinem Artikel auf ‚Criminal HIV Transmission‘ hin.

In San Francisco hat am 10. Dezember 2010 das GLBT History Museum eröffnet. Betrieben wird es von der GLBT Historical Society.

16. Dezember 2010: Die USA und Südafrika haben eine auf fünf Jahren angelegte Partnerschaft zur Bekämpfung von Aids vereinbart.

15. Dezember 2010: Ein HIV-infizierter Amerikaner, der mit mehreren Frauen Sex ohne Kondom gehabt haben soll, wurde vom Landgericht Nürnberg-Fürth zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt. Damit wurde das Urteil erster Instanz des Amtsgerichts Neumarkt bestätigt. Das Urteil ist rechtskräftig.

14. Dezember 2010: Richard Holbrooke stirbt im Alter von 69 Jahren. Der US-Star-Diplomat war neben vielen anderen Aktivitäten auch gegen Aids engagiert, war z.B. maßgeblich am Zustandekommen der Sitzung (wie der daraus folgenden Resolution) des Welt-Sicherheitsrates zu Aids im Jahr 2000 beteiligt.

HIV-Positive mit erhöhten Triglyzerid-Werten haben auch ein erhöhtes Risiko für Neuropathien, so eine (online auf AIDS publizierte) Studie.

9. Dezember 2010: In Südafrika startet 2011 ein „real life“ – test der ‚test-and-treat‚-Strategie (möglichst viele Menschen auf HIV testen, als HIV-positiv diagnostizierte Menschen direkt antiretroviral behandeln). Die Studie wird von der französischen ANRS durchgeführt.

8. Dezember 2010: In London solle ein Aids-Memorial errichtet werden, dass an diejenigen erinnert, die an den Folgen von HIV-Infektion und Aids verstorben sind, fordert eine neue Kampagne.

6. Dezember 2010: Tabu, Scham & Co. – eine im Auftrag der DAH erstellte Studie untersucht, warum viele HIV-Infektionen spät erkannt werden.

„Großer Erfolg“ – die DAH berichtet über erste Ergebnisse der EMIS-Befragung.

4. Dezember 2010: Die European Medicines Agency (EMA) weitet die Zugangsmöglichkeiten der Öffentlichkeit zu Unterlagen über Medikamente aus.

3. Dezember 2010: Die US-Medikamentenbehörde FDA erteilt einem „1-Minute – HIV-Schnelltest für die USA die Zulassung.

Schweiz: R. Staub, im Bundesamt für Gesundheit zuständig für Prävention und Promotion im BAG, benennt den gewünschten „kulturellen Wandel“ in der HIV-Prävention: Menschen mit neuer HIV-Diagnose sollen sich per SMS bekennen und Sexpartner zu informieren.

In New York wurden am Rand eines Benefiz-Events mehrere Aids-Aktivisten verhaftet. Sie hatten gegen die Aids-Politik von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg protestiert.

2. Dezember 2010: Die Polizei in Russland hat am Welt-Aids-Tag zehn HIV-Positive festgenommen, die gegen die Politik des Gesundheitsministeriums protestiert hatten.

Das Pharmaunternehmen Vertex hat in den USA einen Zulassungsantrag für den Hepatitis-C – Proteasehemmer Telaprevir gestellt.

1. Dezember 2010:Auch Menschen ohne einen legalen Aufenthaltsstatus haben Anspruch auf Behandlung, darauf weist die Bundesärztekammer hin („Patientinnen und Patienten ohne legalen
Aufenthaltsstatus in Krankenhaus und Praxis“, pdf)

Der Pharmakonzern MSD hat nach Empfehlung des Sicherheits-Komitees eine Phase-III-Studie zur einmal täglichen Anwendung von Raltegravir (Isentress®) vorzeitig abgebrochen. Insbesondere bei HIV-Infizierten mit hoher Viruslast sei die virologische Antwort weniger gut gewesen als bei der zweimal täglichen Dosierung.

Pünktlich zum Welt-Aids-Tag startet auf Kuba eine neue Kampagne für Sexual-Aufklärung und Aids-Prävention.

In China wird ein Erstklässler wegen seiner HIV-Infektion nach Protesten anderer Eltern der Schule verwiesen.

USA: neues Internetangebot zur Gesundheit schwuler und bisexueller Männer

Die US-amerikanischen Centers for Disease Control, eine dem Gesundheitsministerium unterstellte Behörde der US-Regierung, hat ein neues Internetangebot speziell zur Gesundheit schwuler und bisexueller Männer bereitgestellt.

Gesundheits-Informationen speziell für Schwule, für Bisexuelle sowie für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) stehen im Mittelpunkt eines neuen Internetangebots der staatlichen Centers for Disease Control and Prevention (CDC), das unter der Adresse www.cdc.gov/msmhealth zu finden ist:

CDC: Gay and Bisexual Men's Health (Screenshot)
CDC: Gay and Bisexual Men's Health (Screenshot)

Die neue Site informiert in zahlreichen Rubriken unter anderem zu Themen wie Sexuell übertragbare Krankheiten, HIV/Aids, virale Hepatitiden, Drogengebrauch, Tabak-Konsum, psychische Gesundheit, Stigmatisierung und Diskriminierung oder Selbstmord- und Gewalt-Prävention.

weitere Informationen:
Centers for Disease Control and Prevention: Gay and Bisexual Men’s Health
.

USA: Designer-Kondome in der Minibar

In manchen Hotels in den USA finden Gäste in der Minibar nicht nur Schokoriegel und Flachmänner – sondern auch Kondome, in der Designer-Variante.

Cola, Schnäpse, Süßigkeiten – derlei erwartet der Gast üblicherweise in der Minibar seines Hotelzimmers. In den Hotels einer Kette in den USA findet dort er zusätzlich auch Kondome.

Die Verpackungen der Kondome wurden von mehreren Mode-Designern gestaltet. Das Dreier-Set kann zu 5,99 US-$ erworben werden.

Eine der Ideen dabei sei es gewesen, Kondome modischer zu gestalten, so das auch Frauen sie leichter in ihrer Handtasche mitnehmen könnten, so ein Sprecher des Herstellers.

LA Times 27.09.2010: Need a condom? Check your hotel room’s mini-bar
.

Kalifornien: Homo-Ehe wieder legal, aber Wartefrist bis Dezember (akt.2)

Homo-Ehen sind in Kalifornien ab sofort bis auf weiteres wieder legal. Allerdings wurde eine weitere Wartezeit bis 18. August verordnet – bis zu diesem Termin sind Homo-Ehen weiterhin nicht möglich. Inzwischen ordnete ein Berufungsrichter eine erneute Wartezeit bis zur Berufungsverhandlung im Dezember 2010 an.

Donnerstag, 12. August 2010, 12:20 Uhr Ortszeit. Richter Walker hat entschieden: das Verbot der Homo-Ehe in Kalifornien ist gemäß Urteil vom 4. August 2010 verfassungswidrig – und das Urteil tritt ab sofort in Kraft der Richter lehnte eine permanente Außer-Kraft-Setzung des Urteils ab. Die Homo-Ehe ist bis auf weiteres in Kalifornien wieder legal – kann aber bis zum Ablauf einer erneuten Frist (18. August 17:00 Uhr Ortszeit (PDT)) weiterhin nicht vollzogen werden.

Der Antrag, das Urteil vom 4. August weiterhin permanent nicht in Kraft treten zu lassen, wurde als rechtlich unbegründet abgewiesen. Ab sofort können schwule und lesbische Paare in Kalifornien wieder heiraten. Allerdings wurde den Parteien eine weitere Frist bis 18. August eingeräumt.

Damit können Schwule und Lesben in Kalifornien ab 18. August 17:00 Uhr wieder heiraten – so nicht eine höhere Instanz die Regelung erneut außer Kraft bzw. das Verbot in Kraft setzt.

Bereits vor der für heute angekündigten Entscheidung versammelten sich zunehmend mehr schwule und lesbische Paare vor dem Rathaus von San Francisco wie auch anderen kalifornischen Rathäusern in der Hoffnung, den Moment nutzen und heiraten zu können. Einige Rathäuser hatten interessierten Paaren bereits vorab in Erwartung der Entscheidung gestattet, die erforderlichen unterlagen auszufüllen. Die Mitarbeiter waren darauf vorbereitet, nach der Verkündung sofort mit Trauungszeremonien zu beginnen. In Los Angeles hatte Bürgermeister Villaraigosa angekündigt, die erste Trauung persönlich vorzunehmen.

Die jetzige Entscheidung könnte allerdings von kurzer Dauer sein: das Berufungsgericht als nächste Instanz könnte schon bald eine erneute vorläufige Gültigkeit des Verbots der Homo-Ehe anordnen bis zum Urteil im Berufungsverfahren.

Das Verbot der Homo-Ehe mittels einer Volksabstimmung verstößt gegen die US-Verfassung. Dieses Urteil fällte am 4. August 2010 der US District Court Northern District of California. Keine 24 Stunden nach der Veröffentlichung des Urteils gingen die unterlegenen Gegner der Homo-Ehe in Berufung.

Offen war nach dem Urteil von Richter Walker noch die Frage, ob die als verfassungswidrig erklärte Regelung (Verbot der Homo-Ehe gemäß Proposition 8) bis zur endgültigen juristischen Klärung weiterhin in Kraft bleibt oder sofort außer Kraft gesetzt wird.

Die Gegner der Homo-Ehe betonten, wenn jetzt schwule und lesbische Ehen ermöglicht würden, schaffe dies „schädliche Unsicherheit“. Die Kläger beantragten sofortige Wirksamkeit des Urteils und damit Ermöglichung der Homo-Ehe.

Für eine Überraschung sorgte der Gouverneur Kaliforniens Arnold Schwarzenegger. Er beantragte (ebenso wie Generalstaatsanwalt Brown) beim Gericht die sofortige Wiederzulassung der Homo-Ehe:

„The Administration believes the public interest is best served by permitting the Court’s judgment to go into effect, thereby restoring the right of same-sex couples to marry in California. Doing so is consistent with California’s long history of treating all people and their relationships with equal dignity and respect.“

Unterdessen bereiteten sich die Veranwortlichen in der Stadt San Francisco auf alle Fälle vor. Sollte Richter Walker Homo-Ehen wieder zulassen, wolle man vorbereitet sein. Die Öffnungszeiten können ausgeweitet werden (auch Samstag und Sonntag von 09:00 bis 17:00 Uhr), Freiwillige wurden gebeten, bei dem erwarteten Ansturm zu unterstützen.

Schon einmal, zwischen Mai und November 2008, waren Homo-Ehen in Kalifornien möglich. Über 18.000 schwule und lesbische Paare nutzen in diesen wenigen Monaten die Gelegenheit zur Eheschließung – über 100 pro Tag, den Angaben eines Vertreters der Stadt zufolge.

Schon vorher hatten die Gegner der Homo-Ehe angekündigt, falls Richter Walker das Verbot der Homo-Ehe mit sofortiger Wirkung außer Kraft setzt und damit Homo-Ehen wieder ermöglicht, würden sie das Berufungsgericht und den Obersten Gerichtshof anrufen und eine Eilentscheidung beantragen.

.

weitere Informationen:
Urteil zum „stay“ und der Frist bis 18.8.2010 als pdf
Seite des Gerichts zum Verfahren „Perry et al v. Schwarzenegger et al“
365gay 06.08.2010: Prop 8 judge to receive stay arguments today
LA Times 06.08.2010: Prop. 8 supporters argue same-sex weddings now would create ‚harmful uncertainty‘
LA Times 06.08.2010: Judge who overturned Prop. 8 receives written arguments on whether to put his ruling on hold
KQED News 06.08.2010: San Francisco City Hall Preparing for a Big „If“
JoeMyGod 06.08.2010: Schwarzenegger Files Motion To Immediately Resume Gay Marriages
towleroad 09.08.2010: Prop 8 proponents may not have power to appel judges ruling
LGBT Pov 08.08.2010: Lambda Legal’s Jon Davidson Explains What’s Next: Judge Walker’s Stay of His Prop 8 Ruling, Timeline For Appeals and More
LGBT POv 10.08.2010: Judge Walker’s Court Posts Video and Documentary Evidence Presented During Federal Prop 8 Trial
Advocate 10.08.2010: Conservative Calif. County Appeals Prop. 8 Decision
queer.de 12.08.2010: Kalifornien: Zittern um Homo-Ehe geht weiter
advocate 12.08.2010: Walker Extends Temporary Stay in Prop. 8 Case
pinknews 12.08.2010: Judge rules gay marriage in California to resume next week
towleroad 12.08.2010: We (Almost) Have Marriage Equality: An Analysis of Judge Walker’s Prop 8 Stay Ruling
SpON 12.08.2010: Kalifornien – Schwule und Lesben dürfen wieder heiraten

Advocate 16.08.2010: Ninth Circuit: Marriages on Hold
.